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Der hier Online veröffentlichte Reisebericht ist aus Platzgründen um etliche Fotos gekürzt. Die Fotos sind auf den Subseiten hier einzusehen. Viel Spaß!
Der zweite Teil über
Libyen ist übrigens hier nachzulesen. Dort findet Ihr auch die dazugehörigen Fotos.

Die unautorisierte Vervielfältigung ist auch hier strafbar!

Tunesien 2000

oder

Y2K in der Wüste

der Geschichte erster Teil...


Vorwort zum besseren Verständnis?


Diesen Reisebericht schreibe ich aus reinem Selbstzweck.
Mir ist aufgefallen, daß alle meine vielen Urlaube irgendwann immer verschwommener werden. Trotz der Bilder finden sich viele Tage davon nicht mehr in meiner Erinnerung wieder. Lediglich die
Highlights bleiben erhalten. Dagegen wollte ich etwas unternehmen. Herausgekommen ist dabei dieser Reisebericht. Es war nie angedacht, ihn zu veröffentlichen. Nun ist es doch geschehen.
Teils habe ich die Angewohnheit, recht weitschweifig zu schreiben. Der geneigte Leser möge mir dies verzeihen. Schreiben hat bei mir auch etwas mit Spaß und Spiel zu tun, genauso wie das Reisen an sich.
Falls jemanden meine Art zu Schreiben nicht zusagen sollte, schlage ich vor, das Lesen einfach abzubrechen. (Schreib-)Stil ist eine rein subjektive Angelegenheit. Was sachliche Fehler in Grammatik, Inhalt und Rechtschreibung angeht, so ist dies völlig und absolut mein – zweifelhafter – Verdienst. Anregungen, Korrekturen und Hinweise sind daher immer sehr willkommen.
Eigentlich sind Janet und ich absolut keine Gruppenreisenden. Sozusagen die lonesome Cowboys unter den Reisenden...Dieser Text war eigentlich als persönliches Tagebuch geplant und ist auch entsprechend verfaßt worden. Die Idee der Veröffentlichung kam erst viel später hinzu. Es ist dem Text sicher anzumerken, daß er eher persönliche Eindrücke festhält und sich weniger an den Mitreisenden orientiert. Trotzdem habe ich mich entschlossen, ihn (den Text) nicht in dieser Richtung abzuwandeln.
Ich bitte also verbale Entgleisungen oder allzu subjektive Gedankengänge meinerseits zu verzeihen und souverän zu überlesen. Ich bin es einfach nicht gewohnt, für andere zu schreiben (Mit dieser Ausrede kann gar nix mehr schief gehen, gell!).

Trotzdem wünsche ich allen möglichst viel Spaß und wenig Langeweile bei der Lektüre der folgenden Seiten. Der zweite längere Teil des Reiseberichts handelt dann von Libyen und wird bei Fertigstellung hoffentlich ebenfalls an dieser Stelle nach geschoben werden.

So long



Jörg & Janet       im Februar 2000


Uuuurlaub


Heute ist es also soweit: Unser Start mit dem eigenen Wagen nach Afrika. Vier Wochen insgesamt in Tunesien und Libyen.

Wir (Janet und ich) haben schon vor rund einem halben Jahr diese Reise gebucht, geplant und vorbereitet haben wir sie sogar noch länger.
Die ersten zwei Wochen sind wir mit einer Reisegruppe der 4Wheel Fun in Tunesien unterwegs. Unter der kundigen Führung und Organisation von Ronald Dembert.
Natürlich fahren alle im eigenen Wagen. Insgesamt 12 Fahrzeuge. Die meisten davon Toyotas, aber auch ein Frontera, ein Nissan, ein Mitsubishi, zwei Land Rover und ein Jeep Cherokee sind mit von der Partie.
Der Termin: 25.12. Fährüberfahrt nach Tunis, Rückfahrt am 8.1.200 nach Genua.
Janet und ich werden uns allerdings eher abseilen, weil wir noch weiter nach Libyen wollen. Wir haben uns dort via Internet mit einem anderen Fahrzeug verabredet. Davon jedoch später mehr.


Der Trekker, das Daktari-Auto?


Unser Fahrzeug ist ein im Dezember 1998 geborener weißer Defender 90 Tdi 300.

Abbildung 1: So sah er vor dem Urlaub aus...

Auch dieses Maschinchen ist mittlerweile (neben den Fahrern) – noch - besser auf Urlaub vorbereitet. Nahezu ein Jahr sind wir schon mit den Umbauten beschäftigt.

Der Rover heißt bei uns mittlerweile Trekker, weniger als Hinweis auf seinen Einsatzbereich als vielmehr auf die Reisegeschwindigkeit und das dabei entstehende olfaktorische und akustische Umfeld. Inzwischen haben wir ihn (für uns ist er eindeutig männlich, keine Ahnung warum) sehr lieb gewonnen. Wir fahren praktisch nur noch Nebenstrecken mit ihm, am liebsten Querbeet, selten über 100 km/h und nehmen uns halt immer mindestens einen Tag mehr Zeit.


Gründe, (k)einen LandY zu kaufen


Es gab verschiedene Gründe, den Trekker anzuschaffen. Der wichtigste ist eindeutig mein Punktekonto in Flensburg...
Den Führerschein habe ich wegen meiner flotten Fahrweise bereits mehrmals abgegeben. Immer etwas zu schnell auf der Autobahn unterwegs gewesen und zu oft dabei fotografiert worden...
Irgendwann hatte ich dann keine Lust mehr auf diesen permanenten Ärger. Außerdem wurden die Kosten für die ewigen Tests, Nachschulungen usw. einfach zu hoch und zu Zeitaufwendig.
Ein anderer Grund war sicherlich der Verkehr auf öffentlichen Straßen. Ab jetzt stehe ich zwar immer noch im Stau, aber immer als erster! Wunderbares Gefühl, es nicht mehr ständig eilig zu haben.
Also verwirklichte ich meinen Kindertraum: EIN DAKTARI-AUTO!!! Neben Clarence, dem schielenden Löwen war dieser Wagen mein absoluter Liebling!
Tja. So kamen wir also zusammen. Mein Punktekonto wächst seitdem nicht mehr. Im nächsten Jahr dürfte es sogar verschwinden. Also Klassenziel erreicht.
Der Lärmpegel, die ewige Feuchtigkeit, die Macken in der Elektrik, die Fußkälte. Alles wird von uns mittlerweile weitgehend geschätzt. Außerdem haben wir einiges Um- und nachgerüstet (bzw. auch schon entrostet).
Inzwischen ist der Trekker sicherlich Wüsten tauglich und gut das doppelte Wert. Insbesondere was den immateriellen Wert für mich angeht hat er sich eher verdreifacht.
Die Umbauten sind nun weitgehend abgeschlossen (obwohl richtig fertig wird er sicher nie...)
Vielleicht für die interessierten eine kurze Auflistung unserer Reisevorbereitungen. Ist wohl nicht nur in Bezug auf das Auto interessant.
Das alles ist übrigens nahezu Automarken unabhängig und garantiert für jeden Wagen möglich. Am besten sieht es natürlich trotzdem am Landy aus ;-).

Der umgebaute Trekker

Für Anregungen und Ideen für weitere An- und Umbauten stehe ich gern zur Verfügung. Vielleicht regen diese Bilder ja einige andere Landyfahrer zu weiteren Ideen an?

-         2 ARB Airlocker vorn und hinten.

-         ARB Kompressor unter dem Sitz mit Reifenfüllanschluß

-         Eine Warn 9000i 4,5 t 12V Elektrowinch in der Frontstoßstange mit Fernbedienung und zusätzlicher Abdeckung

-         2 Salisbury Achsen (verstärkt)

-         1 Webasto Standheizung mit Funkbedienung und Zeitschaltuhr

-         1 Garmin GPS III mit Dachantenne

-         1 Handy Anschluß an derselben Antenne

-         7 diverse 12V Steckdosen in allen Variationen an allen Ecken und Kanten im Innenraum

-         2 mal 12V System-2 Außenanschlüsse. Einer hinten links und einer unter dem Beifahrersitz

-         1 45l V2A-Zusatztank über der Hinterachse mit eigenem Einlaß und Verbindung mit Pumpe zum Haupttank (Reichweite nunmehr bei 10l/100km 900 km)

-         Seitenhalter auf jeder Seite des Defender mit jeweils 3 20l NATO-Jerry Cans bzw. 4 1,5m Dur-Aluminium Sandblechen

 


 

-         1 verzinkter Dachträger über die gesamte Dachlänge. Vorne die Reling umgebaut für Dachzelt

-         1 Trittleiter hinten

-         4 4,5mmx1,5m Dur-Aluminium Sandbleche an Seitenhaltern

-         1 55W Solar Paneel unter dem Dachträger angebracht mit Steuereinheit und Trennschalter an der inneren Zwischenwand

-         2 Batterien unter dem Fahrersitz (Gel Batterien, eine Starter und eine für Verbraucher mit Trennschalter

-         1 Kalahari Dachzelt mit Thermo-Haube und speziell angefertigter Abdeck Plane

-         1 1,5 m HiLift längs an der Heck Traverse angeschraubt mit speziell angefertigter Abdeckung (Vollhülle) und Reifen Abdrücker.

-         2 Bundeswehr Kanister Halter auf dem Dachträger (hochstehend jeweils seitlich hinten)

-         1 große Aluminiumkiste abschließbar, längs hinten (auf dem Bild noch quer) angebracht

-         1 Heavy Duty OldMan Emu Fahrwerk mit neuen Nitrogen LTR-Dämpfern und Schrader Ventilen (waren unbedingt nötig, wegen der hohen Zuladung bei der Reise.

-         1 20l Engel Kompressor Kühlbox anstelle eines Sitzes im Heck. (Kaltes Bier und Eis!)2 stabile abschließbare Kisten anstelle zweier weiterer Hecksitze

-         1 Motor Tuning der mechanischen Einspritzpumpe für 20 PS Leistungssteigerung (nunmehr 133 PS)

-         1 abnehmbarer 55W Zusatzscheinwerfer auf dem linken Kotflügel

-         Alu Riffelbleche auf beiden begehbaren Kotflügeln

-         1 Schnorchel (Orig. Land Rover Zyklon, ist nicht so pralle)

-         Zweites Reserverad auf der verstärkten Motorhaube

-         2 zusätzliche Motorhauben Halter gegen Vibrationen

-         zusätzliche Gummi Dichtungen für die Motorhaube gegen Lackschäden durch Vibration

-         1 Mittelkonsole anstelle des dritten Vordersitzes

-         diverse Gepäcknetze und Halter im Innern

-         diverse Halter für Messern, Axt, Spaten, Schaufel, Säge etc. im und am Wagen

-         1 großer Unterfahrschutz und Spurstangenschutz vorn

-         verstärkter OME Lenkungsdämpfer vorn

-         Differential Schutz vorn und hinten

-         1 BullBar mit Haltern für das nach vorn aufzuklappende Dachzelt (fahren mit Zelt möglich)

-         Zwei dicken Zusatzscheinwerfern für erheblich besseres Licht.

-         Lampenschutzgitter vorn und hinten

-         Edelstahl Schutzgaze vorm Kühlergrill

-         Polyurethan Buchsensatz anstelle des Land Rover Buchsensatzes

-         Seitliche Unterfahrschutzbleche

-         Seitlicher massiver Schwellerschutz anstelle der begehbaren Trittbretter

-         K&N Luftfilter

-         1 zusätzlicher  Ölkühler

-         1 Trabold Nebenstrom Ölfilter mit zusätzlicher Kühlfunktion (kein Ölwechsel mehr) Motoröl wird selbst an heißesten Tagen nie wärmer als 55° C)

-         diverse zusätzlich Anzeigen für Motordaten (Öldruck, Öltemperatur, Voltmeter)

Der unvollständige Trekker


Soweit zu den bereits bestehenden Änderungen. Einige Dinge fehlen noch bzw. möchte ich noch einbauen. Aber das wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen. So ein Auto wird halt niemals fertig.


Es fehlen z.B.:

·       eine vernünftige Hängerkupplung mit NATO-Klaue und Kugelkopf (Dixon Bate)


·       Overdrive

·       ein schwenkbarer abnehmbarer Rückfahrscheinwerfer

·       eine verstärkte Kupplung

·       größere verstärkte Lochblech Felgen (vom 130er Landy)

·       ein extra Halter für das hintere Reserverad (Original-Halterung hat bereits die Tür ruiniert)

·       verzinken diverser anfälliger Teile, besonders des Schwellerschutzes

·       zusätzliche Unterfahrschutzbleche

·       diverse Anschlagpunkte am Wagen vorn und hinten (Zugösen)

·       Pyrometer (Abgastemperaturanzeige)

·       Ladedruckanzeige

·       Größerer Ladeluftkühler

·       Stirnradsatz anstelle Zahnriemen

·       Modifizierter Zylinderkopf

·       Downpipe das alten 300Tdi anstelle des Kat

·       Hellroaring Batteriemanagement

·       Skidplate undter Rahmen

·       Getriebeschutzplatte

·       Batterietrennschalter

·       Funk

·       Höherlegung, Verbesserung der Verschränkung durch umsetzen des Dämpferhaltepunkte

Tja, soweit also zum Landy. Ehrlich gesagt bin ich froh, vorerst mit den Umbauten fertig zu sein. Der Aufwand ist schon erheblich und irgendwann möchte man ja auch mal testen, inwieweit das ganze überhaupt sinnvoll war.

Unsere andere Ausrüstung


An Gepäck haben wir schon immer relativ wenig dabei. Lediglich zwei Sätze Wäsche für Janet und einen Satz für mich altes Ferkel, mit einigen zusätzlichen Kleinigkeiten.
Unsere häufigen Rad-, Kanu- und Wanderurlaube mit Rucksack haben uns sehr zu Minimalisten werden lassen. Trotzdem hatten wir immer noch meist zuviel Zeugs dabei. Diesmal sollte es anders werden, ganz anders, leider!
Beide haben wir ein dickes hohes paar Stiefel dabei und ein paar Schlappen.
Ansonsten als reinen Luxus zwei Campingstühle und einen Rolltisch in unserer Dachkiste. Wir nehmen drei Schlafsäcke und eine Iso-Matte sowie zwei Iso-Sitzmatten mit. Dann noch Waschzeug, Kameras, Fernglas, Kurzwellenradio, Handy (nun ja).
Der Rest besteht aus einem guten und großen Sanitätskasten (Janet war im früheren Leben Krankenschwester...) und ein großer und guter Werkzeugkasten und viele Ersatzteile die nicht zu sperrig sind (ich war im früheren Leben Schlosser...).Als Küchenutensilien dient uns der treue Coleman Spritkocher und zwei Thermobecher aus Metall sowie unser Bundeswehrbesteck. Aus kulinarischen Gründen habe ich mein 25 Jahre altes Alu Kochgeschirr aus der ex DDR gegen HighTechTitan Geschirr getauscht und endlich ist auch eine Teflonpfanne mit Holzlöffel mit von der Party. Tja, man wird alt, bequem und verfällt dem Luxus...Trotzdem kann ich mich von dem verbeulten Alu Schrott einfach nicht trennen. Hach jaa.
Alles weitere sind Lebensmittel (z.B. zwei EPAs, diverse haltbare Dinge, Wein - GAANZ Wichtig -, meine Sylvester Zigarren – auch gaanz wichtig – und diverse Leckereien und Wasserkanister und Wassersäcke.
Insgesamt haben wir so 200 l Diesel, 100 l Wasser dabei. Schmierstoffe, Öle, etc. natürlich selbstredend. Ersatzteile auch ausreichend.
Der Trekker wiegt normalerweise 1,5 t, vollgeladen mit allem drum und dran wiegt er nun 2,5 Tonnen(!)
Auf dem Dach lasten allerdings nur ca. 90 kg, wenn wir nicht gerade beide darauf schlafen. An den Seiten hängen jeweils ca. 30-45 kg. Alles gut verteilt mit gutem Schwerpunkt.
So gewappnet konnten wir also nun – endlich – in den heiß ersehnten Urlaub starten.
Janet und ich sind weiß Gott keine Pauschaltouristen. Wir waren beide sehr gespannt auf diese Gruppenreise. Wir würden insgesamt aus zwölf Fahrzeugen bestehen und es würde SEHR luxuriös zugehen mit vielen Hotelaufenthalten.
Eigentlich so gar nicht unser Ding.
Normalerweise verbringen wir unsere Urlaube allein in Patagonien oder Costa Rica, Thailand, Australien, Tasmanien, Mexiko, Guatemala und Chile oder Ägypten oder sonst wo. (demnächst auf dem Yukon und in Island, gibt dann noch mehr Berichte...)
Oft mit dem Rennrad (später nur noch mit MTB!), manchmal mit dem Motorrad, zum tauchen oder wandern. Auch viele Kanutouren und Segeltouren sind mittlerweile von mir durchgeführt worden. Aber mit einer Reisegruppe war ich seit meiner letzten Klassenfahrt eigentlich nicht mehr unterwegs. Das konnte schwierig werden? Eigentlich eher nicht. Normalerweise sind wir beide sehr pflegeleicht. Aber auch hiervon später mehr.
In Afrika war Janet noch gar nicht und eher skeptisch. Ich war einmal mit 29 mit dem Mountainbike allein in Ägypten für drei Wochen. Eigentlich hätte das für den Rest meines Lebens reichen sollen, aber einige Typen werden ja nie schlau...
Mit dem eigenen Auto waren wir bislang nur in Europa unterwegs.
Wir waren also gespannt.


