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Y2K
Oder
Nass in Mandara
und
matt in Matmata
Der Geschichte 2. Teil
1. Tag (3. Januar 2000)
Heute morgen standen wir schon gegen 6:30 auf. Es wird wohl für die nächsten Wochen unser letzter Hotelaufenthalt sein. Vorher nehmen wir also noch einmal eine lange Dusche und ich brauche auch dringend mal wieder eine Rasur...
Das Frühstück ist so wie immer, Grauenhaft (siehe Tunesien-Reisetagebuch).
Nach dem Frühstück wird gepackt und nun steht wohl unser Abschied von der Gruppe an. Zwei Wochen haben wir insgesamt miteinander verbracht. Für die anderen ist in drei Tagen Rückreise angesagt, unser Urlaub dürfte nun wohl erst so richtig losgehen, schätze ich.
Alles in allem war es eine wunderbare Zeit (wenn auch kalt). Wir haben uns sogar an das Kolonnen fahren gewöhnt. Obwohl dies so ziemlich das erste mal war, wo wir in einer Gruppe gereist sind, hat es eigentlich gut geklappt. Alle miteinander waren schon sehr nett. Eigentlich gibt es gar nichts negatives zu berichten.
Trotz allem sind wir aber auch ganz glücklich, jetzt unseres eigenen Weges ziehen zu können. Es war ja ganz bequem, sich in organisatorischen, navigatorischen und technischen Dingen sich auf Ronnie fachkundigen Rat verlassen zu können, aber eigene Wege zu suchen ist schon netter.
Wir treffen uns also zum Abschied nehmen auf dem Hotelparkplatz in Douz. Die anderen fahren jetzt nach Norden, Richtung Carthage und Sidi Bou Said. Wir dagegen fahren erst wieder durchs Chott el Djerid und dann nach Nord-Osten Richtung Ras Djebir.
Ein wenig Traurig ist der Abschied tatsächlich, aber wir haben uns schon auf ein Nachtreffen geeinigt, um Bilder und Geschichten auszutauschen, ergo ist es halb so schlimm.
Ronnie möchte meinen Reisebericht haben, die anderen interessieren sich für die CD die ich von beiden Reisen anfertigen werde. Wir wiederum sind ebenfalls an Bildern etc. interessiert. Ein Wiedersehen ist also vorprogrammiert.
Der Tag verläuft recht belanglos. Wir fahren über die Rommelpiste nach Gabes und dann Richtung Mittelmeer und Libysche Grenze. Dabei kommen wir durch Kebili, wo wir uns noch einmal mit Lebensmitteln (Obst, Gemüse und Wasser) eindecken. Wir haben nun Verpflegung und Wasser für locker 10 Tage an Bord. Der Landy ist voll bis unters Dach.
Während der recht langweiligen Fahrt lasse ich noch einmal die letzten beiden Wochen Revue passieren. Mache ich öfter, selbst wenn ich in Deutschland bin, das hilft das oft gegen den Zivilisationskoller. Außerdem vergesse ich dadurch weniger oder zumindest später die eine oder andere Begebenheit. Genau dies ist ja auch der Grund für diesen Reisebericht.
Wir sind so gegen 17:00 Uhr in Grenznähe in einen Olivenhain gefahren. Wir wollten nicht bei Dunkelheit die Grenze überqueren. Außerdem ist es sicher besser, morgens der Erste als Abends der Letzte an einem Grenzübergang zu sein. Diese Erfahrung habe ich allein in der ehem. DDR sehr oft machen müssen. Hier wird es sicher nicht anders sein, noch dazu, wo die Grenzer sicherlich vom Rhamadan genervt sind.
Wir sitzen also zwischen den Olivenbäumen in der Dunkelheit. Haben kurz gekocht und sind wegen der Kälte dann so gegen 18:00 (!) Uhr ins Zelt gekrochen. Knacken ist schon was feines. Außerdem können wir morgen dann früh los.
Ich denke noch darüber nach, ob die tunesischen Straßenhändler uns sehr beschissen haben. Wir hatten kurz vorher auf den letzten Drücker noch Libysche Dinar getauscht. Nahezu 1:1 zur DM.
Ich glaube, es war eine gute Idee, nicht die erst beste Gelegenheit zum Tauschen wahrzunehmen, sondern bis fast direkt vor der Grenze zu warten. Tauschen wäre schon 100 km früher möglich gewesen.
Außerdem ist es nicht unschlau, bei verschiedenen Leuten immer mal kleinere Summen in verschiedenen Währungen zu tauschen, um halt nicht gleich den finalen Fehler beim Tauschen zu begehen. Spaß macht es ja außerdem auch.
Jetzt kann man sich natürlich darüber streiten, ob frühes oder spätes Tauschen cleverer ist. Aber ich glaube, wir haben einen ganz guten Schnitt gemacht. Am idealsten hat sich herausgestellt ist, franz. Franc gegen libysche. Dinar zu tauschen. Der Kurs hört sich horrend an, ist aber besser, als Dollar oder DM oder tun. Dinar gegen libysche Währung zu tauschen. Weiß der Teufel, warum. Jedenfalls ist ein Taschenrechner dabei ein muß! Er vereinfacht nicht nur das Rechnen, sondern auch die Verständigung. Immerhin sprechen wir kein Französisch. Mit Spanisch und Englisch kommt man hier nicht weit. Eher noch mit Deutsch. In Libyen wird sich das wohl eher verschlimmern, weil auch keiner mehr Deutsch redet. Aber dafür ist Englisch vielleicht etwas mehr verbreitet? Vermutlich aber wohl eher Italienisch, und das ähnelt ja dem Spanischen...
Über all diese Überlegungen sind wir dann trotz der Kälte in tiefen Schlummer versunken und morgens um sieben werden wir fit wie die Turnschuhe sein!
Ach so, ich habe heute sogar noch einmal kurz in Germanskiland angerufen. Kurzzeitig stand mal die Verbindung. Wird sicher die letzte Gelegenheit sein. Ich hatte als alter EDVer eigentlich gehofft, die Welt würde im Y2K-Chaos und Anarchie versinken. Leider ist dies nicht geschehen. Schade eigentlich, hätte mir gut gefallen, wenn alle plötzlich gleich geworden wären, weil weltweit alle Schuldenkonten gelöscht worden sind...
2. Tag (4. Januar 2000)
In der Nähe von Ben Guerdane sind wir so gegen 8:00 gestartet. Die Nacht verlief wie immer sehr ruhig und sehr kalt. Die Standheizung will mal wieder nicht. Ich schätze, ich sollte mal den Dieselfilter austauschen, der Wagen springt nach kalten Nächten im Moment immer extrem schlecht an.
