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Patagonien war unser großer Traum. Wir erfüllten ihn uns 1999. Es war mit Abstand die beeindruckendste und schönste, allerdings auch weit teuerste Reise bisher.
Wir mieteten für extrem viel Geld einen Toyota Pickup. Der Flug ging nach Santiago de Chile und dann weiter mit einem Inlandsflieger nach Bariloche. Von dort dann per Taxi zum Mietwagenverleih nach Puerto Montt. Leider war das versprochene (und gemietete) allradfähige Wohnmobil angeblich gestohlen worden. Es stand nur ein Frontgetriebener Toyota Pickup zur Verfügung. Ohne jeden Ausbau, ohne Werkzeug, ohne Reservereifen. Aber alles in allem in recht gutem Zustand. Zähneknirschend handelten wir also den Preis herunter und machten uns nur mit Zelt, Schlafsack und Campinggerödel auf den Weg in das stürmischste Land der Erde...
Chile ist unglaublich langgestreckt und zerklüftet. Es gibt nur eine Piste, die sehr weit in den Süden führt, jedoch irgendwann endet. Dort geht es nur noch mit einer Autofähre durch die extrem stürmischen Kordilleren. Die Landschaft und unglaublich schön und extrem dünn besiedelt. Wasser ist kein Problem, aber Nahnrung, gute Karten, Benzin sind schwer zu finden. Auch einige Ersatzreifen sind ein unbedingtes Muss. Reifenpannen sind die Regel! Aber es gibt viele gute Vulkanisados in jedem ORt, die einem gern für wenige Dollars weiterhelfen.
Reiseschecks im Süden sind oft nur schwer einzulösen, besonders die von Thomas Cook. Teils vergingen Tage, bis wir irgendwo welche eingelöst bekamen. Und innerhalb der Banken vergingen schon mal 2 Stunden mit 6 Mitarbeitern, 5 Formularen und 8 Stempeln. Ds gleiche Problem gibts auch beim Tanken. Man sollte unbedingt JEDE Möglichkeit zu Tanken nutzen, das nächste Spritfass ist garaniert mind. 500km entfernt! Diesel kann man ganz vergessen, weil LKW dort praktsich nicht fahren. Das Land ist quasi unbesiedelt, ca. alle 500 km kommt ein winziger Ort. Dort findet sich meisten ein Benzinfass und ein Bäcker mit einer Handpumpe. JEDE Gelegenheit zum Tanken muss also wahrgenommen werden.
Irgendwann überquert man die Anden und ist in Argentinien. Es geht wochenlang immer weiter südlich. Vorbei an unglaublich spektakulären Nationalparks, Gebirgen, Gletschern, Eisbergen, Wüsten und Pampa.
Argentienien hat mir weniger gefallen. Im Süden war es noch sehr nett, aber auf dem Weg nach Norden an der Westküste wird es schwierig, unbehelligte Schlafplätze zu finden. Wir wurden oft von Gauchos verjagt, obwohl im Umkreis von 1000 Kilometern nichts ist ausser Schafe und Zäune. Das ganze Land ist eingezäunt. Buenos Aires ist laut und unfreundlich. Kein Vergleich zu Santiago und Chile an sich.
De Argentinier haben wir in ziemlich schlechter Erinnerung behalten, als laut, unfreundlich, ziemlich arrogant und wenig hilfsbereit. Tut mir wirklich leid, so ein Urteil zu fällen, aber viele Freunde haben es uns bestätigt und unsere Erfarhungen haben wir gemacht, sowohl in der Pampa, in Nationalparks als auch in Buenos Aires, Resturants und Banken. Seit dem wirtschaftlichen Abschwung soll es gar noch viel schlimmer geworden sein...
Aber Patagonien ist unglaublich schön, wild und stürmisch. Jeden Tag 24 Stunden 7 Tage die Woche Sturm um Stärke 6-10. Zeltaufbauen und Feuer machen wird zu einer wahren Kunst und jedes mal weiter perfektioniert! Mein Zelt flog mir ungezählte Male davon. Das Wetter im Sommer ist sehr durchwachsen, im Winter ist es absoluter Horror, wegen extremen Windchillfaktor.
Die Nationalparks sind so groß wie Norddeutschland und menschenleer. Man kann wochenlang wandern. Das Wasser der Seen, Bäche und Flüße ist immer eiskalt und sofort trinkbar. Alles wächst in eine Richtung. Selbst der Boden wird durch den Strum abgetragen in riesigen Wolken.
Man findet Schwertwale, Seeleoparden, Pinguine zu millionen, Guanakos, Gürteltiere und riesige Kondore am Himmel.
Unser Auto war nach den 5 Wochen allerdings schrottreif. Darum war auch die Miete so teuer. Mit 120 km/h über Wellblechpisten zu rattern killt auch einen Toyota irgendwann. Wir hatten kaputte Frontscheiben, kaputte Scheinwerfer, gebrochene Stoßdämpfer, fuhren uns fest, hatten diverse Reifenpannen. Aber es war unglaublich wunderbar.
Wir wanderten am Cerro Torre, sahen gigantische Gletschermit ewig hohen Eiswänden, senkrechte Felszinnen, fast unbezwingbar. Befuhren Seen mit himmelblauen Eisbergen. Sahen Steine durch die Luft fliegen, nur getrieben vom Wind.
Also, immer schön den Daumen auf die Frontscheibe bei Gegenverkehr und viel Spass bei den Fotos!
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