Der Start zu einer langen (An-)Reise


Wir starteten am 24.12 so gegen 12 Uhr in Mittags in Hannover. Wir hatten für die Fahrt bis Genua drei Tage veranschlagt, weil wir beide nur ungern direkte Wege nehmen und beide die Autobahn hassen, seit wir mit dem Trekker unterwegs sind. Trotzdem fuhren wir Autobahn bis Frankfurt.
Dort machten wir einen kurzen Abstecher zum Schreiber-Heine (dort gibt es den besten „Handkäs mit Musik“ der Welt und das Schneegestöber ist ebenfalls SEHR empfehlenswert. Außerdem wollte ich mir für die Reise noch sechs Flaschen „alten Hochstädter“ Äbbelwoi einpacken.
Ich bin weiß Gott kein Bayer oder Hesse. Habe 10 Jahre in Bremerhaven an der Küste gelebt und bin fürwahr ein Fischkopp. Aber bei kulinarischen Köstlichkeiten haben wir beide einen äußerst weitläufigen und mittlerweile ziemlich internationalen Geschmack.
Inzwischen kommt bei mir das Essen sogar vorm Sport oder Lesen (sehr zu meinem Leidwesen, manchmal..., aber das ist eine gaanz andere Geschichte!).


Ich hab kein Herz in Heidelberg verlorn


Nach dem guten Essen wurde es nun langsam spät. Wir entschlossen, auf Nebenstrecken noch bis Heidelberg zu fahren. Dort suchten wir uns so gegen 18:00 die Jugendherberge. Jede Menge Japaner und ein netter Weihnachtsmarkt mit heißem Apfelwein erwartete uns dort noch. Gut gefüllt und pralle sanken wir in unsere Betten und knackten mehr schlecht als recht bis zum Morgen (Japaner haben oft die Angewohnheit, nachts um Drei Ihre Koffer zu packen, indem sie sie so lange zu Boden schleudern, bis sie voll sind...
Über das Frühstück in Jugendherbergen gehe ich grundsätzlich schweigend hinweg, so daß wir früh starten konnten.
Der Wagen war unversehrt. Trotz vorabendlicher Warnungen vor Dieben und Aufbrechern. Glück gehabt?
Heidelberg ist nicht meine Stadt. Keine Radwege aber viele Radfahrer, weil die Öffis so selten fahren. Und noch dazu Bergig. Ich halte sie für absolut überbewertet, was Ihren touristischen Reiz angeht. Aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache. Mögen sich die Heidelberger mit meiner verpönten Meinung abfinden. Immerhin: Amerikaner und Japaner finden es Klasse. Weiß der Teufel warum...


Froonkraisch Froonkraisch


So gegen 8:30 fuhren wir also weiter nach Straßburg. Wieder nicht gerade eine unserer Lieblingsstädte mit wenigen architektonischen Ausnahmen.

Statt nach Dijon (leckerer Senf) zu fahren, was aber ein zu großer Umweg war, fuhren wir statt dessen parallel zum Rhein nach Süden. Sehr schöne kleine Dörfer liegen auf dieser Strecke. Wir haben dann noch die Hohkönigsburg
besucht. Ein absolut grandioser riesiger Kasten von Burg. Wunderbar wiederaufgebaut von Kaiser Wilhelm dem Zweiten.
Tolle antike Möbel, wunderbare Wandschnitzereien. Kachelöfen vom aller feinsten in allen Variationen. Nur leider war es eiskalt dort. Aber was tut man nicht alles wegen der Kultur. Janet erfror sich nahezu die Füße, aber die Standheizung läßt sich Gott sei Dank ja Fern bedienen...


Das erste mal FRIEREN


Wir sind dann weiter in die Schweiz gefahren. Mitten im Gebirge wurde es dann recht schnell dunkel. Wir bauten also im Dämmerlicht in 650 Meter Höhe mitten im Wald unser Dachzelt auf. Bei minus 10 Grad Celsius haben wir uns mächtig den Hintern abgefroren. Wir haben drei Schlafsäcke mit. Zwei davon werden von der kleinen frierenden Janet verwendet. Der große frierende Jörg fror halt etwas mehr. Allerdings bin ich auch längst nicht so Kälte empfindlich.
Dies ist allerdings zwischen Mann und Frau ein diffiziles Thema und oft Grund für angeregte Diskussionen. Es ist immer wieder ein Hort freudiger Erregung und soll daher hier – vorerst – nicht ausdiskutiert werden. Jedenfalls liegt der Komfortbereich meines Schlafbeutels bei max. 5 Grad Celsius. Allerdings PLUS 5 Grad Celsius. Der extrem Bereich geht bis Minus 7 Grad Celsius. Leider war es drei Grad kälter. Es war also SEHR kalt. Na ja, wir haben es überlebt. Sogar ohne Standheizung, denn die wollte am nächsten Morgen nicht so recht. Offensichtlich zuviel Paraffin im Diesel. Deshalb sprang er wohl auch extrem schlecht an. Also hatten wir alle drei so unser Paket zu tragen... Trotzdem: Es war schön im Schnee! Bibber.
Wir versuchten also von 18:00 bis 7 Uhr früh zu schlafen, während wir uns bemühten, unsere Zähne beim Klappern nicht zu sehr abzunutzen. Sehr lustig war Nacht also nicht. Nix wie weiter!


Johlidüüü , erscht mal ein Pflümli
Die Schwyz


Irgendwann sprang der Trekker also unwillig an und wir starteten unseren Winterurlaub. Um 7:30 haben wir dann im nächsten Dorf gefrühstückt (zwei Croissants nur, aber guter Kaffee).
Und fuhren nach dem Betanken (jetzt mit voller Zuladung trinkt der Trekker 14 l auf der Straße mit seiner Staumauer Aerodynamik) weiter bis Bern. Die Stadt wäre recht schön, wenn nicht alle diese netten alten Häuser in einer absolut ekligen grünen Farbe gestrichen wären. Die älteren unter den geneigten Lesern erinnern sich vielleicht an dieses ganz spezielle Grün einiger Trabant Autos in der ehemaligen DDR...) Wir einigten uns auf ex DDR-Trabant-K...brocken grün. (Christopher und Ives: Bitte nicht böse sein!)
Nach Besichtigung der Stadt fuhren wir dann weiter bis Thun. Sehr nette kleine Stadt am See, wirklich wunderschön. Dort suchten wir Christophers Adresse. Wir hatten uns im Sahara-Info-Forum der Schweiz kennengelernt und uns für eine Nacht in der Schweiz bei Ihm unterbringen lassen. Die Adresse war sehr einfach zu finden. Dank unserer unglaublich geschärften Sinne riefen wir ihn an. Beim Telefongespräch mit ihm erfuhren wir dann, das wir direkt auf seinem Stellplatz am Stadion parkten und beim Telefonieren via Handy direkt neben seinem Wohnhaus standen. Tja, das Glück ist mit den tüchtigen...
Christopfer arbeitete noch, daher fuhren wir den See außerhalb des Ortes entlang bis wir eine schöne Stelle zum Wandern fanden und das taten wir dann die nächsten zwei Stunden. Wirklich eine grandiose Gegend, allerdings wieder mal kalt. So gegen 18:00 waren wir dann wieder bei Christopher. Er war auch gerade nach Hause gekommen.
Wir schnackten eine Runde, richteten uns für die Nacht ein und warteten auf Ives. Er ist der Webmaster des Saharaforums und kam spontan vorbei, als er erfuhr, das wir beide bei Christopher zu Besuch sind.
Er kam so gegen 20:00. Wir aßen dann ein original Schweizer Fertig Käsefondue („...in den See, in den See, mit einem Gewicht an den Füßen!...“) zusammen und schnackten bei Weißwein und Kirschler über Landys, Urlaub, Wüste und das Leben an sich...
Beide sind sehr angenehme Zeitgenossen. So wie er seinen Wohnungsschlüssel deponiert müssen ALLE Schweizer nette Zeitgenossen sein. Hier in D-Land würde ich das nie wagen!
Janet ging so gegen 22:00 zu Bett. Die Herrenrunde redete noch bis ca. 1 Uhr und danach hauten wir uns dann leicht angedudelt aufs Ohr. Seit dieser Nacht sind mir Schweizer wirklich sehr ans Herz gewachsen. Danke Ihr beiden für alles!

Am nächsten morgen fuhren Christopher und Ives schon früh los um zu arbeiten. Wir Urlauber standen so gegen 9:00 Uhr auf. Ich ging fürs Frühstück einkaufen (wir beide sind Frühstücksfanatiker und Christophers Kühlschrank war ein echter Schock! (Ja Mann, wirklich!).Ich versuchte noch, den Laptop ins Internet zu bringen, aber wieder mal klappte gar nix. Eigentlich wie immer... ich hasse Kleinweich wirklich sehr. Na ja, immerhin kann man mit Software dieser Qualität als Freiberufler Geld verdienen.


Auf Hannibals spuren


Wir fuhren dann die Seen entlang und suchten uns einen Paß über die Alpen. Wir fanden auch einige und kamen auch recht weit. Herrliche Gegend übrigens. Ein Traum für jeden Wintersportler, schätze ich. Trotzdem war irgendwann immer die Straße zu Ende. Meist lag es daran, das der Schnee drei Meter hoch lag. Trotzdem kamen wir recht weit. Ich hatte auch ein paar gute Schneeketten dabei. Trotzdem war leider alles gesperrt. Ja ja, ich weiß, das daß jedes Kind weiß, aber den Versuch war es trotzdem wert! Es gab also keine Chance, hinüber zu kommen. Wir mußten ca. 200km Umweg durch den Gotthardt Tunnel in Kauf nehmen und auch noch ohne Vignette über die Autobahn fahren. War natürlich kein Problem für uns, harhar. Straßenbenutzungsgebühren sind in meinen Augen eh der reine Straßenraub. Wegelagerei der Moderne sozusagen. Der Robin Hood und Anarcho in mir brach sich mal wieder Bahn. Janet trägt so etwas gottlob meist mit Fassung (Frauen können so tolerant sein!)
Trotz allem, so ein langweiliger stinkiger Tunnel ist echt ein Albtraum für jeden Klaustrophobiker!
Wir kamen aber immerhin voran. Bis Italien. Von dort fuhren wir wieder auf unseren geliebten Dorfstraßen und fanden am Lago Maggiore im schönen Piemont ein kleines Dorf mit einem ganz netten Hotel. Wir gingen dann lecker Essen (Fisch, Grappa, Wein, Käse, Tiramisu, Prosciutto, Espresso etc. pp.). Das volle Programm und es war sehr gut. Dann im Hotel stiegen wir so gegen 10:00 in die Kiste nach einem kleinen Verdauungsspaziergang durchs Dorf. Wieder ist es recht kalt, aber das Hotel (ätsch) ist geheizt.
Wieder habe ich vergeblich versucht, den Computer ins web zu bringen, um die GPS Koordinaten von Ives down zu loaden. Natürlich hat es wieder nicht geklappt. Diesmal lag es an den nicht standardisierten Steckdosen der jeweiligen Telekom. Trotz diverser Umbaumaßnahmen ging es schief. Offenbar haben die Kabel hier andere Pin Belegungen. Na ja, übermäßige Mühe gab ich mir ohnehin nicht. Immerhin bin ich im Urlaub. (Dusslige Kisten!)
Ich schrieb mal wieder im Reisetagebuch und dann schauten wir noch Donald Duck auf italienisch. Gute Nacht.


Der Treffpunkt in der Dämmerung


Der neue Tag brachte uns nach einer sehr schönen Fahrt durch Nord-Italien dann in die Nähe unseres Gruppentreffpunktes an der Autobahnraststätte Tortona Nord.
Wir suchten uns am Abend dann ein Hotel in der Nähe dieses Punktes und am nächsten Tag um 7:00 Uhr früh wollten wir uns dann dort treffen.
Der Nacht verlief gut und wir fuhren so gegen 6:00 Uhr in der früh los.
Um Punkt sieben Uhr war der Treffpunkt erreicht.
Wir waren offensichtlich die ersten unserer Gruppe. Allerdings nicht die einzige Gruppe, die diesen Platz als Treffpunkt ausgewählt hatte. Allerlei wüstentaugliches Gefährt stand in der Gegend herum. Das Wetter war miserabel. Dunkel, kalt, Regen ohne Ende. Nach und nach fuhren alle Gruppen ab. Wir blieben weiterhin allein.
So gegen 8:00 versuchte ich dann via Handy Ronnie von 4Wheel Fun zu erreichen. Leider war sein Handy anscheinend nicht Roaming fähig. Jedenfalls war er nicht erreichbar. Irgendwann trudelten dann doch noch zwei weitere Fahrzeuge unserer Gruppe ein. Gemeinsam warteten wir noch ca. 30 Minuten. Langsam wurden wir unruhig. Dann klingelte ein Telefon: Ronnie
Die ganze Truppe hatte sich für einen anderen Rastplatz entschieden. Nur uns wurde nicht Bescheid gesagt. Dies holte er nun nach. Zwar leicht vergnatzt aber froh, überhaupt was gehört zu haben, fuhren wir eine Raststätte weiter, und dort standen sie dann alle versammelt. 12 afrikataugliche Fahrzeuge mit Besatzungen.


Zum Hafen


Wir kannten uns schon zum größten Teil von einem Vortreffen in Peckfitz. Entsprechend kurz viel die Begrüßung aus. Nach ca. 15 Minuten fuhren wir alle vollgetankt Richtung Genua weiter.
Nach ca. 1,5 Stunden war das Ziel dann erreicht. Kollonnenfahrt auf der Autobahn ist ganz erträglich. Schneller als 80-100 konnten wir ohnehin nicht. Dies war im Großen und Ganzen meine erste Bekanntschaft mit Konvoi fahrt. Ich kann nicht bestätigen, das mir das übermäßig Spaß macht. Aber immerhin konnte ich mich schon mal langsam dran gewöhnen.


Schiff ahoi, die Habib


Am Hafen angekommen machten die Italiener ihrem Organisationstalent alle Ehre! Ein größeres Chaos als an diesem Weihnachtstag (25.12.) habe ich nie zuvor erlebt. Und wir beide hatten schon einiges diesbezüglich hinter uns.

Allein den Fährhafen zu finden war ein Abenteuer für sich, aber erst der Anfang.

Es standen dort bereits so um die 100 Fahrzeuge.


 

Abbildung 2: Chaos und mieses Wetter im Hafen von Genua

Viele algerische Autos in abenteuerlichem Zustand mit aufs wundersamste gepackten Dachlasten (Sofas, Fahrräder, Badewannen, Matratzen...). Einige dieser uralten Peugeots waren höher als unser Landy mit seinen 2,45m und obwohl die Peugeots eigentlich bereits auf dem Bodenblech aufsaßen. Ein absolutes Wunder das diese Kisten mit dieser unfaßbaren Beladung überhaupt bis hierher gekommen waren. Der Zustand einiger Fahrzeuge war unbeschreiblich. Die Organisation im Hafen paßte exakt auf diesen Zustand. Während des Studiums fuhr ich auch mal einen Peugeot 405 Baujahr 69: Auto des Jahres, Sicherheitsgurte(!) und Heckscheibenheizung serienmäßig mit integrierten Kopfstützen. Er hatte 450.000 km auf dem Buckel. Leider war der Rest dann weg gerostet, sonst würde er heute noch fahren. Habe ihn sehr geliebt!
Zurück in das Hafenchaos:
Alles drängelte so unglaublich aggressiv das sich erste Schlägereien anbahnten.
Eine dermaßen ungeordnete Automasse dürfte einmalig in Europa gewesen sein. Wenn dies der Zustand in Italien war, um wieviel schlimmer mußte es dann erst in Tunis sein...
Irgendwann nach fünf Stunden waren dann aber tatsächlich alle Fahrzeuge im Schiff untergebracht. Innerhalb dieser fünf Stunden spielten sich aber dramatische Szenen ab. Es gab nämlich auf dem ganzen verdammten Hafen kein Klo. Selbst als Mann sah ich keine Chance, irgendwo für 10 Sekunden zu verschwinden. Für die Frauen, speziell für Janet muß es die Hölle gewesen sein. Irgendwann wandelte Sie im Trekker dann eine Tupperschale zum Töpfchen um, über den Rest schweigt der Gentleman sich aus. Jedenfalls erledigte sie den schwierigen Job (ein Landy ist ENG) mit Bravour.
Wie gesagt, eine so unglaublich beschissene Situation hatte ich bislang in meiner langen Urlaubskarriere noch nicht erlebt.
Im Schiff angekommen nahm der Spaß dann weiter seinen Lauf. Die Fahrzeuge wurden so eng geparkt, das wir uns gesammelt bereits auf die Ankunft in Tunis freuten: Das würde lustig werden (wurde es auch!).
Die Kabine im Schiff war ok. Immerhin auch erste Klasse mit Außenkabine. Das ist aber auch das Minimum, mit dem ich auf diesem alten Kahn fahren möchte. Ich habe viele Jahre auf Werften gearbeitet und kenne mich glaube ich gut mit Schiffskonstruktionen aus: dieses Schiff ist alt und nicht übermäßig gepflegt.


Eine Seefahrt, die ist lustig...


Meine Kenntnisse als Schiffbauer lagen zwar lange zurück, aber immerhin erkannte ich doch noch: dieses Schiff war zumindest Wasserdicht...
Ich beneidete Ronnie nicht um die folgenden 24 Stunden in denen er auf der Jagd nach Papieren von einer Warteschlange in die nächste wechselte. Wir selbst kamen auch einige Male in den Genuß und es war teils lustig... je nach persönlicher Tagesform. Jedenfalls sind Algerier ein ziemlich aggressiver Haufen, wenn sie auf einem Schiff zusammengepfercht werden. Das Essen trug in keiner Weise zu einer Besserung bei. Die permanente Beschallung mit arabischer Musik hätte manchmal etwas dezenter sein können. Jedenfalls hört sich nach 20 Stunden alles gleich an und beginnt doch, auf den Sender zu fallen. Der optische Genuß war für meine Gattung auch nicht das pralle. Es waren nur Männer mit Bauchtanz beschäftigt...
Immerhin gab es mächtigen Seegang. An diesem Tag sollten DREI Fähren in See stechen. Wir waren die Erste. Nach bereits fünf Minuten auf See hatten einige Mitfahrer das Essen der letzten Tage abgefüllt. Überall sah man schwankende grüne Menschen durchs Schiff wanken. Gehen war kaum noch möglich.
Irgendwann verzog sich Janet völlig zugedröhnt von ihren Reisetabletten ins Bett. Im Liegen überstand sie alles noch am Besten.
Ich taumelte das eine oder andere mal durch den Kahn, stand in der einen oder anderen Schlange an und erfreute mich an den vielen verschiedenen Duftnoten im Schiff und an den vielen verschiedenen Gesichtsfarben.
Dunkles Braun und Grün ergibt interessante Farbgebungen... Die Touristen standen dem allerdings in nichts nach.
Nun ja, eine Seefahrt die ist lustig, aber doch irgendwann vorbei.
Später hörten wir dann, das eine andere Fähre wegen des extremen Seegangs in Korsika festmachen mußte, um den Sturm abzuwarten.
Wir hatten also Glück im Unglück und kamen nur 5 Stunden zu spät an. Immerhin kamen wir an überhaupt an.