Wir starten heute mal ohne Frühstück, schließlich wollen wir möglichst früh am Grenzübergang sein.
Nach ca. einer Stunde sind wir dann auch schon da. Auf tunesischer Seite werden wir einfach nur durch gewunken. Keine Kontrollen, nicht mal die Pässe mußten gezeigt werden.
Auf libyscher Seite wurde es dann doch schon komplizierter. Es stehen nur wenige Fahrzeuge da, insofern haben wir Glück, Die Grenzer sind noch ziemlich gut gelaunt und recht freundlich. Wie immer eine gute Idee, morgens zu den Ersten zu gehören.
Wir bekommen einige Pappendeckel mit arabischen Schriftzeichen in die Hand gedrückt. Vermutlich handelt es sich um die bereits bekannten Zollerklärungen. Sie stimmen mit den tunesischen fast überein. Also vergleichen wir einfach die arabischen Schriftzeichen miteinander und identifizieren so, was in welche Felder eingetragen werden soll. Leider ist kein fremdsprachen fähiger Zöllner anwesend. Außer arabisch wird hier keine andere Sprache gesprochen, wie es scheint. Trotzdem verständigen wir uns mit Händen und Füßen in Bezug auf die Papiere mit einem Grenzer und es klappt sogar einigermaßen. Tja, mit dem berühmten Göttler wäre das nicht passiert. Ich glaube, in dem Buch sind Hardcopies und Vorgehensweise genau beschrieben. Da es uns aber immer zu langweilig ist, nur anderer Leute Informationen nach zu kauen, haben wir eigentlich nie den Nerv, mit Reiseberichten und ähnlichen Leitfäden zu Reisen. Wir haben uns nicht mal GPS Koordinaten und Detailkarten besorgt. Die Erfahrung hat gezeigt, das dies den Spaßfaktor manchmal maximiert, auch wenn es oft schwieriger und manchmal auch stressiger ist.
Beim ausfüllen der Papiere hatten wir Gelegenheit, die vor uns stehenden Tunesier zu beobachten. Offenbar fahren sie täglich zum Schmuggeln über die Grenze. Faszinierend, wie ähnlich die Verstecke überall waren. Allerdings waren die Zöllner recht fit. Zentnerweise wurden Spaghetti (!) Sichergestellt. Bei der Ausreise wird dann Zentnerweise Tee sichergestellt. Benzin können Sie ja nicht beschlagnahmen, weil sich das im Autotank befindet, ehe die Tunesier es zu Hause dann abpumpen und wieder verkaufen...
Die clevereren unter den Schmugglern nahmen einfach Ihre ganze Familie (Frauen!) mit. Die älteren unter den Frauen waren schon von Haus aus sehr füllig. Es viel also nicht auf, wenn Sie sich noch einige Kilo Spaghetti oder Tee (je nach Richtung) um den Bauch banden. In den weiten Gewändern sind die Sachen absolut unauffindbar! Außerdem waren Sie manchmal auch gar nicht in der Lage, bei Aufforderung den Wagen zu verlassen. Jedenfalls nicht ohne fremde Hilfe und darauf hatten die Zöllner dann doch keinen Bock. Ich Wette, die relativ kleinen Mengen an gefunden Nudeln waren eher als Baghschisch gedacht, um das Selbstwertgefühl der Zöllner zu steigern und hatten weniger mit der Unfähigkeit der Schmuggler zu tun.
Jedenfalls wurde niemand irgendwie belästigt, nur weil er Schmuggelte. Es wurde ein wenig gebrüllt und die Ware ging in den Besitz der Zöllner über. Das war es und alle waren glücklich und fuhren ihres Weges. Schon ganz lustig. Trotzdem war mir etwas mulmig. Immerhin hatten wir Teppiche und Wein und Schweinefleisch und frische Lebensmittel dabei. In den USA wird einem das Zeug schon abgenommen, wenn man nur innerhalb des Landes den Bundesstaat wechselt. Hier war davon jedoch keine Rede. Wir mußten nicht eine Autotür öffnen.
Nach all der Schreiberei war es nun an der Zeit, die Versicherung, das Carnet de Passage und die Kfz-Kennzeichen zu besorgen. Bislang war erst eine Stunde vergangen und wir waren schon recht weit. Die Tatsache, daß mein Reisepaß fast abgelaufen war und viele USA Stempel enthielt, war offenbar egal. Für Notfälle hatte ich noch zwei weitere Reisepässe dabei, aber die waren nie nötig.
Es war etwas schwierig, am Grenzübergang all die Gebäude zu finden, in die man hinein muß, um alle Papiere und Rechnungen bezahlen zu können. Es vergingen darüber noch einmal ca. 3 Stunden.
Alles in allem eigentlich recht entspannt und easy going. Kein Streß, lediglich über Kilometergeld sollten man sich Gedanken machen.
Die Kennzeichen und die Versicherung kosteten uns insgesamt (mit Carnet) runde 400,00 DM. Recht happig, aber in Anbetracht der Tatsache, wie billig der restliche Urlaub verlaufen sollte, durchaus annehmbar.
Die Leute in den Warteschlangen (inzwischen war es voller geworden) waren durchweg freundlich. Oft wurden wir gezwungen, vorgelassen zu werden. Insgesamt war es ein lehrreiches Erlebnis. Die Rückreise würde erheblich schneller und einfacher vonstatten gehen, jetzt wissen wir ja, wie der Hase läuft.
Der ganze Vorgang ist recht harmlos. Halt bürokratisch und absolut umständlich. Manchmal auch etwas Chaotisch, aber alles in allem erträglich. Ich entsinne mich noch an den Grenzübergang Worbis ins andere Deutschland. Das war immer eine ganz andere Nummer und dauerte oft länger und war unglaublich unangenehm und erniedrigend. Naja, anderes Thema..., ist ja jetzt eh gegessen. Trotzdem, an der Grenzerin von damals würde ich mich gerne rächen wollen. Ich hatte immer die gleiche Grenzer-Tante und jedesmal nahm sie mich so vollständig auseinander. Ich habe sie gehaßt. Ich hasse sie noch heute. Hoffentlich treffe ich sie noch einmal wieder, das Gesicht werde ich NIE vergessen, dann hau ich Ihr aufs Maul, grrrr.
Nach der Grenze fuhren wir dann noch etwa 10 Kilometer und bogen dann in Richtung Meer ab.
Wir fuhren an den Strand, versackten dort, fuhren ein wenig zurück und packten erst mal unser Auto um. Danach gönnten wir uns dann endlich ein ausgiebiges Frühstück. Das Dachzelt brachte ich bei der Gelegenheit dann auch gleich noch etwas optimaler an und wir fuhren dann weiter.
Im nächsten Ort tankten wir dann voll. Jetzt wurden auch zum ersten Mal alle Kanister voll gemacht. Am Seitenhalter hängen 3x20 Liter und auf dem Dach ebenfalls noch 2x20 Liter. Damit hatten wir 100 Liter in Kanistern sowie noch einmal 100 Liter in den beiden Tanks des Rovers. 200 Liter Diesel bei 12-14 Liter Verbrauch auf der Straße entspricht also einer Reichweite von Rund 1500 km. Im Sand dürften wir bei rund doppeltem Verbrauch noch immer gute 700 km schaffen. Für Libyen mehr als ausreichend.
Zusammen mit unseren Lebensmitteln und ein-Mann-Rationen und den 100 Litern Wasser dürften wir relativ lange autark sein. Bei der derzeitigen Kälte in der Wüste sollten 3 Liter Wasser am Tag ausreichend sein. Bei längeren Fußmärschen vielleicht max. 5 Liter. 100 Liter durch 5 sind 20 Tage geteilt durch zwei Personen sind 10 Tage. Gutes Gefühl, auf niemanden angewiesen zu sein. Außerdem hatten wir noch eine Wasser Notreserve in der Scheibenwaschanlage. Aber solange es hier nicht heißer als 15-20 ° C am Tag wird, dürfte das wohl alles überflüssig sein.
Der Sprit war übrigens unglaublich billig. Hier in Grenznähe zahlten wir ca. 10 Pf pro Liter. Später sollte es noch rund 40% billiger werden.
Im über nächsten Ort ging es dann Richtung Süden ab. Wir fuhren noch ca. 250 Kilometer auf guter Asphaltstraße bis wir in die Nähe von Nalut kamen. Diese Stadt steht auf einem Gebirgszug und im Abendlicht war sie grandios anzuschauen. Wie ein Scherenschnitt vor dem dunklen Himmel. Die Serpentinenstraße den Berg hinauf erlaubt sehr schöne Ausblicke in die Canyons und ins Tal. Wir schossen einige Bilder und fuhren in die Stadt hinein. Wir mußten bald einen Platz zum übernachten finden, es dämmerte bereits. Wir durchfuhren die Stadt bis zu einem großen Kreisel Dort fuhren wir dann leider erst einmal in die falsche Richtung. Nach gut 15 Minuten kamen wir am Stadtrand an, Müll allerorten. Leider hörte die Straße dort auf und die Berge fielen steil ab. Offensichtlich waren wir hier verkehrt. Also umkehren. Leider wurde es immer dunkler. Trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen, an dem Kreisel nun endlich eins von den überlebensgroßen Ghadafi-Schildern (Handgemalt) zu fotografieren. Sie begegneten uns überall und oft. Sie sind teils wirklich sehr schön. Man mag zu Ghadafi stehen wie man will, ich persönlich finde ihn jedenfalls durchaus sympathisch. Außerdem ist er recht schlagfertig und sein grünes Buch ist zwar eigentlich nichts besonderes, aber es gefällt mir trotz allem. In seinen Interviews finde ich zum Schluß immer so nett, das er allen Zuschauern wünscht, die Ketten des amerikanischen Imperialismus endlich abzuwerfen. Ehrlich gesagt teile ich seine Meinung manchmal durchaus. Wie auch immer, diese riesigen Schilder sind einfach Klasse! Ghadafi in Uniform, Ghadafi als Berber, Ghadafi als Oberst, Ghadafi im Anzug, Ghadafi im Umhang, Ghadafi in Hemdsärmeln, Ghadafi mit Sonnenbrille, Ghadafi mit Kindern...
Tausendmal besser als diese drögen Honnie Bilder, die man aus alten Zeiten immer in den Kneipen an der Wand hängen hatte.
Nach dem Foto fanden wir dann auch die Einzige andere Ausfahrt aus der Stadt. Mittlerweile wurde es nun dunkel. Wir fuhren noch einige Kilometer um ein wenige Abstand zu dem frisch ausgebrannten Diesellaster zu haben, der am Straßenrand noch vor sich hin rußte. Dann bogen wir von der Straße einfach in einen kleinen gut geschützten Olivenhain ein.
Janet kochte, ich baute das Zelt auf und sammelte Feuerholz. Diese Vorgehensweise behielten wir eigentlich die ganzen vier Wochen großenteils bei. Ab und an kochte ich auch mal mit, aber der Schwerpunkt oblag doch Janet. Harhar, scheint wohl tatsächlich eine normale Rollenverteilung zu sein. Jedenfalls kamen wir beide super damit klar. Außerdem hätten wir auch kein Problem gehabt, die Rollen zu tauschen.
In Nalut gibt es übrigens, wie oft auch in anderen Städten, eine verfallene Berber Burg am Stadtrand. Diese Bauten sind sehr faszinierend und wenn sich so ein Teil mal findet, sollte man unbedingt mal auf Erkundung gehen. Wir haben das leider zu selten getan. Irgendwann war es gänzlich dunkel, aber wir hatten ein schönes wärmendes Feuer und heißen Apfelwein. Leider ist Janet nicht gerade ein Fan davon. Ich bin weiß Gott kein Hesse, aber das Zeug ist Klasse, genau wie Handkäs mit Musik und Schneegestöber. Im übrigens hatten wir sogar ein Schweizer Fondue dabei (allerdings ohne Set...). Janet und ich bevorzugen eindeutig die internationale Küche. Und davon in der Regel die sehr ausgefallenen Dinge. In erster Linie alles, was streng riecht und schrecklich aussieht. Meist schmeckt es auch entsprechend. Mir ist oft aufgefallen, das sich die Eßgewohnheiten im Laufe der Zeit doch sehr ändern. Ich finde außerdem, das sie sich dabei laufend verbessern und immer internationaler und vermischter werden. Das ist ein Klasse Vorgang und grundsätzlich begrüßen wir beide ihn sehr.
Wir bringen dadurch faszinierende kulinarische Effekte zustande. Allerdings treffen wir häufig Leute, die doch sehr konservative Ansichten in bezug auf die Nahrungsaufnahme haben. Ehrlich gesagt, dann bleibt mehr für mich übrig und das ist ok...