Frauen und Kinder zuerst...


Erstaunlicherweise war die Organisation in Tunesien nicht halb so katastrophal wie in Italien. Allerdings mußten wir ja erst noch vom Schiff! (Hört sich bedrohlich an, nicht wahr?)
Hier muß ich nämlich nun doch etwas weiter ausholen.
Das Schiff lag irgendwann schön vertäut auf Reede. Die Passagiere drängten nach unten in den Schiffsbauch zu Ihren Fahrzeugen. Natürlich alle mit Gepäck und Kind und Kegel.
Unten angekommen nahmen faszinierende Ereignisse ihren Lauf.
Man sah Einheimische mit Koffern über Landrover robben. Streitgespräche wurden auf Motorhauben geführt. Handgreiflichkeiten in engen Gängen kamen in Gang. Überall dazwischen wurden von der Besatzung zusätzliche Müllbarrieren auf dem Parkours errichtet.
Zusätzlich übten sich einige unentwegte schon mal im Koffer Weitwurf.
Es bestand fast keine Chance, sein Auto auch nur zu erreichen. Immerhin, einige versuchten es tatsächlich mit Erfolg. Nutzte natürlich nichts, weil keine einzige Autotür zu öffnen war.
Unglücklicherweise wurde der Geräuschpegel dadurch erhöht, das durch die Kletterei unter und über die Autos diverse Alarmanlagen losgingen. Abstellen konnte sie niemand, weil keiner an sein Auto kam.
Allerlei Kleintiere und Kleinkinder trugen ihr übriges dazu bei, die der Panik nahen Erwachsenen endgültig in den Wahnsinn zu treiben. Es war nahe an einem Tollhaus.
Trotz alledem gingen irgendwann die Schotts auf und theoretisch konnten die ersten von Bord fahren.
Allerdings überforderte der doch sehr anspruchsvolle Parkours die kletterischen Fähigkeiten einiger Personen. Es trat ein Stau ein. Nun, in südlichen Ländern gibt es da nur eine Möglichkeit, einen Stau aufzulösen: HUUUPEN. Gedacht, getan.
Jetzt wurde es richtig fröhlich. Unter lautem Gehupe fingen jetzt alle an zu drängeln.  Einige Autos paßten tatsächlich unter dem oberen Deck (Rampe) hindurch. Irgendwann kamen dann die ersten Offroad Fahrzeuge. Die sind bekanntlich etwas höher.
Seltsamerweise war das Schiff achtern (beim Einlaß am Heck) höher als bei der Ausfahrt am Buch. Interessanter Aspekt. Einige Wagen kamen zwar rein, nun aber nicht mehr hinaus, weil die Decke zu niedrig war. Eine zusätzliche Erschwernis in diesem Tal der Tränen. Was tun? Woran konnte das liegen? Erste Beratungen bei der Schiffsmannschaft führten zu keinem Ergebnis. Heftiges Winken, nun doch zu fahren führte zu störrischem Kopfschütteln bei den Wüstenfahrern in spe: DAS DECK IST ZU NIEDRIG - GOTTVERDAMMT usw. usf. Natürlich verstand eh keiner den anderen bei diesem Lärm. Außerdem sprach die Mannschaft arabisch...
Die zweite Beratung mit Hilfe höherer Offiziere kam in Gang. Erste Finger zeigten zur Decke. Häufigeres Kopfnicken trat auf, es bahnte sich etwas an...


Die Entscheidung


Die Rampe! Über unseren Köpfen war ein voll beladenes Autodeck. Offensichtlich etwas überladen, denn die Rampe hing durch. AHAAAAA!
Also: Knopf drücken, Rampe herunterlassen! Gesagt getan. Hmmm, da war doch was? Wieso regen die da hinten sich so auf? Ups. STOP! Alle unten stehenden Autos müssen natürlich zurück. Wir wußten doch, das da irgendwas fehlte und nicht stimmte. Bloß: wie teilen wir es den ganzen hysterischen Passagieren mit?
Irgendwann verstanden wir es dann doch. Hatte es eh schon zwei Stunden vorher geschnallt.


Die Lösung? – vorerst!


Also zurück. Rampe runter. Autos von oben raus. Rampe rauf. Autos unten raus.
Soviel zur Theorie.
Leider war das Deck nun noch niedriger... Was war geschehen? Woran konnte das nun wieder liegen? Die ersten Passagiere fingen an hysterisch zu lachen. Andere wurden Aufsässig und aggressiv. Der Kessel stand kurz vor der Explosion.
Weitere Beratungen führten dazu, den Knopf erneut zu drücken und die Rampe einfach höher zu fahren. Geniale Lösung, warum sind wir nicht gleich darauf gekommen. Liegt bestimmt an den ganzen brüllenden Passagieren. Wieso winken die eigentlich alle so? Und warum fährt nur einer?


Die zweite Lösung – endgültig


AHAAAA, die Rampe ist immer noch zu niedrig. Na ja, drücken wir doch einfach den Knopf. Mal sehen was passiert. Natürlich wurde die Decke höher. Diesmal irgendwann dann hoch genug.
Diese hochgradig interessante geistige Leistung brauchte etwas zwei Stunden bis sie zum Knopfdrücker vordrang. Der drückte dann ab und an. Irgendwann waren wir dann draußen. Hatte ja nur drei Stunden gedauert.
Also nix wie raus aus dem Seelenverkäufer und schon mal auf die Rückfahrt freuen.


Einreise


Im Hafen lagen nun nur noch Peanuts vor uns. Wir hatten nun schon alle möglichen schwierigen Situationen mit Bravour gemeistert. Vom Kotzen bis zum Schlange stehen und vom Decke messen bis zum Topfpinkeln hatten wir alles überlebt. Selbst das Essen an Bord.
Die nun noch anstehenden 2 Stunden erledigten wir auf einer Backe. Die meisten Papiere hatten wir ja bekommen und ausgefüllt. Die restlichen holten wir uns dann an einigen Stellen und füllten sie eben einfach aus.
Irgendwann waren wir dann alle draußen. Und zwar ohne Durchsuchungen, ohne große Probleme und ohne jedes Bakschiss (oder wie man das schreibt...)


Afrika


„Land der wundersamen Begebenheiten, der faszinierenden Menschen, interessanten Landschaften,

Land der Gefahren und Abenteuer...“

Abbildung 3: Auf der Straße...

Um Ehrlich zu sein waren wir ziemlich satt. Immerhin waren wir gerade erst angekommen. Wo sollte das noch hinführen?
Als erstes führte es uns auf die Autobahn nach Monastir. Die einzige Autobahn Tunesiens. Leider mautpflichtig. Allerdings braucht man nur Kleingeld und muß ins richtige Tor fahren, dann gibt es keine Probleme. Am dritten Tor hatten es dann auch alle verstanden und wir konnten unbehelligt in unser Hotel fahren.
Monastir war mir bislang nur von meinen Eltern bekannt. Die hatten dort schon den einen oder anderen Urlaub verbracht und mir ständig vorgeschwärmt.
Eigentlich war Tunesien das allerletzte Land, indem ich Urlaub machen wollte. Auf gar keinen Fall in ein Land, das meine Eltern begeistert immer und immer wieder besuchten. Meine und Janets Art Urlaub zu machen unterscheidet sich eben stark von der Methode meiner Eltern, seufz. Und nun waren wir mitten in Mamas und Papas Traumland. Vielleicht sogar in Ihrem Traumhotel. Uffa.
Naja, nach all dem Streß war ein Hotel eigentlich ganz nett. Es war zwar Ramadan, trotzdem gab es gutes Essen am Buffett und der tunesische Rotwein (82er Pinot Rouge!) war absolut ausgezeichnet! Nach dem Essen haben wir dann auch erst mal unseren Frieden geschlossen. Wir hatten noch eine kleine Vorbesprechung für den nächsten Tag und dann ging es ins Bett.


Tunesientour


Die ganze Reise war von Ronald Dembert von 4WheelTravel geplant und geführt. Nachträglich kann ich dazu nur sagen: Er hat einen ausgezeichneten Job gemacht. Sowohl als

Obwohl viel schief gehen konnte und auch ging: Der ursprüngliche Mechaniker mit seiner fahrbaren Werkstatt fiel aus, der Arzt fiel aus, diverse Teile an diversen Autos fielen aus, das Chott el Djerid fiel teils aus...
Aber die von ihm gewählten Routen waren für Tunesien wirklich optimal. Auch auf die Gruppe war die ganze Sache hervorragend abgestimmt. Allerdings muß dazu gesagt werden, wir waren eine sehr große Gruppe (12 Fahrzeuge). Und viele von uns hatten bislang wohl eher Erfahrungen mit Flug- und Hotelreisen gesammelt. Jedenfalls ist dies mein persönlicher subjektiver Eindruck. Darauf abgestimmt hätte er es nicht besser machen können. Wie die ganze Sache ablief, wird nun im weiteren von mir Dokumentiert. Tunesien ist in Bezug auf Sahara und die weite des Landes mit seiner dichten Besiedlung eher ein Sandkasten im Vergleich zu Algerien. Selbst Libyen ist Abenteuer pur im Vergleich zu Tunesien. Trotzdem ist der Ruf, den dieses Land in Offroadkreisen genießt völlig verkehrt
Es ist keinesfalls langweilig oder häßlich oder unfreundlich oder was auch immer.
Wir haben wunderbare Dinge erlebt, wunderbare Dinge gesehen und auch diverse „abenteuerliche“ Situationen durchlebt.
Für Anfänger in Bezug auf Wüstenfahrten und Afrika ist Tunesien geradezu ideal. Es ist nicht das geringste Problem, sich hier zwei bis drei Wochen mit dem Auto aufzuhalten und zu vergnügen. An vielen Stellen hätte ich länger verweilen können. Viele Dinge hätte ich mir lieber genauer ansehen können.
Am schönsten und angenehmsten ist, das die ganzen Hardcore-Fanatiker in Sachen Offroad hier einfach nur durchheizen und nach Libyen und Algerien weiterfahren.
Dadurch ist hier richtig Platz und vielfach auch Spaß angesagt.
Leute, die in ein Land fahren, ohne sich für Kultur und Bewohner zu interessieren, sollten meiner Meinung nach eh zu Hause in der Schlammgrube fahren. Solche Menschen machen meist miserable Werbung im Ausland (siehe Rallye Paris-Kairo...).
Also: mein Dank allen diesen Personen, die uns von ihrer Anwesenheit befreit haben und uns in aller Ruhe Land und Leute genießen ließen. Leider noch immer zu kurz!


Hammamet


Am nächsten Morgen verließen wir das Hotel recht früh. Wieder zusammen mit 500 Japanern, die in weißen Handschuhen auf die Toilette gingen, nachts um zwei vier Stunden duschten und nachts um drei Ihre Samsonite Koffer (drei pro Kopf pro –Nacht) fünf Stunden lang an die Wand warfen, um sie zu füllen.
Ohauerha, kaum geschlafen. Kleine Japaner in großen Gruppen treffe ich immer und überall. Immer in riesigen Bussen. Sie sind meine Nemesis! Schon in Ägypten, damals waren sie ein Born ständiger Erbauung. Aber auch das ist wieder eine ganz andere Geschichte.
Wir verließen also Hammamets Hotel Sultans Beach (da gibt es eh nur Hotels) und fuhren in Richtung Monastir davon.


Hosenkauf und Taschophilie


In dieser Stadt angekommen mußte ich mir als erstes eine neue Hose kaufen. Meine geliebte alte Urlaubshose hatte völlig ihren Geist aufgegeben und hing an sehr neuralgischen Stellen in Fetzen. Die folgenden Fotos sind eher äußerst  unvorteilhaft (eigentlich die schrecklichsten Bilder, die je von mir angefertigt wurden!!!) fürchte ich, (vielen Dank Janet...) aber naja... Mut ist aller Fehler Anfang:

Die letzten 10 Jahre Urlaub haben ihr (meine innig geliebte Jack Wolfskin Hose) offenbar den Rest gegeben, dabei hatte sie mich die letzten 15 Jahre in aller Welt so treu begleitet... Schweren Herzens kaufte ich also eine neue Urlaubshose. Fand auch eine gute Sandfarbene mit vielen Taschen. Ich liebe Taschen und habe im Urlaub immer etwa 25 dabei. Alle sind voll mit allerlei nützlichen Dingen. Leatherman, Taschenmesser, Zauberweste für Geschenke, Angelutensilien, Futter und und und... Sehe dadurch zwar immer wie das Michelin-Männchen aus, aber Taschen sind einfach geil!
Also tauschte ich meine einzige geliebte Hose ein.

Ansonsten wurden wir einigermaßen von den Händlern in Ruhe gelassen. In Anbetracht der Tatsache das Hammamet (auch Monastir?) der afrikanische Ballermann zu sein scheint kann man dort zumindest gut einkaufen. Ich hasse es, wenn mich jemand anfaßt oder bequatschen will. Jedenfalls, wenn er versucht, mir permanent irgend einen Unsinn anzudrehen und dabei ständig an mir herum zerrt. Das ist mir häufig anzusehen. Mit den extrem kurzen Haaren und den schweren Stiefeln und den kräftigen (Blöd & Dick sehe ich hoffentlich nur auf diesen beiden Bildern aus!!!) Körperbau habe ich dann oft meine Ruhe. Aber eigentlich bin ich meist ganz lieb...


Fototermin in Monastir


Janet machte mein archaisches Aussehen bei weitem wieder wett (obwohl die Beine ja doch etwas kurz sind, harhar!).Die späte Rache für die letzten beiden Bilder sozusagen...

Danach schauten wir uns noch eine Koranschule an. Dieb bemalten Fliesen an Wänden und Böden sind wirklich sehenswert.

Die fliegenden Händler waren allerdings eine Plage und reichlich unverschämt.
Als letzten Eindruck nahmen wir noch das monumentale Grabmal von Habib mit. Der König lebt

zwar noch, aber offenbar kann man ja nie wissen. 

Abbildung 4: Habibs Mausoleum in spe

Am Rande des Ortes gibt es eine alte und sehr gut erhaltene Fluchtburg aus vergangener Zeit.

Abbildung 5: Altes Fort

Direkt dahinter ist das Meer. Am Strand trafen wir Peter, den alten Schweden, der zusammen mit Thomas im großen weißen Landcruiser in der Gruppe unterwegs war. Wir schnackten auf Englisch eine lange Runde (Schweden sprechen durch die Bank perfekt Englisch). Es stellte sich heraus, das Peter in Schweden auf OffRoad-Touren anbietet. Ist ja gut zu wissen, wenn uns mal wieder gen Norden ziehen sollte.

Norwegen und Schweden kennen wir beide noch nicht besonders. Zuletzt machten wir noch ein paar Bilder vom winterlichen Strandleben

 und dann war es auch schon wieder Zeit, zur Truppe zu stoßen. Auf dem Weg dahin fanden wir dann noch das goldene Kind... Ehe die Leser jetzt noch auf den Gedanken verfallen, wir hätten lediglich die bereits altbekannten Stellen in Tunesien besucht und zum 100.000.000sten male fotografiert, ziehen wir mal weiter unseres Weges.

Wir verließen die Stadt mit Hilfe vieler netter Polizisten, die für uns den Verkehr regelten, also in unserem Fall alle außer uns anhielten und uns dann durch winkten, natürlich salutierend. Ich liebe dieses Land! Das erste was mir in Europa wiederfuhr war Vignettenzwang, Parkknolle und 60 Mark, weil ich nicht angeschnallt war. Manchmal hasse ich unser Land.
Unser Weg führte uns nun Richtung Khairouan.


Khairouan, du Perle Tunesiens


Khairouan ist die älteste arabische Stadt und besitzt eine große und schöne alte Moschee (die größte und älteste der Magreb Staaten und des moslemischen Welt).

Im Gebetsraum finden sich über hundert alte römische Säulen. Diese Säulen stammen aus dem ganzen Land und allen römischen Epochen. An vielen Stellen in Tunesien (nach Vernichtung von Karthago) waren römische Siedlungen. Dort wurden die Säulen entfernt um sie dann im Gebetssaal von Khairouans Moschee aufzustellen.