Die Nacht war angenehm, weil wir uns lange am Feuer wärmen konnten. Außerdem habe ich endlich die ultimative Drainage Lösung für kalte Dachzelt Nächte und faule Männer entdeckt. Janet hat das feminine Pendant diesbezüglich bereits vor zwei Wochen entwickelt. Allerdings bevorzuge ich meine Lösung eindeutig, weil ich dabei liegenbleiben kann... Bei ernstgemeintem Interesse bin ich gerne bereit, die absolute Kalte-Nacht-Dachzelt-Pinkel-Lösung-für-Mann-und-Frau zu posten: joerg.scheffler@networks-hannover.de
Durch diese fundamental wichtige Entwicklung ersparten wir uns viele nächtliche Klettertouren vom Auto und die anschließende schreckliche Rückkehr in den nunmehr eiskalten Schlafsack!
3. Tag (5. Januar 2000)
Heute morgen ging es nach ausgiebigen Frühstück weiter in Richtung Ghadames. Wir
wollten ja unsere beiden Begleiter Milan und Manfred finden. Mit den beiden hatte ich mich via Internet in Ghadames verabredet. Wir waren zur selben Zeit ziemlich am selben Ort und hatten auch grob die gleichen Routen vor, wobei unsere eigentlich sowieso nie genau festgelegt war. Der Weg ist halt das Ziel. Die Fahrt dahin führte uns über Darj. Gegen Abend kamen wir dort an. Wir waren ca. 350 km Straße bis dahin gefahren. Teils war die Straße zum Ende hin schon unter einigen Dünen begraben und an den Seiten erstreckten sich schon die ersten großen Sand- und Dünenfelder. In Darj an der Tankstelle wurden wir dann von zwei Endurofahrern angesprochen: „Seid ihr Jörg und Janet?“, „Ja, woher ...?“, „Manfred und Milan haben uns von Euch erzählt. Sie warten in Ghadames auf Euch, wir sind Alex und Ralf und fahren auch mit.“...
„Da hinten am Café hängt übrigens ein Zettel für Euch...“. Tja, die Welt ist doch ein Dorf.
Auf dem Zettel stand weiter nix neues. Wir wollten also noch die hundert Kilometer nach Ghadames fahren. Die beiden mit dem Tatra sind nur 40 Minuten vor uns gestartet. Wir hatten also gute Chancen, sie noch einzuholen. Die beiden Endurofahrer wollten in Darj auf uns warten und dann gemeinsam mit uns weiter in die Wüste fahren. Gesagt, getan. Ich tankte noch eben voll, hielt die Tankwarte davon ab, meine Handschuhe, meine Schuhe, meine Armbanduhr, meine Weste und mein Auto geschenkt zu bekommen und dann machten wir uns an den letzten Weg.
Nach gut 1,5 Stunden kamen wir in Ghadames an. Wir fanden auch prompt an einem Café den alten Tatra, der absolut unmöglich zu übersehen war. Manfred und Milan waren gerade in Verhandlung mit einem Führer. Wir handelten mit, teilten den nun neuen Preis durch vier und machten uns auf den Weg in die verlassene Altstadt von Ghadames. Vier Wochen vorher war im Fernsehen noch eine gute Dokumentation über genau diesen Ort, wir waren gespannt.
Die Stadt ist schon außergewöhnlich. Früher war sie sehr Reich, weil sie an einem alten Karawanen Weg liegt. Dort wurden viele Waren umgeschlagen und das sieht man der Stadt heute noch an.
Die Häuser sind zwar nicht mehr bewohnt, die alten Eigentümer leben nun in der Neustadt. Trotzdem besitzt jeder von Ihnen aus traditionellen Gründen noch eine Wohnung in der Altstadt und pflegt sie auch meist. Ghadames wurde von der UNO zum Welt Kulturerbe erhoben und wegen der Touristen läßt sich damit auch recht gut Geld verdienen, denke ich. Die Führung war jedenfalls großartig. Mohammed, unser Führer sprach gut Englisch. Für Milan, den Tschechen (oder Slowaken?) mußten wir häufig ins Deutsche übersetzen. Es klappte recht gut.
Die Stadt ist sehr Labyrinthisch und in vier Bereiche geteilt. Diese Bereiche wiederum sind aufgeteilt in Frauen und Männer Bereiche. Die Frauen lebten quasi auf den Dächern der Häuser, die alle miteinander verbunden sind, die Männer bewohnten die unteren Gänge der Stadt.
Die Wohnungen sind wunderschön. Herrliche Bemalungen und alles ist voll von Spiegeln und Messingwaren, um das wenige Licht in den Wohnungen optimal zu verteilen. Dadurch haben diese Häuser eine ganz besondere Atmosphäre. Für jeden Einwohner gibt es in der Stadt übrigens jeweils eine Palme in einem der Außengärten. Das Bewässerungssystem und die Abwasserbeseitigung wurde von Sklaven durchgeführt. Trotzdem herrscht in der Stadt eigentlich noch immer eine dunkle aber freundliche Atmosphäre.
Die Führung nahm einige Stunden in Anspruch. Pünktlich zum zweiten Abendgebet waren wir fertig und unser Führer konnte endlich an den Abendbrot Tisch eilen.
Danach fuhren wir ruhig (ein alter Tatra von `55 fährt eben selten schneller als 70 km/h auf der Straße) zurück nach Darj.
Wir tankten ein weiteres Mal voll und besorgten uns Wasser, kauften noch etwas ein und fuhren Richtung Offroad. Es war inzwischen recht dunkel und darum suchten wir uns schnell einen Nachtplatz (schon auf der Rückfahrt von Ghadames war es dunkel geworden). Dort kochten wir schnell Thunfisch Spaghetti zusammen.
Tranken den einen oder anderen Jagertee und Scotch aus dem gut ausgestatteten Tatra und gaben diverse GPS Koordinaten in unsere Geräte ein. Insgesamt besaßen wir drei GPS. Eins für die Motorräder, eins jeweils für Tatra und Landy. Die Tipparbeit wurde durch den Laptop stark vereinfacht! Die Tatra Besatzung (Milan&Manfred) hatten einige sehr gute Fliegerkarten unserer Ziele und Wege dabei. Ralf und Otti (Alex) hatten den Göttler und Janet und ich den Laptop mit den CDROM Karten. Das ganze ergänzte sich recht prächtig.
Wir unterhielten uns noch einige Zeit zum kennenlernen. Die ganze Truppe paßte einfach ausgezeichnet zusammen. Es würde keinerlei Probleme geben, da war ich mir schon nach 10 Minuten sicher. Der Tatra war übrigens ein faszinierendes Gefährt. Er hatte einen Benzin(!) Motor. Das war schon einmal eine Seltsamkeit. Weiterhin besaß er Portalachsen. Seine Bodenfreiheit war absolut unschlagbar. Das ganze sah sehr vielversprechend aus. Leider zeigte sich bald, das dem dann doch nicht immer so war.
Es gab wohl permanente Probleme mit den Stoßdämpfern (Aufschaukeln). Außerdem stank nach kurzer Zeit die Kupplung sehr stark. Offenbar war sie zu klein ausgelegt. Ich schätze, die Reifen waren etwas groß.
Die Probleme wurden später sehr massiv. Aber so auf den ersten Blick machte der Wagen einen ausgezeichneten Eindruck. Das setzte sich innen fort. Die beiden haben soviel Zeit und Liebe für den Ausbau aufgewendet, das einem drinnen einfach warm ums Herz werden mußte. Das Teil würde ich sofort nehmen! Außerdem funktionierte die Gasheizung und das war schon ein ganz wichtiger Posten auf der Liste!
Milan war früher Werksfahrer (Testfahrer) von Tatra und kannte sein Schätzchen in- und auswendig. Manfred arbeitete in einem Trickfilm Studio. Ralf war freier Zahnarzt und Otti freier Industriedesigner. Janet war Krankenschwester und Biologin (Studentin) und ich bin freier System Analytiker und Informatiker.
Alles Jobs, die einem durchaus ein Maximum an persönlicher Freiheit und Freizeit zu liefern imstande sind. Insofern war die ganze Gruppe auch recht Reise erfahren. Witziger weise war ich übrigens der Einzige Wessi in der Gruppe. Überall immer nur Ossis... Eigentlich trafen wir ausschließlich Ostdeutsche Landsleute. Wirklich sehr Reise freudig. Außerdem allesamt sehr angenehme, unkomplizierte und experimentierfreudige Zeitgenossen/-innen. Sehr viel angenehmer, als all die Lehrer und Soz.Päds. die man sonst ständig in der weiten Welt trifft. Halt immer die Leute, die nix zu tun haben und reisen können, weil der Staat viel Ferien macht und diese gut bezahlt...harhar!
Was allerdings von Seiten der davon gebeutelten immer aufs heftigste dementiert wird. Aber mir könnt ihr gar nix erzählen. Ich habe zwei Jahre lang acht Stunden an fünf Wochentagen unterrichtet! Korrekturzeiten etc. gingen noch extra drauf und Ferien gab es gar keine! Trotzdem war der Job dermaßen locker, daß nichts, aber auch gar nichts mich in irgendeiner Form davon abbringen kann, zu glauben, Lehrer und SozPäds wären „faule Säcke“, wie unser Kanzler zu sagen pflegte ;-)
Jaja, ein Aufschrei, mal wieder... Aber meine vielschichtigen langjährigen und immer wieder bestätigten Erfahrungen mit diesen diskutier- und abstimmungsfreudigen Philantropen sind eher absolut dämlicher Natur. Natürlich mit Ausnahmen, wie immer. Nehmt also bei Bedarf diese positiven Ausnahmen für Euch in Anspruch...
Wenn genügend Beschwerden kommen, kann ich zu diesem herrlichen Thema ja ein Internet Forum einrichten!
Zu guter Letzt einigten uns dann über den morgigen Tag.
Wir sind alle gespannt wie es wird.
4. Tag (6. Januar 2000)
Heute früh waren 7° Celsius. Die Nacht war angenehm warm. Es ist gar nicht einfach, auf dieser riesigen flachen Hochebene einen Platz für den morgendlichen Spatengang zu finden. Nicht mal die allgegenwärtigen Büsche sind hier. Na ja, es gibt für alles immer eine Lösung, die aber nicht verraten wird.
Gegen 8:30 starteten wir Richtung Südwesten. Wir fuhren weitgehend nach GPS, denn mit dem Kompaß wäre es sehr mühselig geworden. Schon nach ca. 1 km ist ein Fahrzeug vollkommen außer Sicht und man fährt schnell im Kreis. Ohne Orientierungsmöglichkeit hat man keine Chance, hier seinen Weg zu finden, außer die Sonne oder Nachts die Sterne, die übrigens hier absolut großartig sind! Die Ebenen, über die wir hier fahren sind
unglaublich. Noch viel karger und weiter als Patagonien. Man kann die Erdkrümmung permanent am Horizont erkennen. Vollkommen ebene Sand und Kiesflächen, leicht gewellt. Es sieht aus wie ein riesiger Verkehrsübungsplatz der Regelmäßig geharkt wird. Man verliert ohne Instrument absolut die Orientierung.
Das Wetter ist ganz gut, zwar bewölkt, aber einigermaßen warm.
Wir fahren den ganzen Tag über diese riesige Hochebene. Sie liegt rund 650 m über null. Nichts, aber auch rein gar nichts sorgt mal für eine Abwechslung. Nur kaputte Autoreifen, und ab und zu ein Brunnen und wenige Büsche wechseln miteinander ab.
Gegen 14:00 halten wir bei Bir Rimit. Dort ist ein Brunnen. Er ist sogar bewirtschaftet. Ein Libyer tritt aus einem der beiden flachen Gebäude. Er lebt dort offenbar. Mutterseelenallein. Er ist sehr freundlich und serviert uns hervorragenden Tee. Ansonsten verstehen wir uns kaum. Leider spricht keiner von uns Französisch.
Sein kleiner Esel sieht gar nicht gut aus, vor einigen Tagen hat ihm ein ital. Touri-Auto den linken Hinterlauf unter dem Knie abgefahren. Er blutet und hat, glaube ich, ziemliche schmerzen.
Unglaublich, wie auf diesem Teller so ein Unfall geschehen kann. Offenbar heizen hier auch diese völlig bescheuerten Knalltüten durch die Gegend denen es völlig scheißegal ist, ob sie hier allein sind oder nicht. Ich hasse diese Pack. Haben es immer eilig und meistens irgendwelche hochgezüchteten überkandidelten Boliden dabei. Außer Müll und Lärm werden sie in ihrem drögen Leben keine sinnvolle Spur hinterlassen.
Ich hab diese Typen schon überall getroffen. Selbst in Feuerland gibt es sie. Leider kann man nichts dagegen unternehmen...
Wir laden den Libyer zum Essen ein. Unsere Gemüsesuppe ist aber gar nicht sein Fall. Aus Höflichkeit nimmt er ein paar Löffel, aber offenbar sind die Spätzle in der Suppe gar nicht sein Ding. Mit einer Entschuldigung reicht er mir den Teller zurück und verlegt sich statt dessen auf unser Schwarzbrot. Seltsam, das ihm das so gut zu schmecken scheint. Aber egal, wir sind froh, ihm ein wenig für den guten Tee zurückgeben zu können.