Abbildung 6: Eingang zu einem Gebetsraum

Khairouan ist eine der heiligen Städte der Muslime. Wer Sieben mal nach Khairouan gepilgert ist, braucht nicht mehr nach Mekka. Er (oder sie) kann dann ebenfalls diesen arabischen Namenszusatz tragen, ohne den schwarzen Meteoriten in Mekka besucht zu haben. Ich wette, meine Eltern waren schon öfter als sieben mal dort...
Wir hatten ab heute für die nächsten 3 Tage einen einheimischen Führer. Er heißt Mohammed (wie auch sonst) und macht seinen Job wirklich gut. Sein Verhältnis zu Frauen ist allerdings überprüfenswert und nicht unbedingt zum nachahmen. Trotzdem lächelten alle pflichtstschuldigst über seine Scherze. Ich als stumpfer Mann habe damit ja eh kein Problem. ;-)


Erste Schraubersession


Wir kamen gegen 17:00 in der Dämmerung im Hotel in Khairouan an. Es stellte sich heraus, das bei Trekker vorn der Air Lockeranschluß undicht war und munter Getriebeöl aus dem vorderen Differential leckte.
Eine Inspektion ergab, das der Anschluß (Marke Eigenbau mit Teilen vom Klempner) zu dicht am vorderen Stabi lag. Leider ist das ein grundsätzliches Problem bei Landys und ARB Lockern, wenn diese falsch eingebaut worden sind (NICHT VON MIR!). Das erste starke Einfedern würde vermutlich den Pressluftanschluß abscheren und das wäre sehr fatal. Also stellten wir den Wagen auf die Hohe Kante und Ronnie zog seinen Schrauberdress an. Mittels Umlenkrolle und meiner Winch zogen wir den Stabilisator etwas heraus (sprich: wir verbogen ihn ein wenig) bis er nicht mehr so dicht am Anschluß lag.
Dann lösten wir den Anschluß und dichteten Ihn erneut ab. Ronnie und Robert schafften das sogar, ohne das die Kontermutter ins Diff-Gehäuse fiel. Mir selbst fiel mehr die Statistenrolle zu. Keine Chance, unter mein eigenes Auto zu kommen. Machte mir aber eigentlich nicht all zuviel aus (Danke noch mal!) Nach dem Abdichten feilten wir den Anschlußbogen noch etwas ab und schon paßte das ganze und war auch leidlich dicht. Nicht mal Getriebeöl mußte nachgefüllt werden. Trotzdem kauften wir für sehr dünnes Geld einen Liter davon an der nächsten Tankstelle 8(man kann ja nie wissen...)
Danach warf ich noch einen Blick unter die Motorhaube: Zweites Problem war, das die Stütze der Motorhaube auf dem recht hoch angebrachten Traboldfilter auflag. Irgendwann würde er dadurch stark beschädigt sein. Da wir gerade dabei waren, lösten wir noch die Stütze und brachten Sie falsch herum wieder an. Problem gelöst. Sozusagen zwei Fliegen an einem Abend. Land Rover scheinen die einzigen Fahrzeuge zu sein, die man repariert, indem man Originalteile verbiegt bzw. falsch herum einbaut. Dieser Eindruck sollte sich im verlauf der nächsten Wochen noch verstärken und bewahrheiten!
Nach der Reparatur konnten wir dann in Ruhe unter die Dusche und Essen gehen.


Chotel nix gutt


Unsere Übernachtung in Khairouan im Hotel war im Vergleich zum Vortag eher mäßig. Allerdings waren diesmal keine japanischen Touristen anwesend, was die Sache wieder verbesserte. Das Essen war nicht besonders und das Frühstück eher miserabel. Eigentlich wollten wir ohnehin mehr campen. Allerdings hätten wir uns dann noch mehr den Hintern abgefroren als so schon im Hotel. Nachts waren es meist unter Null Grad Celsius! Die Einheimischen froren allerdings noch vielmehr als wir. Selten sah man mal jemand ohne bodenlangen Mantel, Mütze und Handschuhe. (Nur von Ihren Badelatschen mochten Sie sich wohl nie trennen.) Dabei waren Tagsüber durchaus bis zu zwanzig Grad Celsius. Unser Führer brachte uns zu einer Koranschule (wieder wunderbare Kacheln und Mosaike!)

Die Eingangsbereiche in die Gebäude sind immer besonders prächtig. Die Koranschule ist gleichzeitig auch noch eine Moschee. Die Eingangsbereiche in die einzelnen Räume sind wunderbar gefliest. Leider war es innen häufig zu dunkel für ein schnelles Foto (Touris haben es doch immer eilig...).

Abbildung 7: Eingang zu einem Gebetsraum

Und ein Stück weiter findet sich ein langer Innenraum mit einem Atrium. Alles außerordentlich schön bemalt.

und einer Moschee mit Mausoleum dann zu einem Teppichhändler. Das ist in Tunesien obligatorisch und war durchaus in Ordnung. Zu Hause schiebe ich schon seit einem Jahr den Kauf eines schönen Teppichs vor mir her... Unsere Barschaft war allerdings mehr auf Essen, Trinken und Diesel ausgelegt. Außerdem war Sie aufgeteilt in US-Dollar, tunesische Dinar, Französische Franc, Deutsche Mark und einige Zehntausend italienische Lire und Schweizer Franken. Mit dieser netten Mischung haben wir übrigens supergute Erfahrungen beim Geldwechseln in Libyen gemacht. Es stellte sich jedenfalls schnell heraus, das Plastikgeld akzeptiert wurde.


Teppichhändeleien


Alle gingen mit unserem Führer nach oben um die Teppichweberinnen zu sehen und einige Infos über Teppiche zu bekommen. Leider blieb ich natürlich schon unten hängen (da war so ein netter kleiner grüner Kelim mit wunderbaren Muster an der Außenwand aufgehängt...)
Irgendwann kam wie durch ein Wunder ein zweiter netter roter Kelim hinzu.
Schneller als ich denken konnte gab es nach viel Getuschel, Gestubse und Geraune („50% Rabatt plus 25% Rabatt, wenn der Führer nichts erfährt!“, die Zecke von Verkäufer!) ein wunderbar gepacktes Paket mit zwei eigentlich nicht dringend benötigten Kelims (brauchte nur einen Teppich, und zwar einen GROSSEN!). Na ja, noch 10 Dinar Bakschisch für alle Beteiligten (natürlich insgesamt!).
Den Verkäufer („Allah ist mein Zeuge, ich habe vier hungrige Kinder!“),
       den Packer,
             den Roller,
                     den Berater,
                           den Wechsler,
                               den Träger,
                                  den Schreiber
                                      und den Verschnürer
und dann kam unser Führer (!)

und trug mein geheimes Paket hinaus, wo alle es sehen konnten und sich nicht darum kümmerten... (die zweite Zecke!).Naja, billig war es trotzdem und die Kelims sind sehr in Ordnung. Leider war für die Geldmaschine (Kreditplastik) noch nicht Schluß...
Im ersten Stock lagen dann die GROSSEN Teppiche, und zwar ganz wunderbare. Teilweise sehr hochwertige Seidenteppiche mit über hundertsechzigtausend Knoten. Ich hab zwar nicht viel plan und zählte auch die Knoten nicht nach, aber ein wenig ist ja auch was. Außerdem ißt das Auge bekanntlich mit.
Die Roller waren mit rollen beschäftigt. Die Träger mit tragen, der Verkäufer mit Verkaufen. Leider konnte sich niemand von unserer Riesentruppe so recht aufraffen, einen Teppich beiseite legen zu lassen (wir wurden oft dazu aufgefordert!). Ein Teppich nach dem anderen wurde ausgerollt, das Gesicht des Verkäufers (nicht der Roller) wurde immer länger, seine Gesten immer fahriger, sein Ton immer gestreßter. Vermutlich war er eh schon vom Ramadan geschwächt.
Irgendwann ("Mein Gott Walter") kamen dann die GROSSEN Teppiche an die Reihe.
"Zur Seite legen" lautete mein Standardkommando für die Roller. Nun kam auch Kaffee und Tee und es fing auch an, den anderen Beteiligten etwas Spaß zu machen („gibt es auch Berber mit diesem Perser- oder Kelim Muster mit den Farben dieses Teppichs dort...?!“)

Es waren diverse wirklich wunderschöne Teppiche dabei. Da ja eh ein Kauf bei mir an stand lag irgendwann ein Haufen von 6 Teppichen zur Auswahl. Alt Rosa ist allerdings was „für alte Frauen“ (Aussage Janet), mußte ich mich belehren lassen und „die dünnen blauen fusseln so stark“. Ergo kam nur der grüne in Frage. war eh der schönste. Leider mit der größten Anzahl Knoten und damit mit Abstand auch der teuerste. Mal wieder typisch.
Nach einigem Hin und Her einigten wir uns via Handschlag dann auf einen Preis, mit dem beide GUT leben konnten (Teppiche SIND einfach teuer, vor allem in Deutschland). Ich finde es ziemlich daneben, als relativ reicher Touri solange den Preis zu drücken, bis dem Verkäufer die Tränen kommen. Ein bißchen fair sollte es schon abgehen, denke ich. Außerdem verliere ich irgendwann das Interesse am Handeln.
Wieder kam Freund VISA zum Zug und das Paket dürfte nun schon in good old Germany angekommen sein. Zollfrei hoffentlich, wie der Verkäufer schwor. (Mittlerweile weiß ich, er hat mich nicht angelogen).


Das Colloseum von Medenine


Nun ist es an der Zeit, ein wenig in Kultur zu machen. Dazu hielten wir in Medenine. Eine kleine Stadt mit einer großen Ruine. Leider sehr touristisch geprägt. Die Händler und Restaurantbesitzer waren mehr als nur penetrant. Das Collosseum ist jedoch trotzdem jeden Besuch wert. Es soll größer sein als das Collosseum in Rom.

Abbildung 8: (Fast) Gesamtansicht

 Besser erhalten ist es alle Mal. Es ist tatsächlich sehr groß. Allerdings kann ich nicht sagen, welches der beiden Bauwerke nun tatsächlich größer ist. Anhand der Fotos kann sich ja jeder selbst ein Bild machen.

 Hier war jedoch der Vorteil (oder Nachteil?), daß das gesamte Bauwerk zu betreten ist.

Für den Besucher grandios, aus archäologischer Sicht eher Katastrophal. Überall klettern Leute herum.

Nach dem Besuch des Colloseums machten Janet und ich einen kleinen Besuch auf dem Markt von Medenine.

Er ist nur ca. 200m vom Colloseum entfernt, aber es verirrt sich kein einziger Tourist hierhin. Es war herrlich. Vor allem wurden wir nicht einmal angequatscht. Wir kauften, was wir wollten und keiner bedrängte uns dabei. Nicht mal handeln war angesagt. Wir erstanden hervorragendes Brot (die Tunesier und Libyer backen weit bessere Brote und Baguette als die Franzosen!) und Obst und noch ein passendes Hemd für meine noch fast neue Urlaubshose.

Nach etwa 30 Minuten trafen wir wieder den Rest der Truppe (saßen im Touristen Café) und weiter ging es auf dem Weg nach Tozeur.


Wieder auf der Piste und in Tozeur


Nach all dem Konsumterror waren wir froh, irgendwann wieder auf der Piste zu sein. Immerhin konnte der Teppichverkäufer zufrieden sein. Er ist noch eine ganze Reihe weiterer Stücke losgeworden.
Auf dem weiteren Weg fuhren wir in einen regelrechten Sandsturm hinein. Offensichtlich ist an dieser Stelle Tunesiens ein immerwährender Sturm. Links und Rechts der Straße sind Gebirge, die dafür sorgen, daß ein permanenter sehr starker Wind bläst. Er trägt sehr viel Staub und Sand mit sich. Die Erosion in diesem Gebiet ist enorm. Binnen kürzester Zeit bildeten sich im Sanddünen. Der Sand kam durch sämtliche Ritzen und Dichtungen hinein.

Abbildung 9: Sandsturm auf dem Weg nach Tozeur

Nach einer stark knirschenden Pieselpause (gaanz schlechter Platz...) ging es dann wieder auf die Straße. Irgendwann lies dann auch der Sturm nach. Nach langer Fahrt kamen wir um 18:00 in Touzeur an.

Dort erwartete uns ein erstklassiges Abendmahl. Vielleicht das Beste auf unserer gesamten Reise? Das Mousse und der Rotwein waren jedenfalls mit Abstand ausgezeichnet!. Völlig Überfressen (zum Teufel mit den vier Kilo weniger...) fuhren dann alle getrennt Tanken im Ort.
Thomas, Janet und ich hatten am Ortsausgang von Tozeur eine nette kleine Tanke mit einem netten kleinen Schlauch gesehen. Tanken kein Thema, auch wenn der Tankwart es schon ungewöhnlich fand, auf ein Rover Dach klettern zu müssen um in 250 m Höhe Kanister zu betanken. Ich war halt zu faul, die Kanister herunter zu holen...Ein verölter Schlauch entpuppte sich als Hochdruckgerät zum Auto waschen. Ich konnte ihn knapp einhändig halten ohne abzuheben. Nach 5 Minuten traten dann wegen des enormen Wasserdrucks die ersten Handkrämpfe auf.
Zum ersten mal schaffte ich es, Wasser durch die Frontscheibendichtungen zu pressen (!) Naß ist der Trekker innen ja eh nach jeder Außenwäsche, aber dies war Rekordverdächtig.

Thomas hatte seinen Land Cruiser ebenfalls gewaschen. Wir sahen beide aus wie Sau, weil die Tankstellen in Afrika halt immer ein wenig unter Diesel und Altöl stehen. Der Schlauch vom Waschgerät natürlich erst recht. Aber die Wagen waren dafür um so sauberer.

Das gesamte Salz von Europas Winter war dahin und endlich wieder frei Sicht in alle Richtungen. Was machen da schon ein paar nasse Autositze aus, wenn der Wagen wieder ohne Handschuhe angefaßt werden kann.
Zurück im Hotel wurden dann noch Wegepunkte ausgetauscht und ich konnte mal den Laptop einsetzen (Entzugserscheinungen? Eigentlich nicht.) Aber auf jeden Fall besseres tippen als auf dem Garmin Mäuseklavier.
Irgendwann um 1:00 Uhr früh war ich dann auch fertig... Scheiß Technik. Alles dauert länger und im Grunde braucht man es eh nicht. Egal, immerhin komme ich mit dem Fugawi-Programm jetzt gut klar und Thomas Garmin 12 habe ich auch noch beladen. Obwohl das angeblich inkompatibel sein sollte. War es aber eindeutig nicht.
Im Bett war es warm und kuschelig. Gute Nacht, diesmal nicht auf Japanisch.
Morgen würde es dann endlich auf die Piste und ins Chott gehen. Das Dahar Gebirge wartete auch noch auf uns!
Bislang hatten wir das Konvoi fahren leidlich überstanden. Es geht halt immer zu langsam oder zu schnell. Je nach Situation. Aber eigentlich hatte ich es mir schlimmer vorgestellt.
Der Kontakt in der Gruppe war bislang nicht sehr ausgeprägt. Das konnte aber auch daran liegen, das Janet und ich uns eher absondern und für uns bleiben. Die Einzigen, mit denen wir eigentlich ständig zusammen waren, sind Thomas und der alte Schwede Peter. Die beiden kann man wirklich lieb gewinnen. Auch wenn Thomas wie ein Wasserfall redet, was ich von mir eigentlich nicht gerade behaupten kann.
Der Rest der Gruppe war ein wenig distinguierter und sah das Ganze wohl auch noch eher als exotisches Abenteuer, weil so etwas (mit Camping!) eigentlich bislang eher nicht auf dem Programm stand. Trotzdem kamen alle sehr gut miteinander aus. Es ist halt wie auf einem Konzert: Richtige Stimmung kommt erst bei den Zugaben auf.


Erstes Fahren im Gelände (Glotter)


Auch heute morgen verließen wir unser Hotel wieder, nachdem ca. 500 Japaner und Franzosen 3 Stunden lang ihre Koffer während der gesamten Nachtruhe durch an-die-Wand-werfen gepackt hatten. Die Lautstärke in Phon entsprach in etwa der von Hammamet...
Wir füllten unsere Wassersäcke und Kanister mit Leitungswasser. Das Wasser schmeckte hier tatsächlich ungechlort und halbwegs genießbar. Dies sollte sich im Verlauf der Wochen aber eher als Ausnahme herausstellen. Jedenfalls ist das afrikanische Wasser so Ultraweich, das es unmöglich ist, damit Schaum zu erzeugen oder seine Wäsche sauber zu bekommen. Dafür trocknet die haut wunderbar aus. Thomas und ich luden unsere GPS mit den hoffentlich richtig in den Laptop eingetippten Koordinaten und Routen.

Nach einem schrecklich schlechten (kurzen) Frühstück mit Oliven, die denen direkt vom Baum in nichts nachstanden (eigentlich sind Oliven erst nach einjährigem Einlegen in eine Salzlake genießbar) fuhren wir dann nach Tozeur hinein und kauften noch für sehr dünnes Geld einen großen Berg Obst und Gemüse.
Dann ging es los, zum ersten Mal ins afrikanische Gelände, für einige überhaupt das erste Mal Off Road. Heiß ersehnt und lang erwartet.

Im Chott el Djerid


Wir fuhren Ronnie nach ins Chott el Djerid. Gleich am Anfang war ein nettes kleines schlammiges Wasserloch zu queren. Wurde sozusagen als Einstand mit Taufe mit Bravour von allen durchquert. Besonders Maxens Frontera tat sich her hervor:

Abbildung 10: Frontera  im Schlammloch

Nach einem kurzen Briefing ("fahrt hintereinander in der Spur": Schlechte Idee, wie sich herausstellte!) fuhren wir alle hintereinander in der Spur. Jedenfalls ca. 500 Meter weit, dann zeigte sich die schlechte Idee, denn der Erste Wagen (die Ehre gebührt hier einem Toyota) saß fest. Es hätte aber auch jeden Anderen treffen können. Innerhalb kürzester Zeit waren alle Reifen absolut zugesetzt mit einer sehr rutschigen glatten schmierigen salzigen Dreckschicht.

 Zu einem Chott ist einiges zu sagen. Mittlerweile nach dem Urlaub haben wir diverse überquert und umfahren. Diese Salzseen sind sehr heimtückisch. Sehen absolut fest und trocken aus. Das sind sie gelegentlich auch, aber nur an der Oberfläche. Darunter ist sehr fetter zäher und tiefer Schlamm!

Abbildung 11: Chottoberfläche

 Hier war es nicht einmal schlammig. Die Spur war ca. 10 cm tief. aber heraus kam man seitlich nicht mehr. Jedenfalls nicht die beiden Landy mit den schmalen Reifen. Trotzdem kamen wir noch recht gut voran.