Irgendwann trudelt der Tatra auch ein, schneller als 40 km/h kann er nicht fahren im Gelände. Seine Stoßdämpfer sind ziemlich abgeritten. Die Enduros und wir sind teils schon erheblich zügiger gefahren. Es hat den Vorteil, das wir Abends immer genügend Zeit zum Zeltbauen haben und dann im hellen kochen können, während der Tatra noch unterwegs ist. Morgens können wir dafür dann im warmen frühstücken Das ganze ergänzt sich ausgezeichnet und unsere Reisegeschwindigkeit erlaubt häufige Pausen, weil wir von vornherein kürzere Etappen planen und zwischenzeitlich noch immer Zeit für viele Pause haben.
Wir kochen also eine zweite Suppe und sitzen noch ein gutes stündchen Schweigend mit dem Libyer zusammen. In dieser Stunde kommen genau diese Art von Leuten vorbei, die ich weiter vorne, hoffentlich treffend, beschrieben haben. Ein großer Haufen Italiener (wobei die Nationalität völlig schnuppe ist).
Sie donnern auf Quads und Enduros zum Brunnen und warten auf den Monteur LKW der alle Ihre Ausrüstung schleppt. Sie stehen dort ca. eine halbe Stunde. Wir grüßen zwar, aber offenbar ist keine Zeit, den Gruß zu erwidern oder sonst wie zu reagieren – Arschlöcher halt! Sie kommen nicht mal zum Brunnen, um den Einwohner zu Begrüßen und irgendwas zu tauschen oder mal nach dem Esel zu sehen. Immerhin haben sie in fahrendes Krankenhaus dabei. Sie stehen in einem Pulk herum, treten von einem Bein aufs andere und warten, das sie in einem Affenzahn weiter heizen können. Hoffentlich verschwinden sie bald. Gottlob tun sie das auch ohne ein Wort aber dafür um so lauter am Gashahn drehend. Danke!
Wir hoffen alle, in den nächsten Wochen niemanden mehr zu treffen. Auf solche Idioten kann man eh dankend verzichten. Auf Deutschlands Autobahnen trifft man mehr als genug davon (übrigens immer Männer, Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier nur die Regel (Vertrieblerinnen unterscheiden sich kaum von Vertrieblern...)
Ach, ich bin froh über meine Schubladen. Jeder paßt hinein und trotzdem braucht man selten mehr als 10 Stk. Davon. Ich stecke natürlich auch in einer davon).
Irgendwann zuckeln wir weiter. Vorher haben wir den armen Esel noch mit Mohrrüben und Sellerie verwöhnt. Am besten wäre es wohl, den armen kleinen Kerl einfach zu erlösen, denn es ist ziemlich klar, was mit ihm in den nächsten Tagen geschehen wird. Aber das würde ich auch wieder nicht übers Herz bringen...
Wir fahren noch viele Stunden über diese Ebene, ohne das sich irgend etwas ändert. Ich finde es herrlich, hier zu fahren. Keinerlei Ablenkung auf das wesentliche. Das Abendlicht wirft Schatten von uns, die bis zu 100 Meter lang sind. Das Licht ist wunderschön. Wir machen viele Fotos in der Hoffnung, ein wenig von der Schönheit für später festzuhalten. Aber ich fürchte, es klappt wieder mal nicht.
Wir suchen uns auf der langen Strecke Feuerholz zusammen und verzurren das Zeug auf den Autodächern. Sieht zwar skuril aus, aber die Arbeit ist es allemal wert. Ohne abendliches Feuer würden wir immer schon gegen 18:00 im Zelt verschwinden. Es ist keine Chance, außerhalb des Zeltes im freien zu übernachten. Der Wind ist nämlich sehr kalt. Die Zelte schützen zumindest davor. Unsere Schlafsäcke sind eindeutig zu dünn. Wir hätten doch Winterschlafsäcke einpacken sollen. Ich lerne halt nie aus.
Wir stehen also im absoluten Nichts. Der Blick ist ungestört bis zum Horizont. Die Stille ist fundamental. Keinerlei Geräusche, nicht mal vom Wind. Am Himmel nicht die kleinste Spur eines Kondensstreifens oder eines Flugzeugs. Es ist herrlich. Nirgendwo habe ich je so einen Platz gefunden. Überall war zumindest das Rauschen des Windes zu hören. Das hier ist absolute Stille. Habe ich noch nie erlebt. Es gefällt mir gut, den anderen glaube ich auch.
Otti und Ralf wechseln im Dunkeln ihre Reifen und ziehen Geländereifen auf. Sie haben reichlich Mühe, mit den kalten Fingern die Reifen umzuziehen, jedenfalls sind sie rund 5 (fünf) Stunden beschäftigt mit Ottis Mofette.
Leichte Probleme mit den Reifenhaltern etc. pp. Aber trotzdem sind die Reifenhalter wohl Gold wert. Leider ist halt nur einer der Reifen viel zu eng und sie quälen sich ein wenig.
Ist schon ein lauschiger Abend, Milan liegt unterm Tatra und schraubt wie noch so oft, Ralf baut das Zelt auf, Janet gräbt eine Feuerstelle und ich mache das Feuer während Manfred kocht und Otti Reifen wechselt. Arbeitsteilung bis zum Abwinken...
Dann wollen wir Fondue machen. Christopfer (siehe erster Teil) hat uns die Fertigmischung bei unserem Aufenthalt in der Schweiz mitgegeben mit den Worten, es gäbe nichts besseres in der Wüste. Wir waren Anfangs ja skeptisch, aber er hat recht. Bei dieser Mistkälte ist das die optimale Nahrung, weil man gezwungenermaßen dicht am Feuer hocken muß. Ein nettes Foto ist schon in die Schweiz gegangen. Die Sonnenuntergänge sind wie immer Wunderschön. Es ist auch nicht übermäßig kalt. Hier am Feuer ist es auch eh gemütlicher.
Der Landy hat die bisherige Strecke gut überstanden. Er ächzt und knarrt und quietscht zwar in allen
Verbänden, aber Schäden. Sind bislang keine größeren aufgetreten. Mehr dazu ja auch im ersten Teil. Inzwischen sind wir schon gut 3500 km gefahren. 1800 davon auf Piste, in Dünen und Gelände.
Wir sind nun schon ziemlich lange quer Beet gefahren. Immerhin den Dritten Tag. Wir haben in dieser Zeit außer einigen wilden Dromedaren lediglich bei Bir Rimit die bekloppten Leute getroffen. Seitdem nichts, nicht einmal Tiere, keine Insekten. Absolut nichts. Das Einzige, was sich offenbar überall findet sind alte Autoreifen und Wracks sowie ab und an eine verlassene Baustelle. Diese Baustellen sind auch ein Thema für sich. Meist stehen die Baufahrzeuge noch daneben und verrotten langsam aber sicher. Es sieht immer so aus, als hätten die Leute alles stehen und liegen gelassen und wären zu Fuß von dannen. Oft fanden wir auch Teekessel und Turnschuhe. Daneben natürlich immer Berge von Müll und Unrat.
Trotzdem ist es seltsam, mitten in der Wüste plötzlich ein Denkmal zu finden, das ohne jeden Grund dort steht. Nichts sonst, keine Bauwerke, gar nichts außer einem Haufen Müll und ausgerechnet Turnschuhen. Ich denke, die arabische Mentalität wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben...
Wir haben zwischenzeitlich einige üble Stellen hinter uns gelassen. Einige sehr unangenehme Steinebenen, die aussehen, als würden alle vier Reifen nach spätestens zehn Metern aufgeschlitzt sein. Trotzdem halten die Reifen bislang. Zwar sind überall Schnitte und teilweise tiefe Risse zu sehen, aber sie sind absolut dicht.
Vielleicht liegt es daran, das wir nur in Sandpassagen den Luftdruck verringern und bei Steinwüsten usw. den Druck vorher sofort heraufsetzen. Der ARB Kompressor wird wirklich häufig genutzt und bewährt sich jedesmal aufs Neue.
Unser Sprit reicht noch mindestens für 600 km. Bei den beiden Enduros sieht das etwas anders aus. Derzeit haben Sie ihre Reservekanister im Tatra und ihre Reservereifen auf dem Landy. In ihren Tanks sind selten mehr als 5 Liter (Gewicht!). Mit ihren Kanistern haben sie etwa eine Reichweite von 500-600 km. Im Augenblick ist also nicht mehr allzuviel Sprit da. Sie haben allerdings das Glück, sich Notfalls beim Tatra bedienen zu können, der ja auch ein Benziner ist.
Das Handgelenk, das ich mir vor anderthalb Wochen beim Winchen verletzt habe, schmerzt noch immer. Dummer weise die rechte Hand. Richtig zufassen ist schon lange nicht mehr drin. Zusätzlich zu der Schwellung kommen jetzt noch seltsame Geräusche, die die Sehnen im Unterarm machen. Es quietscht bei jeder Bewegung und fühlt sich sehr unangenehm an. Keine Ahnung, was das sein kann, vermutlich irgendeine ernstere Beschädigung. Es wird jedenfalls eher schlimmer als besser. Immer wenn ich einen Tag die Hand schone, ist es ok und besser, aber irgendwann am selben Tag muß ich dann doch mal fester zupacken und alles geht von vorne los. Eigentlich müßte der Arm völlig stillgelegt werden. Die Frage ist nur, wie ich dann fahren soll... Janet hat ja keinen Führerschein. Also muß es wohl so gehen, wie es jetzt geht. Ralf hat mir Salbe geliehen gegen Zerrungen. Jetzt nach 1 Woche habe ich sie heute erstmals angewendet. Es scheint tatsächlich gut zu helfen. Die Geräusche im Arm werden besser... mal sehen....
So, ich bekomme zu kalte Finger vom Tippen. Außerdem macht das Handgelenk noch immer nicht mit. Ansonsten geht es allen aber ausgezeichnet, von den ewigen kalten Füßen mal abgesehen.
Gute Nacht!
5. Tag (7. Januar2000)
Heute morgen war es mächtig kalt. Eis auf den Schlafsäcken und auf den Campingmöbeln und in den Zelten,
Wir haben ziemlich kalte Füße in den Schlafsäcken bekommen. Nach einem kurzen Frühstück im WoMo einigen wir uns auf die neuen Koordinaten und geben sie ein. Ralf hat etwas Angst, sein Garmin 12 an meinem Laptop anzuschließen, um sich die Tipperei auf dem Mäuseklavier zu sparen. Er redet von Kompatibilitätsproblemen. Ist mir allerdings nix von bekannt. Thomas GPS war das Gleiche und ließ sich beliebig an meinem Laptop betreiben. Naja, wenn er lieber tippen möchte, ist das sein Ding. Ich bin ganz froh, den Schleppie dabei zu haben. Die ganzen Ladegeräte für GPS, Laptop, CD, Mignon Zellen und Kamera machen sich auf jeden Fall bezahlt. Nur leider klappt es nicht, via PCMCIA-Karte die Fotos von den Memory Sticks auf den PC zu laden. Dadurch sind nun schon fast alle Streifen voll. In einigen Tagen muß ich wohl auf meine Uralte AE1 zurückgreifen. Aber ist ja auch ganz schön.
Bei den Koordinaten muß man höllisch auf Tippfehler achten. Sonst kann es leicht passieren, das man sich endgültig verliert. Gerade bei der Umrechnung der Koordinaten durch die Fugawi Software passiert es immer wieder, das unterschiedliche Koordinaten Systeme verwendet werden. Dadurch entstehen unbemerkt teils Kilometergroße Abweichungen. Bislang haben wir sie immer rechtzeitig bemerkt...
Alex und Ralf haben inzwischen die Reifen ihrer Mofetten fast gewechselt. Es hat wirklich ziemlich lange gedauert. Die Reservereifen sind nicht mehr auf unserem Dach sondern am Brush Bar des Landy. Sieht zwar archaisch aus, dafür verdecken sie allerdings auch nicht mehr unsere 55W Solarzelle auf dem Dach.
Gestern abend hatten wir sehr viel Feuerholz gesammelt und das Feuer war entsprechend groß. Heute morgen war es ein leichtes, es wieder an zu bekommen. Bei der Kälte sehr nett. Hoffentlich finden wir auch weiterhin soviel Holz wie bislang.
Nach dem Frühstück sind wir so gegen 9:30 gestartet. Wir fahren über endlos weite leere Kiesebenen. Sie sind nur unterbrochen von Queds und Geröll Feldern. Der Tatra ist ca. 1-2 Stunden hinter uns zurückgefallen. Wir fahren etwa so schnell wie die Motorräder, teil bis zu 100 km/h. Meist aber eher so um die 60-80 km/h. Trotzdem hält der Tatra sich wacker. Die Probleme mit der Kupplung und den Stoßdämpfern werden allerdings von Tag zu Tag schlimmer.
Gegen 14 Uhr entdecken wir in der Nähe eines Waypoints einen verlassenen LKW. Ein Fiat von 196x. Keine Ahnung, wie lange der hier schon steht. Auf einem Reifen ist zwar noch Luftdruck, trotzdem schaut es aus, als würde er hier mindestens seit 2 Jahren sein? Können aber auch 20 sein... Es ist nicht zu erkennen.
Im Tank des Wracks finde ich Diesel. Nahe bei liegt ein 200l Faß. Ich trete dagegen und tatsächlich, es ist voll!