Nach kurzem Schiebeversuch am Toyota fuhr schließlich einer von uns vor und versuchte es mit abschleppen. Es war der getunte Brabus Mercedes (Sangyong Musso mit 270 PS) der dann allerdings auch schnell festsaß. Danach mußte dann eine Winch ran. Der Sangyong konnte seine nicht gebrauchen, an Ronnies Fahrzeug war sie defekt. Da war es von Vorteil, das unsere Warn am 90er auch die mit Abstand schnellste im Verein ist und Janet und ich die Letzten in der Schlange waren (nach den „Festsitzern“). Wir setzten kurz zurück, umrundeten das Feld und stellten uns ca. 20m frontal davor auf. Winde fertig und ran ans Auto.

Es klappte locker. Noch dazu wo die Winch bisher nur benötigt wurde, um meine Stoßstange geradezubiegen und ein zweites mal, um meinen vorderen Stabilisator zu verbiegen.

Mit schweren Stiefeln stapften alle zum Auto, nicht ohne vorher ordentlich zu lästern und zu fotografieren und weiter ging es (diesmal allerdings in getrennten spuren). Das klappte dann auch weit besser. Alle kamen nun gut voran. Luft ablassen war nicht nötig. Wir fuhren ca. 2 km weit und gelangten an einen Qued. Leider mit Wasser gefüllt und sehr sumpfig. Unüberwindbar, sozusagen. Unser Boß entschied sich für die Umkehr (schade eigentlich). Aber sicher besser. Viele aus der Gruppe waren nie zuvor im Gelände gefahren und es war sicher sinnvoll, es nicht gleich am ersten Tag auf die Spitze zu treiben. Wir fuhren zurück (das Wasserloch wartete!).Jeder kam durch, fast alle wurden in Aktion fotografiert, bis auf die Ersten (die ja bekanntlich immer die Letzten sind, in unserem Fall die Landys und Ronnies Wagen).

Die Rommelpiste


Weiter ging es auf der Straße Richtung Süden. Wir erreichten die Rommelpiste durch das Chott.

Einige Halts lohnten sich sehr. Es ist überaus Eindrucksvoll dort und jedes Foto wert (übrigens das Paradies für rostfreie leichte  und schnelle Enduros und Wanderer mit Faible für Weite, Stille und Geduld).

Abbildung 12: Paar im Chott

Es gab einen Stop bei der Berber-Tauschbörse (3 Joghurt gegen eine Sandrose) die ich für einen ausgedehnten einsamen Spaziergang auf den See hinaus nutzte. Es ist absolut eben und leer. Nur Salz und Sand. Kein Wasser. Das ganze erinnert stark an ans Watt. Besonders die absolute Stille ist auffallend. Nicht einmal Vögel, Wind oder Flugzeuge stören die Idylle. Der Blick erreicht ungehindert den Horizont. Die Erdkrümmung ist auch deutlich sichtbar.

Nach der Chott-Überquerung ging es dann noch einmal ins Gelände. Wir befanden uns nun in der Nähe von Douz. Dort gibt es winzige Dünen. Nur kleine Buckel, aber trotzdem viel Spaß. Nach einer halben Stunde ein kurzes Camp mit Brunch (jeder ißt was er hat...)
Während einer kurzen Verdauungspause wurde dann noch ein kurzer Fahrkurs für eine Führerscheinlose Rovercopilotin, die gefälligst das Geschwindigskeitsrennen zu gewinnen hatte, durchgeführt (anfahren geübt...).


Betrachtung zu Rookies


Zum Thema Fahrübung ist zu sagen, daß für unsere Tour ein Rennen vorgesehen. ist. Es ist in drei Bereiche geteilt: Geländerennen, Geschwindigkeitsrennen (mit einem Landy...) und ein Fragebogen zu Tunesien und unserer Reise. Einen Teil der beiden Rennstrecken muß vom CoPiloten gefahren werden. Alle außer Janet hatten damit auch kein Problem... Aber bis dahin ist ja noch Zeit.
Wir übten also weit entfernt anfahren, schalten und all diese Spielchen. Dafür, daß Janet nur einmal kurz in Feuerland auf Wellblech gefahren ist, machte Sie ihren Job sehr gut. Scheint tatsächlich fahrbegabte Frauen (ein Aufschrei, ich höre ihn förmlich) zu geben. Jedenfalls würgte sie den Wagen nicht sehr oft ab und fuhr auch ganz leidlich. Immerhin erst die zweite Fahrstunde im Leben!
Aber gucken, anschnallen, blinken und dieser ganze Quatsch war ja auch überflüssig. Hoffentlich disqualifiziert sie das nicht völlig für die deutschen Straßen.
Nach der Pause fuhren wir dann wieder quer Desert parallel zur Straße weiter.
Am besten ging es übrigens geradeaus und freihändig, Trekker weiß schon, wo es bequem ist.

Abbildung 13: SAAND, die ersten Dünchen!

Dieser Spaß dauerte ca. 1 Stunde. nach 30 Minuten verließen dann auch die ersten die Schlange, um sich den eigenen weg zu suchen. Ganz wichtiger Zeitpunkt, gell!
Wir waren eigentlich schon die ganze Zeit quer Beet entlang geschrotet. Nur nachgemacht hatte es uns niemand. Alle fuhren schön straight im Gänsemarsch. Absolut niemand außer uns, der aus der Reihe tanzte. Es war erfreulich, das sich dieser Zustand nach wenigen Tagen aufzulösen begann. Herdentrieb ist bei Japanern zwar weit extremer ausgebildet, aber Deutsche neigen auch sehr dazu. Ich hasse das sehr und hatte mich auch die Tage vorher schon ständig darüber geärgert, immer jemandem folgen zu müssen. Etwas das mir wirklich äußerst schwer fällt. Aber auch das ging, vor allem ging es vorüber! Nach dem schönen und zu kurzen Geländeausflug fuhren wir dann weiter auf der Teerstraße gen Südosten. Immer am Chott entlang.
Inzwischen hatten sich auch die Pinkelpausen an die Bedürfnisse unserer weiblichen Mitfahrerinnen halbwegs angepaßt (dies kann ein echtes Problem für einen Mann sein, seufz!). Obwohl Janet eigentlich vier Wochen lang harsche Kritik an mir und meinen Haltestellen übte. Sie ist halt etepetete... auaaaa.
Wir erreichten nun immer öfter kleine Dörfer mit Berbern als Bewohner.
(die Hautfarbe tendierte ebenfalls immer mehr von Braun gegen schwarz.

Wie immer waren alle Einwohner freundlich, besonders die Kinder.

Abbildung 14: kaum  schüchtern...

 (obwohl ein richtiger harter Mann natürlich nicht lächelt, und wenn heimlich hinter der Hand... Dafür kamen unsere männlichen Mitfahrer endlich mal etwas auf ihre Kosten, denn immer öfter nahmen auch Frauen am öffentlichen Leben auf den Straßen teil, und eine richtige Frau lächelt auch mal. Bislang hatten wir immer und ausschließlich Männer unter freiem Himmel gesehen. Dies war hier ganz anders und es gefiel uns allen gut. Es ist manchmal nicht ganz einfach für Europäer, die arabische Kultur zu verstehen, fürchte ich.


Ach ja, die Kinder


Ansonsten gab es da noch jede Menge beneidenswerter Kinder. In Tunesien wachsen meines Erachtens die Kinder viel freier und natürlicher auf als es je in Europa möglich wäre.

Dies gilt übrigens auch für die Südamerikanischen Kinder und der Umgang der Erwachsenen mit Ihnen.
Bei uns ist das so dermaßen verkorkst, das ich bezweifle, jemals Kinder haben zu wollen. Eigentlich mag ich Kinder sehr gern und umgekehrt gibt’s es da auch keinerlei Probleme. Jedenfalls haben sie in anderen Ländern offenbar viel mehr zu lachen und frech sind sie allemal auf sehr angenehme Art und Weise.
Vor allem scheinen sie keinen Wert darauf zu legen, schon mit zwölf Erwachsen zu sein, wie es bei uns der Fall ist. Die Kinder hier konnten richtig spielen und sie waren schmutzig. Beides etwas, was in Deutschland ausgestorben ist, es sei denn es handelt sich um Kinder von Ausländern. Bei uns sind Kinder ja nicht mal mehr in der Lage, mit mehr als einem anderen Kind etwas anfangen zu können, denn am Nintendo kann man halt nur zu zweit spielen.
Überhaupt sind die Kinder hier ein echter Pluspunkt, wie eigentlich überall, wo es noch spielende Kinder auf den Straßen gibt (in Deutschland jedenfalls sind sie praktisch ausgestorben oder eingezäunt im Kinder GARTEN. Was für ein Wort. Ich habe im Garten lediglich Steckrüben!).

Nach dieser kurzen soziologischen Betrachtung fuhren wir dann auf unsere erste Piste in Tunesien.

Und nun die Piste


Sehr staubig, aber kein Wellblech und recht kleine Steine und bequem.
70-90 km/h waren locker möglich und dadurch gab es in der einen oder anderen Senke oder S-Kurve auch mal die eine oder andere angenehme Abwechslung (Üüüüberaschuuung, aaaaaaaaahhhhhh).
Naja, die anderen fuhren eher so um die vierzig. Das minderte den Spaßfaktor ungemein. Thomas und ich fuhren daher auch immer mit gut 1-2 km Abstand zur Gruppe hinterher. Allerdings mußten wir sehr häufig aus Abstandsgründen Pause machen. Die Truppe fuhr einfach zu langsam. In Patagonien sind wir teils mit 120 km/h über die Wellblech- und Schotterpiste gekachelt. Und die war 10mal schlimmer als das hier. Na gut, war auch ein Leihwagen, aber trotzdem mit viel Glas- und Dämpferbruch, eigentlich sogar total fertig, die Kiste, jedenfalls hinterher, aber „Das macht Spaß“!
Jedenfalls ist nix passiert. Jedenfalls nicht bei uns.
Ansonsten waren die einheimischen auf ihren Eselkarren begeistert, das wir nur mit max. 30 km/h an ihnen vorbeifuhren. Staubschlucken mag halt niemand und hier wurde es auch sehr honoriert (selbst richtige Männer winkten und LÄCHELTEN!
Offenbar scheint dieses Verhalten eher die Ausnahme zu sein. Traurig genug!


Berberhöhlen


Nach der Piste von ca. 45 km kamen wir dann bei den Höhlenwohnungen der Berber in der Nähe von Matmata an.
Vermutlich war "unsere" Berberfamilie eine der reichsten in Tunesien. Zu recht, meine ich: wer zeigt schon gern einer Horde fotografierender Fremder seine Wohnung. Niemand natürlich, jedenfalls nicht umsonst.

Abbildung 15: Höhlenwohnung von oben

Die Wohnung war übrigens faszinierend! Gutes Klima, sauber, aufgeräumt. Einfach Klasse. Könnte sich manche Deutsche Bude eine Scheibe von abschneiden!
Nur fotografieren mochte ich denn doch nicht. Mit der folgenden Ausnahme...

Komisches Gefühl, fremde Wohnungen zu fotografieren, oder? Trotz Eintritt hatte ich nicht das Gefühl, dazu das recht zu haben.
Dafür kam das Dromedar in der Tiefgarage zu digitalen Ehren!

Die Wohnungen sind eigentlich ein Loch in der Erde. Aber drinnen ist Platz ohne Ende. Und kühl ist es! Die Wohnung kann beliebig vergrößert werden. Man muß halt graben.

Abbildung 16: Lolly aus der Taschenweste kommt gut!

Die dort lebenden Berber wohnen teils längst in Wohnungen, die sie aber nicht zu mögen scheinen. Jedenfalls halten Sie sich dort eher selten auf.
Als wir wegfuhren, kam schon der nächste Bus. Jeder zahlt drei Dinar, also rund 5 Mark für 10 Minuten Besichtigung. Bei Gruppen von teils 50 Leuten ein äußerst lukratives Geschäft. Die Matriarchin küßte Ronnie nicht nur aus Show die Hände. Würde ich auch tun bei dem Gehalt! Sie hatte übrigens sicher die 85 Jahre überschritten und viele Tätowierungen im Gesicht. Ich hätte mich gerne mit Ihr unterhalten. Aber leider war die Sprachbarriere mal wieder nicht zu umgehen. Schade, wie jedesmal in jedem Land wo man nichts versteht. Eher es weiterging machte ich noch zwei Fotos des ersten Dromedars, das wir zu sehen bekamen.

Das Dahar Gebirge


Der Start erfolgte dann mit leichter Verspätung so gegen 10:00 Uhr. Immerhin hatte die Standheizung Zeit, ihren Job zu verrichten. Sie wurde langsam aber sicher zu unserem wichtigsten Ausrüstungsgegenstand. Wir fuhren nach Matmata hinein, kauften noch einen Haufen sehr gutes Obst und Gemüse und fuhren Richtung Südwesten weiter.

Nach dem Stop ging es dann ins Dahar-Gebirge.

Abbildung 17: Pause am Fuß des Dahar-Gebirges

Auf 350m Höhe liegt Matmata. Das Hotel dort war sehr erfreulich: Äußerst spartanisch und weitläufig mit kleinen und sehr schönen Ein-Zimmer-Appartments im Stil der Höhlenwohnungen. Das Essen war einfach, aber in Ordnung. Am Abend ging ich dann noch Spazieren. Tiefste Dunkelheit, kein Mond und Sternenklar.

Der Sternenhimmel dort war wunderbar. Sterne bis zum Fußboden. Ringsum. Außerdem sah ich einen Meteor verglühen. Gut fünf Sekunden war er zu sehen und erleuchtete den Abendhimmel mit einem sehr langen Schweif. Irgendwann ging es dann wie gehabt in die Heia (drei Decken für jeden! Es ist einfach saukalt in Afrika). Irgendwann um 4 Uhr früh wurde ich wach, weil die Füße so kalt waren.

Abbildung 18: Dahar, Blick nach unten

Da fährt man bis in die Sahara um sich den Hintern im Hotel abzufrieren...Janet ging niemals ohne ihren Schlafsack in irgendein Hotel. Sie fror eigentlich ständig und immer. Selbst im Auto bei Heizung. Nach dem katastrophal knappen Frühstück (ein Tee, ein Ei) wurde dann noch ein Reifen am Musso Sangyong (oder wie er sonst heißen mag) gewechselt (unter 10 Minuten). Er hatte sich einen Nagel eingefahren.

Ronnie hatte uns wieder Waypoints gegeben. Außerdem hatte er zwei russische Generalstabskarten dabei. Und Tunesien ist wirklich kein Land, in dem man sich verfahren könnte.
Irgendwann war es dann soweit, Piste Anfang, Teer Ende. Lockeres fahren in großem Abstand, jede Menge Staub aber noch kein Offroad-Feeling.


Über den Wolken...


Nach einigen Stunden hielten wir Zwischenstops in einem Ksar (ehemalige Berber Wohn- und Speicherburg aus Lehm,

 nun eine Ruine). Hier lebten bis vor wenigen Jahrzehnten noch Berber. Mittlerweile hat die Regierung sie umgesiedelt, daher verfallen Ihre alten Ortschaften zusehends. Ich kletterte in einigen herum.

Die meisten werden von Touristen als Müllhalde oder Klo mißbraucht. Es riecht entsprechend. Einige waren aber schwerer zu erreichen und ewig nicht besucht worden. Nach einigem klettern kam ich hinein. Dort fand ich unter anderem zwei Gräber. Wer weiß, wer da schon wie lange lag.

Nach einiger zeit hatten wir alles gesehen und machten uns wieder auf den Weg. Nach einem weiteren Halt für ein Picknick fuhren wir weiter Richtung. Wüste. Die Piste wurde zur Teerstraße. Irgendwann erreichten wir einen kleinen Ort. Dort wurden bei einigen Fahrzeugen die Diesel und Spritreserven aufgefüllt. Allerdings nicht mehr als 20 Liter pro Wagen. Meine tolle Spritpumpe von der Firma W...k stellte sich vorläufig als Flop heraus.

Abbildung 19: Alte Tür zu altem Ksar

Wieder ein Fehlgriff von W...k. der vorerst Letzte aus einer langen Liste! "Nie wieder dort kaufen" notierte ich mir im Geiste: Wassersäcke und Dieselpumpen ohne Dichtungen. Fehllieferungen, lange Lieferzeiten, nur auf Nachnahme nicht auf Rechnung. Etliche Sachen nur im Katalog, aber in real nicht vorhanden. Fehllieferungen, viel Schrott, Mondpreise... Die Liste könnte ich beliebig verlängern. Aber wir wollen ja Urlaub machen...also: Schluß damit!
Weiter im Text.

Nach dem tanken ging es dann auf üble Wellblechpiste. Der Konvoi fuhr relativ langsam zu Beginn. Irgendwann kamen aber alle dahinter, daß 70-90 eigentlich optimaler als 30–60 km/h waren. Zwischenzeitlich kamen einige Bergpassagen dazu. Eher unterer Level und nicht sehr anspruchsvoll.
 Alle kamen rüber, trotz sehr vieler Halts um Löcher in der Straße zu stopfen. Leider kamen wir immer erst nach der Reparatur an die Löcher. Vorher wäre es viel lustiger geworden.

Abbildung 20: Weißes Paar am Berg

Im Gebirge wurde das Wetter dann sehr ungemütlich. In 550 Meter Höhe fuhren wir sogar durch Wolken. Alles feucht, sehr diesig und sehr dunkel und kalt.


Sand, Sand, Sand


Nach dem Gebirge erneut Wellblech. Noch Übler. Aber die Wüste naht. Wir sehen häufiger wilde Dromedarherden.

Die Landschaft verändert sich zusehends. Der Sand kommt langsam in die erreichbare Nähe.

Ein letzter Halt in einem Berberdorf mit sehr schönen Nomadenteppichen und hervorragendem gewürzten Tee.
Dann weg aus dem schlechten Wetter. Noch ein kurzer halt beim Bäcker (Brot, Schokolade und DONUTS!). Dann Wellblech, aber schon mit Sandpassagen.

Abbildung 21: Wellblech, lang und staubig

Langsam ist zu sehen, das daß Fahren nun allen mehr Spaß macht. Jeder sucht sich seinen Weg selbst auf und neben der Piste. Es weht ein starker Wind mit sehr starken Sandflug. Immer mehr Dünen tauchen auf. Die Farbgebung im Abendlicht ist herrlich. Viele Fotos werden gemacht.


Die Grand Erg oriental


Beim nächsten Halt wird die Luft auf 1,7 bar vermindert und dafür macht unser Handmanometer die Runde. Weiter geht es, noch mehr Sand. Erst die grandiosen Ausblicke im Gebirge, nun noch wunderschönen Aussichten über die rot gefärbte Landschaft.

Herrliche Staubfahnen im Sonnenuntergang im Gegenlicht.
Dieser Tag ist bislang der landschaftlich mit Abstand schönste. Immer mehr Sand taucht auf. Irgendwann kommt die Sahara in Sicht. Dünen, Sand, Oasen. Ksar Ghirlane ist in Sicht. Nun gibt es plötzlich nur noch Sanddünen. Nach kurzer Zeit finden wir den Eingang zur Oase.
 

Abbildung 22: Kleine, aber feine Dünen

Am Rand fließt warmes dampfendes Wasser für die Oasenbewässerung in einem Kanal. Es dampft, hat so um die 30 Grad Celsius. Herrlich. Wir freuen uns schon auf das Bad im heißen See.

Abbildung 23 : Punschparty am zweiten Abend

Wir suchen uns einen schönen Platz für unser Camp. Genug Platz für alle, obwohl es Rappeldickevoll zu sein scheint. Jede Menge Deutsche, Franzosen, Italiener und diverse andere Gäste. Thomas, Peter, Janet und ich ziehen es vor, nicht bekocht zu werden, sondern draußen selbst zu kochen.

Die anderen Essen bis auf wenige Ausnahmen im riesigen animierten (Bauchtanz mit Musik) Gemeinschaftszelt. Unser essen ist reichhaltig und ausgezeichnet. Die Zelte stehen alle, Wasser ist satt vorhanden.
Ich habe bei Einfahrt in die Oase einen großen LKW mit Dieselfässern gesehen. Keine Ahnung, ob er Sprit verkauft. Merke: Nachfragen.
Irgendwann stehen alle Zelte.

Unser Dachzelt ist ohnehin in einer Minute aufgebaut. Die Schlafsäcke liegen immer gleich drin. Ich freue mich schon auf meinen eigenen Schlafsack. Hoffentlich ist es ruhig!


Computermist

Ich schreibe wie jeden Abend noch den Tag in den Laptop hinein. Am nächsten Tag ist immer soviel verloren. Ein wenig Disziplin benötigt das Schreiben offensichtlich. Auch eine neue Erfahrung. Aber Spaß macht es auch. Der Laptop benötigt allerdings unbedingt die Heizung zum Vorwärmen. Habe mir bei der kalten Nacht in der Schweiz einen Teil meiner Daten auf der Platte ruiniert. Es war einfach zu kalt und dann den Rechner zu starten passiert mir garantiert nicht wieder. Es hat mich Stunden gekostet, die Probleme nachträglich zumindest weitgehend zu beheben. Einiges ist zerschossen und muß neu installiert werden.
Also: Laptop immer schön im warmen Wagen liegen lassen und nie richtig kalt (min. 10° C!!!) starten, sonst gibt’s Datensalat und nicht jeder ist Informatiker um den Schrott zu reparieren.
Wir kamen am Abend in der Oase an. Mit dem aufbauen ging der Abend schnell dahin. Wir hauten uns dann relativ schnell in die Kojen.


Abschweifung zum Thema Stille


Die Nacht im Dachzelt verlief ziemlich ruhig. Um 23 Uhr wurde sogar die grausige Musik (Ballermannniveau) leiser gestellt – gottlob!

Abbildung 24: Wenigstens der Kaffee ist heiß...

Die Ohrstöpsel waren daher Überflüssig. Ich werde wohl nie nachvollziehen können, wie jemand ausgerechnet in die Wüste reist, um dort schlechte drittklassige und laute Musik zu hören, die es zu Hause an jeder Ecke zu hören  gibt. Ich genieße viel lieber die seltene Chance der absoluten stille in der Sahara zu lauschen. Es ist fast wie an der Nordsee im Watt. Eher noch ruhiger. Nicht einmal Windgeräusche oder Tiere sind zu bemerken. Am Himmel ist nicht ein Flugzeug oder auch nur ein Kondensstreifen zu entdecken. Es ist absolut phantastisch, daß ich solche Situationen überhaupt noch irgendwo finden kann. In Patagonien war es ähnlich, sogar noch viel Einsamer. Aber dort pfiff halt ein permanenter Sturm, Tag und Nacht, nahezu ununterbrochen. Hier in der Wüste ist das eine völlig andere Qualität. Geradezu Meditativ.


Dachzelt PlädoYer


Wir standen früh am Morgen gegen 7:30 auf. Die Zelte vollkommen von Eis Überzogen. Im Zelt ebenfalls alles vereist und die Schlafsäcke feucht. Wir messen -1,8° C nach Sonnenaufgang. In der Nacht gab es also Frost. Wow. Wir haben also vollkommen unzureichende und teils falsche Kleidung mitgebracht. It's too late... aber im Schlafsack ist es bis 0° C noch einigermaßen auszuhalten. Das Dachzelt hat den unbestreitbaren Vorteil, von unten nicht kalt zu werden. Außerdem ist es in der Höhe von 2,50 ziemlich Sand- und Staubfrei. Der Blick tut ein übriges, daß ich das Kalahari Zelt mittlerweile jedem anderen Zelt vorziehe. Kein Ärger mit Häringen, man kann auf beliebigem Untergrund stehen, kein Regenwasser unterm Boden etc. pp. Ist schon die Kohle wert.
Es hat in der Nacht noch lange relativ stark geregnet. Wir brauchten tatsächlich das wasserdichte Thermozelt um trocken zu bleiben. 25 Jahre fahre ich in Urlaub (seit ich zehn bin), eigentlich immer mit Zelt. Selbst in den feuchtesten Gegenden habe ich selten Regen erlebt. Bin in dieser Hinsicht wirklich verwöhnt, aber ausgerechnet in der Sahara eimert es wie blöde und dabei friert man sich auch noch den Hintern ab. Unfaßbar.

Dünen


Am Morgen ist jetzt allerdings strahlender Sonnenschein. Ein kurzes gutes Frühstück (scharf gerösteter französischer Kaffee und nicht dieser Nescafé Blubber!

Abbildung 25: Farbenspiel

Dann rödelten wir das Fahrzeug ab um Gewicht zu sparen. Vor allem das Dach entlasteten wir, weil der Trekker weiß Gott schon keinen übermäßig günstigen Kippwinkel hat.

Später gab Ronnie ein kurzes Meeting und ab ging es in die Dünen. Wir sind alle ziemlich heiß drauf und es machte tatsächlich höllischen Spaß! Die meisten von uns fingen recht zaghaft an, aber es wird langsam. Der Herdenzwang ist stark im abnehmen begriffen!

Gipfelsturm


Thomas, Peter, Janet und ich fahren auf den einzigen höheren Berg weit und breit.

Abbildung 26: Anlauf zur Erstbefahrung

Die Erstbesteigung gebührt allerdings uns und nicht dem Toyota... (harhar)

Abbildung 27: Nach dem Gipfelsturm

 Nachdem wir oben angekommen sind, wollen alle anderen natürlich auch rauf.

Innerhalb weniger Minuten wimmelt es von Fahrzeugen. Schade, war so schön unberührt. Ehe alle oben sind fahren wir daher wieder weiter.

Wir haben das alte Fort in der Ferne mit dem Fernglas ausgemacht. Es sind ca. 2 km Luftlinie. Man ist immer versucht, die kürzeste direkte Strecke zu wählen. Ich versuche es natürlich auch... Es geht recht gut, bis wir dann stecken bleiben... kurz geschaufelt und ab dafür.

Abbildung 28: Ooooops

Das Rennen gegen Thomas und Peter (sie umfahren uns einfach mit weitem Abstand) ist allerdings verloren. Mit 10 Minuten Verspätung kommen wir als zweite an. Die Lorbeeren gehen an diesmal an den Toyota (Ehre wem Ehre gebührt...) Immerhin schon wieder was neues gelernt.


Das alte Franzosenfort


Die Festung erweist sich als Ruine. Aber von hier oben hat man einen sehr schönen Blick über die Wüste.  Abbildung 29: Am Franzosenfort

Hinter der Festungsmauer kommt sogar Wärme auf, weil es Windgeschützt ist. Also machen wir erst mal länger Pause. Wir treffen dort oben auf einige Enduro Fahrer (alle aus Bayern). Nach einer Woche rede ich selbst schon wie einer, aba dös machet nix.
Die Endurofahrer sind leicht gnatzig, weil sich alle offenbar über die Lautstärke ihrer Maschinen beschweren. Jedenfalls klagen Sie uns ihr leid. Naja, es sind aber ganz nette.


Gedanken zum Müll


Die Mofettenfahrer beschweren sich ihrerseits über die tollen Offroad Touris, die ihren Müll anscheinend gern aus dem Fenster feuern oder unter Palmen bunkern, in der Hoffnung, die Wüstenmüllabfuhr holt das Zeug ab.
Zu Hause wählen die dann vermutlich die Grünen und regen sich über Zigarettenkippen zwischen den Bahnschienen auf...
Solche scheinheiligen Typen trifft man wohl überall. Es ist völlig Szene unabhängig wie mir scheint.
Aber ekelhaft ist es allemal. Konsumenten, die meinen sich im Ausland als Obermufti aufführen zu müssen, weil Sie immerhin ja dafür bezahlt haben hier zu sein und weil sie zu Haus nichts zu bestellen haben.
Ganz arme Wichte. Aber im Ausland um so unangenehmer, denn sie prägen in ihrem häufig massenhaften Auftreten das Bild unserer Gesellschaft im Ausland. Sozusagen Rufschädigung.

Das mit dem Müll ist natürlich ein Problem. Wir haben schon zu Hause drüber nachgedacht. Den meisten Kram verbrannten wir eigentlich immer am abendlichen Feuer. Meist haben wir dann in Libyen auch den Müll bei den städtischen wilden Müllhalden gelassen. Es ist einfach unmöglich, allen Müll wieder mit nach Deutschland zurückzunehmen. Einbuddeln ist jedenfalls keine Alternative. Verbrennen eigentlich das optimale. Nun, jedenfalls haben die Einheimischen ein vollkommen anderes Verständnis von Müllentsorgung. In Libyen kippt man ihn vor die Haustüren. Am besten wird dabei ein neuer Haufen gebildet, statt bereits einen vorhandenen zu vergrößern. Es ist uns ein Rätsel geblieben, wieso nicht einfach ein riesiges Loch gegraben und das Zeug verbrannt wird.
Vielleicht ist die Menge des Mülls hier ja ein Anzeichen für Zivilisationsgrad oder Konsumentenreichtum? Schön ist es jedenfalls nicht.


Nix geht mehr


Nachdem wir noch lange durch die Dünen gefahren sind (teils schon mit recht anspruchsvollen Stellen) steckten wir dann auch irgendwann prompt an einer üblen Ecke fest.

Abbildung 30: Buddeln? Winchen? Sandbleche? Äääääh...

Hinter einer größeren Düne ging es rapide seitlich ab in einen Trichter. Diesen suchten wir uns prompt aus, um die maximale Schräglage zu überprüfen. Jedenfalls rutschten wir mit unseren Schmalen Reifen den Hang seitlich hinab. Extrem schief (32 Grad), extrem verschränkt, extremer Mist.

Abbildung 31: Schräglage, Verschränkungsende...

Janet hatte ziemliche Probleme aus dem Auto zu kommen. Ich fiel quasi von allein raus, nur rein ging es nicht mehr so einfach. Buddeln nutzte nichts mehr. Wir rutschten nur immer tiefer in das Loch. Der Toyota mit Thomas und Peter war eh in der Nähe und kam schon auf uns zu, also packen wir schon mal die Winch aus und machten die Seile klar.
Erst versuchten wir mit einfacher Verbindung, uns raus zu ziehen.

Die Winch (4,5 t) schaffte es aber nicht im geringsten. Also her mit der Umlenkrolle.
Diverse Versuche mit jaulendem Windenmotor bringen uns immer nur um Zentimeter weiter. Nach gut 1 Stunde sind wir dann aber endlich wieder klar. Wir sind uns nicht sicher, ob Sandblech und HiLift Einsatz nicht einfacher gewesen wären. Auf jeden Fall haben wir schön gegraben und nette Bilder gemacht, sowie ordentlich was übers Sandfahren gelernt.

Abbildung 32: Nach Tauchphase, nur leicht verbogen...

Landys sind schon recht kippempfindlich. Der lange Toyota LC hat mit seinem riesigen Radstand da erheblich weniger Probleme. Außerdem hat der 4,5 Liter Diesel genügend Reserven, um nahezu alles im Standgas zu fahren. Der Trekker mußte da schon etwas mehr gequält werden.
Trotzdem, wenig später hängt dann auch Thomas fest und diesmal müssen wir ihn herausziehen.

Peter, der alte Schwede, ist nicht gerade ein Schaufelfreund. Steht nur mit seiner Kamera dabei und versucht nicht aufzufallen. Ich denke, beim nächsten mal drücke ich ihm meine Schaufel in die Hand und nehme dafür dann seine Kamera damit er dann sein eigenes Auto ausgraben kann. Jedem halt das seine...
Irgendwann nach zwei Stunden geht es zurück Richtung Oase. Dabei treffen wir auf eine große Tourie-Dromedar-Karawane.

Abbildung 33: Pauschis auf Tieren

Einige besonders mopsige Exemplare (die Touris, nicht die Dromedare) erscheinen wie ein Frosch auf einem Pferd. Niedliches Bewegungsstudien vertreiben uns die Wartezeit, bis alle vorbei sind. Wir wollen ja keine Stampede auslösen. Dann geht’s ab nach Hause.
Am Campground wird erst mal der Rover gecheckt von unten (Preßluftanschluß am vorderen Diff!), die Filter geprüft, bißchen abgeschmiert und gefettet. Das war eh mal nötig. Hier und da wird ein Kabelbinder verbaut. Der Luftfilter ist absolut sauber. Offenbar bewährt der Zyklonfilter sich. Auch sonst gibt es keine Probleme.
Ich wasche Probe halber mal den K&N Filter aus. Dreckig ist er eigentlich nicht, aber ist ja auch mit ein wenig Betätigung und Lerneffekt verbunden. Außerdem gibt es hier in der Oase überall fließendes warmes Wasser in Hülle und Fülle.
Danach gibt es ein kurzes kaltes Mahl und ab geht’s in die heiße Oasenbadewanne.
Peter, der alte Schwede verbringt offenbar viel Zeit dort drin. Ich habe noch nie so einen kälteempfindlichen Nordländer wie ihn erlebt. Unglaublich, der Mann friert permanent. Aber das durch Bewegung wett zu machen, ist auch nicht sein Ding.
Ach, herrlich. Der kleine See ist ca. 37 Grad warm. Wir waschen uns dort gleich am Abfluß und gehen wieder zurück.
An dem kleinen See ist es wie auf dem Boulevard von Nizza oder Cannes. Offenbar neigen oft gerade Jeep-Fahrer dazu, zu Präsentationszwecken direkt bis an den Pool zu fahren und dann ein Posing mit Goldketten zu veranstalten.
Bloß keinen Schritt machen und keinen Moment auslassen, um kleine Französinnen zu beeindrucken. Uff, nichts wie weg, hier ist es laut und stinkt nach Abgasen. Das muß ja nicht sein, immerhin ist hier Platz ohne Ende.
Nach dem Bad fahren Janet und ich noch mal in die Wüste hinaus. Sie muß dringend noch fahren, schalten und anfahren üben. Wir suchen einfaches Terrain und einfache Dünen aus. Das Anfahren klappt nun schon gut. heute kommt also mehr die Untersetzung und schnelleres Fahren in Kurven und im Gelände dran, immerhin soll sie ja das Speedrennen fahren.
Sie schlägt sich SEHR wacker, ich übrigens auch, seufz. Vermutlich ist sie in Deutschland die Einzige, die je in Feuerland und der Sahara gefahren ist, in der Heimat aber nicht mal eine Mofa bedienen darf, weil sie keinen Lappen besitzt. Ist schon witzig. Allerdings wird sie das, was sie hier lernt, hoffentlich nicht bei der Fahrprüfung präsentieren. Das wäre sicher keine gute Idee. Aber ansonsten: Respekt. Sie fährt ziemlich gut nach nicht mehr max. zwei Stunden Fahrpraxis. Wir düsen schon über Sanddünen und anspruchsvolleres Gelände.
Janet fährt sogar noch zurück in die Oase (eng mit viel Verkehr) und parkt Rückwärts in unseren Campground ein. Zwar nicht beim ersten Versuch, aber ansonsten allns klor. Anschließend bauen wir das inzwischen trockene Dachzelt auf. Ich schmeiße die Standheizung an, steige hinten ein, fahre den Laptop hoch und schreibe diese Zeilen. Diesmal ist der Compi warm genug.

Danach geht es an die heiße Schlacht ums kalte Buffett und rein in die Milleniumsparty. Heute ist nämlich Sylvester Zweitausend! Eigentlich würde mir eine gute Flasche Rotwein, eine Düne, klarer Sternenhimmel mit Sicht auf Andromeda und Janet an meiner Seite schon reichen. Mehr als das sogar. Aber diesmal müssen wir wohl mitspielen. Es wird bestimmt ganz lustig. Ich habe die Neujahrszigarren und den Flachmann jedenfalls in der 17 Tasche meiner Weste. Prost und guten Rutsch.

Wir sehen uns im nächsten Jahrtausend!


Silvesternachtrag!


Beim warten auf das Buffett im großen Zelt haben wir uns anderthalb Stunden den A.... abgefroren. Die Animation durch die tunesische Tanzgruppe hat auch nichts am Wärmehaushalt des Körpers verbessert. Es ist wirklich wieder Schweine kalt.
Irgendwann um 20:00 Uhr dürfen wir dann endlich in das total  verräucherte Zelte. Warm ist es nicht, aber Husten ist ja auch Bewegung...
Das Buffett ist sehr in Ordnung. Die Musik allerdings eher grausig. Ich stehe gar nicht auf populäre Schlager der Neunziger. Dieser Mist wird eh ständig im Radio gedudelt. Nix ausgefallenes, einfach nur wieder Prolomucke. Aber die Truppe Brasilianer amüsiert sich auf jeden fall prächtig.

Abbildung 35: Andacht? Gebet? Y2K in der Wüste

Was soll’s also. Mein Musikgeschmack ist hier auf gar keinen Fall gefragt, kennt ja eh keine Sau...Irgendwann so gegen 23:00 Uhr fährt dann unsere Gruppe in die Wüste hinaus. Wir machen ein wärmendes Feuer aus trockenen Sträuchern und erwarten das Neujahr. Noch immer ist es eiskalt. Aber es ist klarer Sternenhimmel und herrlich ruhig.


 

Prost Neujahr


In der Oase beginnt tatsächlich ein Feuerwerk, einige von uns zünden mitgebrachte Raketen. Ich hoffe, die werden nicht als Notsignal interpretiert.
Das Feuer wird gefüttert, Sekt geht herum. Anstoßen und etwas Smalltalk. So richtige Stimmung kommt zwar nicht auf, aber das hatte ich auch gar nicht erwartet. Ich hasse diese Standardfestivitäten zu vorgegebenen Terminen. Es ist eh immer derselbe Quatsch. Außerdem ist unser Kalender eh völlig willkürlich gewählt. In der Hinsicht bin ich wohl ein wenig zu rationalistisch. Ein Partylöwe war ich allerdings auch noch nie.
Jedenfalls wünschte ich, der Milleniumbug wird in Amerika und Europa ein herrliches totales Chaos verursachen. Seit 2 Jahren bin ich beruflich mit diesem Unsinn beschäftigt. Jetzt wo es spannend wird, bin ich weg. Gottlob.
Es interessiert mich zwar irgendwo schon, aber so wichtig, das ich jetzt Nachrichten hören muß, ist es denn doch nicht. Sehr beruhigend für mich! So gegen 1:00 Uhr fahren alle zurück ins Camp.
Janet und ich bleiben gleich an Ort und Stelle hier am Feuer. Hier ist wunderbar ruhig und Dunkel. Der Preis dafür ist wohl die eiskalte Nacht in der freien Wüste.
Aber das ist es sicher wert.

Abbildung 36: Früher eisiger Neujahrsmorgen: 01.01.00

Tatsächlich, wir hatten fünf Grad minus diese Nacht, unser Zelt ist steif gefroren, wir auch. Die Schlafsäcke sind feucht, die Dünen liegen unter einer Frostschicht. Ich luge durchs Dachfenster: WOW. Alles Weiß. Bibbernd ziehe ich was an und krabbele raus. Bloß gut, das die Standheizung schon läuft, ein hoch auf die Y2K-fähige Standheizung. Dieses Gerät wird offenbar unser wichtigstes Reiseutensil.
Ein dreifach Hoch auf Webasto!
Ehe ich ins warme Auto klettere mache ich einige Fotos. Über der Oase starten im Laufe des Vormittags bei strahlendem Sonnenschein einige Leute einen Heißluftballon.

Was für ein Kontrast.
Meine neue Digitalkamera erweist sich einmal mehr als geniales Teil. Keine Probleme mit Sand, kein Problem mit Kälte. Eben kaum bewegte Teile, weitestgehend jedenfalls. Dafür aber beliebig viele Fotos... Das nutze ich hier auch schamlos aus. Der Bodennebel wogt über den Dünen, die Sonne fängt an hindurch zu scheinen. Es sieht aus, als würde sie den Nebel weg brennen. Ein Blick in Richtung Ksar Ghirlane zeigt nur die Palmenspitzen, die aus dem Nebel herausschauen. Wegen der warmen Quellen und der warmen Bewässerungsgräben ist die Luft dort noch ein ganzes Eckchen feuchter als hier in den Dünen. Uns friert's schon mächtig. Hier draußen war es nächtens viel kälter, als in der Oase. Aber der Anblick entschädigt für vieles.

Abbildung 37: Kalt, aber schön!

Digitale Bilderei


Ich mache viele Fotos und werde die schlechteren später löschen. Insgesamt habe ich 82 MB Platz um Fotos zu schießen. Sollte eigentlich reichen.
Die Qualität der Bilder ist ausgezeichnet. Natürlich reicht sie noch lange nicht an echte Fotos heran, aber dafür spare ich das Entwickeln und kann unendlich viele Fotos machen und auf dem Laptop zwischen speichern. Da sie als Daten vorliegen sind sie jederzeit bereit, ins Web gestellt zu werden oder per eMail verschickt zu werden. Ist schon Klasse. Meine alte AE1 habe ich natürlich trotzdem dabei. Um echte gute Bilder auf Papier zu bekommen, wird sie auch noch lange benötigt werden, hoffe ich.
Danach fahren wir dann gemächlich in die Oase zurück. Gerade recht zum - kargen (was auch sonst) Frühstück.
Irgendwann gegen 10:30 beginnt dann das Rennen! Vorher erfolgt eine Einweisung durch Ronnie mit einer Erläuterung der Rallye-Regeln. Heute wird nur das Geländerennen ausgefahren.


Wüstenrallye


Wir fahren raus vor die Oase und formieren uns zum Le Mans Start. Auf Kommando von Elisabeth rennen wir wie die blöden los zu unseren Wagen. Uwes Team liegt mit Janet und mir gleich auf. Wir kommen mit Abstand als Erste in die Wagen und braten los. Ist nur recht und billig, immerhin haben wir den langsamsten Wagen.
Uwe mit seinem kleinen flinken Toyota ist vor uns. Naja, jetzt brabbelt Robert mit seinem Sangyong Musso Brabus Mercedes auch noch an uns vorbei. Der Landy hat halt keine getunten 270 PS und Breitreifen.
Aber wir schlagen uns wacker. Drittes von 10 Fahrzeugen. Darunter auch diverse Dickschiffe wie Cherokee V8, Frontera etc.
Thomas und Peter mit dem Toyo sind dicht hinter uns. Wir kacheln auf den Hügel Richtung Franzosenfort zu. Alles im Auto fliegt umher. Janet hängt unter der Decke. Zweimal schlagen die Dämpfer am Anschlag an. Ich leide mit meiner Aluschüssel. Aber sie hält sich wacker.
Wir sind noch immer Dritte!
Uwe und Robert sind absolut uneinholbar. Sie haben einfach zu starke Motoren und zu fette reifen. Thomas liegt knapp hinter uns. Wir hüpfen von Düne zu Düne mit Vollgas im fünften der Untersetzung und Mitteldifferential. Der kurze Radstand sorgt dafür,

das wir eine Art Delphin schwimmen veranstalten. Es rammelt und rappelt unglaublich. Oft heben wir ab.
Uwe liegt erstaunlicherweise vor Robert. Er fährt einen ziemlichen Umweg, aber dafür kommt er viel schneller voran als alle anderen. Robert merkt das wohl auch und drückt um so mehr auf die Tube. Sein Wagen röhrt dermaßen, das wir ihn hören können, obwohl wir uns nicht gerade leise fortbewegen. Die Motivation zum gewinnen ist wohl vorhanden. Immerhin winken dem Gesamtsieger vier dicke teure General Tire Reifen (ist übrigens eine Continental Tochter...)
Thomas langer Toyota gleitet sanft hinter uns her (im Vergleich zu uns eine Sänfte.
Leider biege ich vor einer Düne scharf in die falsche Richtung ab. Fahrfehler! Falsche Strecke ausgewählt. Die Dünen werden höher, die Löcher tiefer, krachbumm.
Thomas hat den besseren weg gewählt. Ich Idiot, mal wieder reine Selbstüberschätzung.
Egal, weiter. Thomas hat uns überholt. Grr, egal, krachbumm.
Irgendwann sind auch wir am Hügel. Ich hab noch einmal ordentlich Gummi gegeben. Heulend graben wir uns rauf. Wir rammen auf dem Berg fast den roten Mitsubishi von Thilos Gruppe, der als Zweitschiedsrichter dort oben steht und Kacheln gleich wieder runter. Thomas hat nun schon ca. 30 Sekunden Vorsprung. Eher mehr. Grr, egal!
Nichts wie hinterher. Offenbar unterschätzt er uns doch ein wenige. Jedenfalls fährt er sehr gemächlich. Er hat allerdings auch keine Chance, Uwe oder Robert einzuholen. Die beiden sind gerade beim Kopf an Kopf Endspurt...
Thomas und Peter kommen langsam im Ziel an. Wir haben noch einige 100 Meter vor uns.
Thomas wird langsamer, setzt zurück. Harhar. Auch ein Fahrfehler, Janet und ich wittern Morgenluft. Janet krallt sich fest, krachbumm - aua - egal.
Wir holen etwas auf, aber es reicht nicht. Wir kriegen ihn nicht mehr.
Mit ca. 15 Sekunden Vorsprung läuft auch Thomas im Ziel ein.
Wir sind die Vierten.
Immerhin: Uwes Team hat gesiegt. Robert ist zweiter, allerdings hat es sein Auto etwas zerlegt.
Er lieferte sich ein heißes Rennen beim Endspurt. Leider übersah er aber diese letzte Düne (war wohl eher: EGAL).
Er sprang ein gutes Stück, krachte auf den Boden. Allerdings hatte dann zwischenzeitlich  der Airbag gefeuert..., er kommt als zweiter ins Ziel, mit sterbendem Motor. (Mit Kopfschmerzen vermutlich auch). Uwe hat gesiegt. Trotz der Hightech Konkurrenz hat der bessere Weg den Ausschlag gegeben. Thomas ist Dritter. Er hat fast eine Minute Rückstand vor den beiden Ersten. Also so um die 7:20 Minuten. Die beiden Ersten liegen nur sechs Sekunden auseinander.
So um die 6:40 Minuten. Für drei Kilometer Luftlinie hin und zurück. Uff.
Wir kommen mit 7:35 ins Ziel. Hat Trekker gut gemacht. Ich allerdings hätte es besser machen können. Der Dritte Platz war uns sicher.
Nach uns kommt lange lange gar nichts. Wir fahren sogar noch zurück, schleppen Max aus einer etwas prekären Lage (er hat auch den falschen weg gewählt und das nicht zum ersten und letzten Mal ;-) und fahren zurück.
Noch immer ist niemand im Ziel. Aber nun kommen sie. Nach und nach trudeln die anderen ein. Alle ohne Schäden. Der schnellste liegt aber immer noch einige Minuten Hinter uns. Das gibt uns etwas Luft für das noch kommende Geschwindigkeitsrennen und nicht gerade die Land Rover Domäne, was?


Ausfälle und Schäden


Roberts Monster Mercedes springt nicht mehr an. Ob das den zweiten Preis wert war, wird sich wohl noch zeigen müssen. Uwe (als mondäner Sieger) schleppt ihn in die Oase. Er ist unser Mechanikermeister. Sein eigener Wagen hat außer einem verbogenen Unterfahrschutz keine Schäden davongetragen.
Am Brabus Mercedes ist vermutlich die Wegfahrsperre.
Nach einiger Zeit stellt sich heraus, daß alle drei Fahrzeuge vor uns leichte bis schwere Schäden davongetragen haben. Am schwersten hat es aber Robert erwischt.
Bei dem Sprung hat sich seine Karosserie um ca. 1 cm nach hinten versetzt. Die vier Haltepunkte sind zumindest verbogen, wenn nicht gerissen. Die Stoßdämpfer sind durchgeschlagen. Die Karosserie vermutlich verzogen. Der Gesamtschaden beläuft sich nach einem späteren Gutachten auf ca. DM 25.000,00!
Durch die Karosserieverschiebung hat sich sein Automatikschalthebel leicht versetzt. P ist sozusagen N, darum sprang er nicht mehr an. Außerdem hat er seinen bereits reparierten Reifen nun endgültig gekillt. Kopfweh wegen des Airbags hat er übrigens tatsächlich...

Bei Thomas funktioniert der vordere Allradantrieb und die Diffsperre nicht mehr. Seine Steckachse hat sich verschoben und etwas davon ist abgebrochen. Sie rutscht im Kreuzgelenk umher und verklemmt sich ab und an. Dadurch blockiert sie dann die Lenkung total.
Wir sind die Ersten die unbeschädigt ins Ziel gelangten. Ist ja auch was.
Das leichte quietschen im linken Vorderrad bei Belastung ist normal...
Merke: wenn Toyotas quietschen ist was er kaputt, ein Landy quietscht vor vergnügen... Die anderen Fahrzeuge sind auch alle unbeschädigt. Von einigen Beulen abgesehen. Nun fehlen noch zwei Teile vom Rennen. Ich denke, wir sind ziemlich Chancenlos. Aber mitmachen ist ja bekanntlich alles, gell.
Michael ist mit seinem 110er gar nicht erst gestartet. Wir haben schon wenig Motorleistung, aber sein Landy noch erheblich weniger mit seinen 70 PS. Trotzdem bin ich sicher, er hätte einen guten Platz belegen können.
Max gelangt als letzter völlig geknickt ins ziel... aber Frau und Freundin trösten  ihn, nachdem sie ihn ausgeschimpft haben. Halb so schlimm also.


Good day, sunshine...


Nun haben wir frei. Janet möchte noch Fahren zum Sonnen hinaus. Heute ist es etwas über 20° C warm und nicht sehr windig. Es sollte unser einziger richtiger Sonnentag werden. Außerdem sind meine Haare schon wieder drei Millimeter lang. Also ab damit.

Abbildung 38: 1mm Standardfrisur...

Danach erforschen wir die einheimische Fauna. Es ist erstaunlich viel los in der Wüste.
Wir finden Riesenameisen Bauten, silberne Rennameisen (eine neue Spezies? Falls ja soll sie unsere Namen tragen). Überall finden wir Pillendreher beim fressen.

Abbildung 39: Pillendreher achtern voraus beim Fressen

Jede Menge Wüstenfuchsspuren, Springmausspuren, Vogelspuren, Käferspuren usw.
Auch einige kleine Laufvögel treiben sich hier herum.
Also mächtig Betrieb hier. Ich Sonne mich noch etwas (kalter Wind jetzt, aber nur die hachten kommen in den Gachten) und dann fahren wir zurück ins Lager. Janet macht danach noch eine Spritztour allein und kommt zufrieden und heile zurück (Uffa). Zurück im Lager gibt es erst eine kurze Pause, dann wird dort wird abgerödelt für den morgendlichen Frühstart am nächsten Tag. Wir feiern eine kleine Punschparty bei Ronnies Zelt, kochen und essen und legen uns hin. Gute Nacht.


Abfahrt nach Douz durch die Dünen


Heute in der Früh war es nicht ganz so kalt. Wir hatten Gott sei dank schon unser Zweitzelt mit den Vorräten am warmen Vorabend eingepackt. So war es trocken und wir brauchten uns heute morgen nicht die Finger abfrieren, wie es einigen anderen passierte.
Heute morgen testet Thomas noch seine Dachtrommelwaschmaschine. Wir hatten in Matmata schon die schmutzige Mechanikerwaäsche hineingetan und die Trommel mit Waschmittel auf dem Autodach deponiert. Dann zwei Tage fahren und angeblich soll die Wäsche dann sauber sein. Um auch den Beweis führen zu können, hatten wir extra Fotos gemacht. Einmal vorher:

Abbildung 40: Der weiße Riese beim Begutachten

Und einmal halt nachher:

Das Ergebnis war ernüchternd. Zwar roch die Wäsche wieder frisch, die Öl- und Fettflecken waren aber immer noch drin. Also  Lösung wieder verworfen.
Einigermaßen pünktlich gegen 9:00 früh fahren wir dann los. Vorher habe ich noch einen Liter heiße Milch aufgetrieben. Morgens bekomme ich nämlich neuerdings Wadenkrämpfe. Das liegt garantiert an der Ernährung. Eindeutig zu wenig Magnesium. Es wird Zeit, wieder mehr Milch und Käse zu essen.
Endlich geht es los, raus in die Wüste in Richtung Douz. Wir fahren ca. 2 km Luftlinie im gut befahrbaren Sand und schon stecken trotzdem mehrere Fahrzeuge fest. Maxens Frontera hat öfter Probleme. Das liegt aber weniger am Wagen, es ist nämlich recht problemlos zu fahren. Max hat ein halt ein Faible für schlechte Wege wie es scheint. Es wird recht lange gebuddelt und irgendwann klappt's dann auch beim Frontera und nun haben wir freie Bahn mit Marzipan. Zwischendurch stecken wir auch einmal wegen extremer Schräglage fest, ist aber mit etwas buddeln beseitigt. Kleiner Fahrfehler meinerseits. Manchmal sind die Lichtverhältnisse wirklich schwierig und es ist kaum zu erkennen, wie Steil eine Düne ist. Ansonsten ist die Strecke aber sehr angenehm zu fahren, kleine Dünen und Verwehungen wechseln  sich mit Schotterpiste ab, die aber zumeist unter Wanderdünen begraben ist. Wir fahren ca. mit 40 km/h dahin. Es schaukelt im kurzen Defender wie bei einem Kamelritt, ist sehr sehr angenehm...Kurzerhand wird Keith Jarret mit seinem Köln Concert eingelegt. Nun ist das Optimum erreicht. Stilvoll klimpern wir durch die menschenleeren Dünen. Wunderbare Musik, wunderbare Landschaft. Good Vibes, auch ohne Gras!
Gegen mittag halten wir irgendwo in den Dünen so auf halber Strecke an und machen eine kurze Brotzeit (wie der Bazi sagt, mittlerweile rede ich selbst schon wie einer...).
Nach dem kurzen Essen gehe ich in die Dünen hinaus, die Stille genießen und etwas Tai Chi  machen. Schon nach 100 Metern ist nur noch der Wind zu hören. Herrliche Stille, herrliche Aussicht, wunderbare Farben. Es gibt keinen besseren Platz auf der Welt für diese Bewegungen!
Ich liebe die Farbe der Dünen. Alles ist Orangerot. Es ist zwar kühl, aber der Himmel ist strahlend blau.


Etwas Metaphysik


Bei genauem Hinsehen sind überall Käfer, Ameisen, Sandflöhe usw. unterwegs, „die Wüste lebt“ offensichtlich. Ich stelle mich auf einen Dünenkamm und beobachte die Wanderbewegung der Dünen (nicht zu verwechseln mit dem Liebesleben der gemeinen Steinlaus).
Das Ganze erinnert mich an eine riesige Sanduhr, die ganze Sahara ist wie eine einzige große Sanduhr, die immerfort die eigene Unendlichkeit mißt. (Mannomann)
Stück für Stück bewegt sie sich dabei weiter. Einförmig und nur vom Wind angetrieben.
Ich grübele, wie alt der Sand werden muß, um sich vollständig aufzulösen. Er ist bereits so unglaublich fein, das er bis in die Stratosphäre geblasen wird und dort die Welt umrundet. Selbst an den Polen kann man ihn finden (sagt mein Freund beim Alfred Wegener Institut...).
Täglich sinken 1000de Tonnen davon im Meer zu Boden.
Die Wüste beeinflußt das Aussehen der ganzen Welt. Langsam aber stetig. Ok ok, ich mache ja schon Schluß und suche mir einen unbeobachtbaren Platz tiefer in den Dünen. Noch mal die Fünf Elemente. Es ist herrlich, so allein diese Übungen zu machen. Unglaublich entspannend.
Ich beende nach 30 min. das Treiben und gehe ein wenig zurück zu den anderen und beobachte ein wenig deren Treiben. Ich kann gar nicht glauben, das nicht einer anderen (außer Janet...) der über 20 Personen mal allein ein paar Schritte in die Wüste hinausgeht. Höchstens zum Pinkeln...


Mehr Metaphysik?


Irgendwie scheint das bei den meisten Menschen selten anzutreffen sein, das mal jemand allein mit sich und der Welt sein will und damit auch zufrieden ist.
Schade. Ich glaube uns und besonders unseren Kindern gehen so einfache und grundsätzliche Dinge im Leben verloren. Wir verstehen ihren Wert gar nicht mehr. Genauso z.B. auch die Erfahrung, das gerade auf einer Urlaubsreise eigentlich der Weg schon das Ziel ist. An vielen Stellen fahren wir viel zu schnell vorbei um unsere geplante Route einhalten zu können. Pläne... Einige von uns scheinen vom Fahren schon nach 500 km genug zu haben. Wahrscheinlich, weil es kein täglich festgelegtes Ziel gibt. Alles dinge, die mir zu verstehen sehr schwer fallen. Manchmal wundere ich mich sehr darüber, das so selbstverständliche Dinge den Leuten so abhanden kommen. Das sich Menschen in der Wüste schminken, aber nicht daran denken Wasser mitzunehmen. Das niemand am Abend erst mal die Ausrüstung und den Wagen überprüft und den Lagerplatz baut. Das alle einfach so hintereinander her fahren.
Kaum jemand außer Janet, Thomas oder mir mal einen anderen Weg einschlägt und daran auch keinen Gedanken zu verschwenden scheint.
Aber nur so kann man doch lernen, auch mal andere und vor allem eigene Wege zu gehen. Ich glaube nicht, das dieses Desinteresse daran liegt, das man ein bestimmtes Alter erreicht hat. Bei mir ist eher das Gegenteil der Fall. Je länger ich diesen extrem schnellebigen Informatik Job mache, desto mehr interessiere ich mich für wichtigere Dinge als diesen selbstbezüglichen Unsinn. Diese Neugierde bleibt Janet und mir hoffentlich bis ans Lebensende erhalten. Jedenfalls hoffe ich das sehr.
Irgendwie ist es fast ein Zwang geworden, ausgetretene Pfade nicht weiter zu verfolgen. Außerdem mache ich gern meine Fehler selbst und für mich allein. Auch wenn ich vorher weiß, das es schief gehen kann und auch schief geht.
Erfahrung kann ich nur erfahren, wenn ich sie nachvollziehe. Darüber hören oder lesen ist zwar einfach und manchmal auch sinnvoll, aber nachvollziehen muß ich es trotzdem. Selbst wenn ich manchmal vorher das Ergebnis kenne. Der Weg ist auch hier das Ziel.


Spassekenmacher


Ab und zu mache ich mir den Spaß, wenn vor uns keine anderen Fahrzeuge aus unserer Truppe in Sicht sind, mal anders zu fahren als der eigentliche Pistenverlauf. Und nicht gerade auf der Optimalspur...
Alle uns nachfolgenden Wagen fahren exakt hinter mir her. Selbst wenn es eigentlich offensichtlicher Unsinn ist, weiter, unbequemer und umständlicher.
Mir fällt aber auch auf, daß nach jedem Mal weniger Fahrer(innen) darauf hereinfallen.
Anscheinend ist jeder irgendwann doch in der Lage, auch mal spontan eine Entscheidung für sich zu fällen, selbst wenn der Vorfahrer anders entschieden hat. Mit den Tagen nimmt dieser Trend immer mehr zu.
Finde ich erfreulich. Das gleiche ist mir auch bei Kindern in der Heimat aufgefallen. Sie sind dermaßen daran gewöhnt, das Andere für sie Entscheidungen, das ihnen der Sinn für eigene Verantwortung und vor allem für die Folgen des eigenen Handelns verloren gegangen oder zumindest verschüttet oder nie erlernt worden ist. Das ist sehr übel und nimmt sehr stark zu.
Das ist in meinen Augen schlimmer, als Menschen zu unterdrücken. Ihnen die Eigenverantwortung und Entscheidungsfähigkeit abzunehmen. In unserem Land ist dies in hohem Maße geschehen.
Es ist halt bequem. Es gibt für alles eine Versicherung. Ganz egal was es ist.
Die USA haben es uns vorgemacht, wir machen es nach. Es ist schade, das so wenige Menschen etwas dagegen zu tun imstande sind. Unsere Kinder können sich dagegen am wenigsten wehren, aber es ist unsere und nicht  ihre Schuld. Wir, die Erwachsenen tun ihnen das an. Da sieht man es mal wieder, ein wenig Sand und Stille und schon kommen geistige Höhenflüge. Will keinen weiter langweilen, also: Reisebericht!


Zurück zum Thema.


Irgendwann gelangen wir, nach langem Auf und Ab auf der Piste und nach einer Mittagspause irgendwann an das Desert Café.
Dort muß augenscheinlich ein obligatorisches Foto geschossen werden. Sozusagen zum Beweis, das wir tatsächlich dagewesen sind. Außerdem ist der Tee dort recht gut..., obwohl der Tee bei

In Bergdorf der Berber noch weit besser war.

Abbildung 41: Café im nirgendwo

An Thomas und Peters Toyota hat sich durch die Wellblechpiste ein permanenter Lenkschaden eingestellt. Lenken ist nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt in eine Richtung möglich. Wir haben Glück, daß der Schaden jetzt auf der geraden langen Strecke und nicht schon in den Dünen aufgetreten ist. Abschleppen ist nämlich dadurch auch nicht möglich. Ronnie und Uwe prüfen die Sache. Das Ergebnis ist, daß die angebrochene Achse mit dem Lenkgestänge am Reifen verhakt und so die Lenkung blockiert. (oder so ähnlich). Der Schaden so nicht zu beheben. Langsam zockeln wir also weiter nach Douz, immer wieder unterbrochen von kurzen Korrekturpausen, die Thomas benötigt, um wieder auf den rechten Weg zu kommen.


Pauschis in Douz


Irgendwann kommen wir in Douz im Hotel an. Eine ziemliche Touristenhochburg scheint dieser Ort am Rande der Wüste zu sein. Im Hotel ist mächtig Betrieb.
Es gibt hier tatsächlich Dünen-Hovercrafts zur Pauschibelustigung.
Ich fand die Quads in Ksar Ghirlane schon ziemlich kraß und nervig, aber dies ist der absolute Gipfel der Degeneration. Ignorieren fällt mir eh schon schwer genug.
Wir waschen zwei stunden Wäsche in der Dusche. Unsere wenigen Klamotten sind sehr verdreckt von Diesel, Fett, Sand und Salzmodder, Butter, Kaffee, Öl und Punsch. Glotter.
Danach gehen wir zum Essen. Das ganze gleicht aber mehr der Schlacht am kalten Buffett. Innerhalb kürzester Zeit ist die Schlange 50 Meter lang in Vierer Reihen... Gut das wir so dicht am Buffett sitzen. Läßt sich Super drängeln. Wir schaffen es mehrmals ohne Anstehen, die besten Stücke zu ergattern. Ach ja, Darwin hatte einfach recht, harhar.
Uwe und Ronnie haben Thomas Toyota nach Stunden soweit Fahrbereit gemacht, das die Lenkung wieder funktioniert. Die Achse ist allerdings hin, die Vorderradsperre ebenfalls. Beides muß später gewechselt werden. Thomas erzählte später was von 4.000,00 DM Schaden (zum Sonderpreis wohlgemerkt!).
Tja, der Preis des Dritten Platzes beim Rennen ist hoch...


Schrottpresse


Roberts Brabus mußte in Douz übrigens noch einmal leiden. Barbara hatte den Auspuff des Wagens an einem Betonsockel um einen halben Meter nach vorn verschoben, als sie beim Rückwärtsfahren nicht genau hin guckte. Aber das sind eher Peanuts zu dem, was der Wagen schon überstehen mußte. Die Winch von Ronnie, mittlerweile repariert, zieht es schon wieder gerade.
Die Tour forderte doch den einen oder anderen Hardwareschaden. Unsere Chancen beim Geschwindigkeitsrennen steigen immer mehr, wie es scheint.... Den dritten Teil des Rennens, den Fragebogen, haben wir perfekt ausgefüllt. Ich bin sicher, er ist fehlerfrei. Aber für den Satz Reifen reicht es garantiert nicht. Aber vielleicht ja doch ein Dritter Platz? Außerdem kann Janet sich mal austoben. Sie ist die perfekte Beifahrerin, aber selber fahren ist viel netter, selbst ohne Führerschein!
Das Essen hier im Pauschi-Tempel ist ganz nett, die Schlange ist allerdings inzwischen rund 80 Meter lang. Massenfütterung. Der Wein hier ist mit Abstand der Beste auf unserer Tour. Ein weicher würziger Pinot von 1987 für 15 Dinar. Diese Flasche wird nicht alt! (Die nächste auch nicht.)
Jetzt hocke ich an der Bar. Um mich herum Janet mit ihrem Dalei Lama Buch und ein Haufen Franzosen, die sich bestens über mich zu unterhalten scheinen. Ich verstehe nicht viel, aber ist auch Wurscht. Vermutlich liegt es an den kurzen Haaren oder dem Laptop, vielleicht auch an meinem etwas Hotel unüblichen Don Kosaken Outfit. (Wäsche ist halt in der Wäsche.). Egal.
So, die Truppe läuft auf. Uwe und Ronnie sehen auch wieder wie Menschen und nicht wie Monteure aus... Thomas Auto ist zumindest wieder fahrbereit. Jetzt wird noch etwas geschnackt und dann geht es vermutlich in die Kiste. Alle sind ganz schön geschlaucht. Aber jetzt, nach dem guten Essen ist das auch kein Wunder. Ich hoffe, alle haben die lange Schlange am Buffett genauso gut umgangen wie Janet. Sie hat mich jedenfalls schnell und bestens mit den Leckereien versorgt. Kleinheit kann auch Vorteile haben!
Mahlzeit.


Speedway


Heute Morgen ging es um 9:00 Uhr aus dem Hotel in Douz los. Wir verließen dann den Ort Richtung Nord-West zum Chott El Djerid.
Die Strecke war bis jetzt sehr schön und abwechslungsreich, nach Douz gibt es nun keine Dünen mehr, nur noch Schotterpiste.

Aber kein Wellblech, nur Wellen. Angenehm zu fahren, fast wie Achterbahn oder Segeln. Wir dümpeln so mit max. 40 km/h dahin. Es staubt mächtig und wir halten großen Abstand. Alles verläuft ereignislos.

Keine Schäden, kurze Mittagspause, den üblichen Streit über den optimalen frauen freundlichen Pinkelplatz (den ein Mann unmöglich finden kann). Ich weiß wovon ich Rede, ich habe es vier Wochen lang versucht und nur harsche Kritik und Ärger geerntet.
Danach kommen wir an eine Sandpiste, eben wie ein Tablett. Dort entscheidet Ronnie, soll das Geschwindigkeitsrennen starten.

Abbildung 42: Wackerer Serie III mit Besatzung

Die Strecke wird am Endpunkt mit Fahnen gekennzeichnet. Thilo mit seinem Mitsubishi Team steht dort als Streckenposten. Sie nehmen nicht am Wettbewerb teil und sind sozusagen Kurvenschiedsrichter.
Die Strecke ist rund 700 Meter lang. Dann muß mächtig gebremst und gewendet werden, um zurück zu fahren. Auf diese Art können unsere PS Boliden nicht allzu weit voraus fahren.

Abbildung 43: Seidener Schattenspender?

Fast überall fahren nun die Frauen, nachdem die Männer das Offroad-Rennen gefahren sind. Janet ist nun gefordert.
Der schnellste ist natürlich der Brabus Mercedes mit seinen 270 Pferdestärken.
Er braucht rund 52,6 Sekunden. Eigentlich gar nicht so schnell. Alle anderen liegen zwar darüber, aber teils sehr knapp. Das Feld liegt fast komplett zwischen 53 und 58 Sekunden. Ausnahmen sind Thomas Toyota (der ruhige Peter fährt halt...) und Janet und Trekker. Wir sind mit Abstand die langsamsten.

Landys sind halt keine Rennwagen. Außerdem ist Janet nicht geübt im Auto fahren. Teilweise muß ich schalten, weil sie die Gänge nicht richtig einlegt. Aber das merkt ja keiner...
Wir brauchen 1:15 min., behalten aber immer noch unseren vierten Platz.
Überholen kann uns keiner mehr, da der Abstand zum nächsten mehrere Minuten(!)
beträgt. Wir können uns nur verbessern auf den dritten Rang. Allerdings nur noch durch ein wunder.
Nach dem Rennen fahre ich die Strecke auch einmal. Der Wagen ist total beladen und ich brauche 1:02 Minuten. Also nur unwesentlich weniger als Janet aber doch schnell genug, um zu bemerken, das der Landy auch in diesem Zustand gar nicht so lahm ist.
Nach gut 1 Stunde fahren wir alle weiter zum Chott. Wir fahren diesmal am Außenrand entlang und nicht komplett über die Rommelpiste.

Abbildung 44: Verlassene Bohrstelle am Chottrand

Im Chott trägt der Boden diesmal ganz gut. Zwar ziehen wir ganz schöne Furchen und der Matsch fliegt meterweit, aber wir können mit gut 100 km/h hinüberheizen. Thomas und ich tun das auch. Der Rest kommt nach. Einige werden zwischendurch allerdings von Ihrer Hinterachse überholt. Tja, permanenter Allrad kann Dinge auch vereinfachen.

Abbildung 45: Elisabeths Sonnenbad mit Nickerchen

Nach dem Chott sind wir wieder auf der Straße nach Tozeur. Wir fahren noch eine halbe Stunde und sind wieder in unserem Hotel. Dies ist unser letzter Abend mit unserer Gruppe. Morgen trennen sich unsere Wege. Die Gruppe fährt weiter nach Norden Richtung Sidi Bou Said und Karthago, Janet und ich fahren nach Nordosten zur Libyschen Grenze, denn übermorgen sind wir in Ghadames mit Milan und Manfred mit Ihrem Tatra verabredet. Wir verbringen noch einen Abend mit der Gruppe. Inzwischen haben wir uns tatsächlich an die Truppe und das Konvoifahren gewöhnt. Es war für meine Verhältnisse schon sehr luxuriös und hätte oft ruhig rustikaler zugehen können. Aber wunderschön war es allemal. Inzwischen sind uns echt alle ans Herz gewachsen. Fast ungern gehen wir Abends zu Bett, denn morgen winkt der Abschied.
Janet und ich trennen uns von der Gruppe um allein nach Libyen weiterzufahren. Tunesien war sozusagen zum üben gedacht. Wir haben noch zwei lange schöne Wochen vor uns und es wird verdammt nett!


Tschüühüs


Leider vergessen wir nach unserer super guten Nachtruhe, Ronnie den ausgefüllten Fragebogen auszuhändigen. So muß das Ergebnis des Rennens ohne uns bekannt gegeben werden. Aber ich bin sicher, wir bekommen den dritten Platz weil wir keine Fehler auf dem Bogen haben. Mal sehen...
In zweieinhalb Wochen sind wir wieder zurück und ich werde den Fragebogen zu Ronnie schicken, denn das Ergebnis interessiert uns schon.
Mittlerweile haben wir uns für den März schon auf ein Nachtreffen geeinigt. Dort werden dann Bilder und Geschichten ausgetauscht. Die nächsten drei Touren stehen schon fest für Janet und mich. Erst zwei Wochen Wales mit der Enduro, dann vier Wochen Island Offroad und nächstes Jahr mit dem Kanadier den Yukon hinauf. Vielleicht wird das Reisetagebuch Schreiben ja zu einer Angewohnheit. Letztendlich hat sich der Riesenaufwand für diesen Text (eher ja schon Buch) auf jeden Fall gelohnt. Warum also nicht immer machen?
In diesem Sinne bis bald vielleicht.
Inzwischen schreibe ich weiter am Libyen Bericht. In einigen Wochen (an dieser Stelle?) geht es dann weiter!

Abbildung 46: Ein Blick zurück...bei Bodenfrost

Bis dann, S’alam und Adieu!

Jörg

Besitzanspruch...

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 Hannover, im März 2000

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