Mit vereinten Kräften richten wir es auf und mit Hammer und Meißel öffne ich den Schraubverschluß. Nicht zu fassen: DIESEL vom feinsten. Sofort machen wir unsere leeren Kanister klar. Leider ist nur unser Landy Dieselbetrieben. Und ich kann leider auch nur 50 l abpumpen. Trotzdem doch eine nette Überraschung. Wir scheinen absolut die Ersten zu sein, die hier nach dem Wrack vorbeigekommen sind. Glück nenne ich das.
Nach der Pump Aktion verschließe ich das Faß wieder fest. Der nächste wird sich freuen. Es ist ja wohl nicht jeder so dämlich, hier einfach dran vorbei zu fahren?
Inzwischen ist der Tatra auch in Sicht. Eine halbe Stunde, und er ist bei uns. Er hatte gar keine gute Fahrt. Eine Abkürzung stellte sich als katastrophale Steinwüste heraus. 3 Meter große Wackermänner. War wohl sehr mühselig, überhaupt dort lang zu kommen. Manfred und Milan sind ziemlich entnervt. Außerdem haben die Stoßdämpfer jetzt wohl den Rest bekommen und die Kupplung ist wohl auch halb verglüht. Langsam wird absehbar, das Sie mit dem Wagen wohl nicht die ganze Strecke schaffen werden. Die harten Strecken kommen ja erst noch. Nach kurzer Inspektion stellt sich auch noch ein Lagerschaden heraus. Trotzdem fahren wir erst einmal weiter.
Weil wir so oft Stunden vor dem Tatra sind, hat es sich als Clever erwiesen, die Sprit Kanister für die Enduros am Landy zu befestigen. Er wird von Tag zu Tag voller, habe ich den Eindruck, obwohl wir futtern wie die Scheunendrescher.
Wir fahren erneut ca. 2 Stunden. Unendliche Ebenen mit großartigen Ausblicken. Allein und ohne GPS verliert man sofort vollkommen jede Orientierung.
Nach einer Minute ist nichts mehr von unseren Mitreisenden zu sehen. Es ist unglaublich, so einsam und verlassen. Wir sind hier nur ein Pickel in der Landschaft.
Irgendwann wechseln sich die Ebenen mit langgezogenen niedrigen Gebirgspassagen ab. Wir fahren durch größere wunderschöne Wadis am Rande dieser Gebirgszüge. Es bieten sich geologisch sehr schöne Formationen zum pausieren an. Überall treten grüne Kupferadern in den Felsen zu Tage. In den Wadis ist es recht windstill und wir finden auch öfter kleine Oasen mit Palmen. Wir fahren ein Stück weiter und halten am Fuße eines kleinen Gebirges. Hier ist ein schöner Platz um den Tatra zu erwarten. Ich klettere auf einen der Berge um ein wenig durchs Fernglas zu schauen. Wir haben schon die ganzen Tage über immer wieder kleine aufgeschichtete Felstürmchen gesehen. Es scheint für jeden Wüstenreisenden ein Muß zu sein, so einen Turm zu bauen. Ich klettere etwas tiefer und fange an, meinen ganz persönlich Turm zu bauen. Die Chance, das er hier in 100 Jahren noch steht ist überaus groß. Vielleicht sogar viel länger, denn tektonisch ist es hier wohl sehr ruhig. Irgendwann nach einiger Zeit des Zwieback kauens sehe ich am Horizont ein Aufblitzen. Es ist der Tatra, wie sich durchs Fernglas, daß sich immer mehr bewährt, zeigt. Er krabbelt gerade von einem Berg am Horizont hinunter. In einer Stunde dürfte er hier sein, wenn er uns findet... Wir haben abseits unseres Wegpunktes hier gehalten.
Ralf baut einen Motorrad Spiegel ab und wir blinkern ein wenig in der Sonne herum. Nach einiger Zeit bekommen wir Antwort vom Tatra, offensichtlich hat er uns gesehen. Das funktioniert also tatsächlich!
Ehe er eintrudelt, nimmt Ralf noch einen kleinen Landy Fahrkurs. Er ist schon die ganzen Tage scharf drauf, mal eine Runde zu drehen. Hier ist offenbar ein potentieller Rover Kunde. Wir geben unser Bestes, ihn endgültig zu überzeugen.
Der Tatra ist inzwischen angekommen...und fährt gleich wieder weiter. Wir wollen noch vor Einbruch der Dunkelheit den Brunnen bei Nabir erreichen. Wir halten noch einmal an einer verlassenen Station oder Bohrstelle. Auch hier haben sie wieder alles stehen und liegen gelassen. In den Hütten finden wir genügend Feuerholz für ein Osterfeuer. Voll beladen machen wir uns wieder auf den Weg.
Vorher lichte ich Ralf noch auf der Kloschüssel ab, die mitten in der Wüste steht. Wie gesagt, ich werde die Araber nie ganz verstehen...
Der Landy sieht nun endgültig urig aus. Vorne Reifen, Winch und Strops, oben Kanister, Zelt, Holz und Metallkisten mit Solarzelle, seitlich Kanister in allen Größen und Farben sowie Sandbleche und Dieselpumpe.
Hinten und auf der Motorhaube ein Reserverad und den HiLift am Heck unter der Dachleiter.
Nicht sehr windschlüpfrig, aber uns gefällt er so.
Wir fahren einige Minuten und am Horizont tauchen DÜNEN auf.
GRRROSSSSE Dünen. Endlich Sand. Der Boden wird weicher, mehr Sand und immer weniger Steine.
Wir lassen Luft an den Fahrzeugen ab. Zumindest am Landy und den Enduros. Milan läßt sich einfach nicht überzeugen, das das irgendwas bringt... Er ist in der Hinsicht ein unglaublicher Dickschädel. Wir fahren mit einem Bar, und zwar ziemlich gut. Die Enduros fahren mit 1,2 Bar und zwar noch besser. An der ersten großen Düne ist erst einmal Spielplatz angesagt. Im Vergleich zu den tunesischen Dünen ist sie enorm. Gut 50 Meter
Hoch. Ralf und Otti haben nun richtig Spaß. Janet und ich halten uns ein wenig zurück. Trotzdem macht es höllisch Spaß. Allerdings kommen wir die Düne nicht ganz hinauf. Sie ist schon extrem Steil. Ich versuche es auf alle möglichen Arten, aber mehr als die Hälfte schaffe ich auch mit 1000 m Anlauf nicht. Die Enduros kommen aber locker hinauf. Oben angekommen kippen sie dann meistens um, wenn sie versuchen, auf dem Dünen Kamm zu halten. Dazu müssen sie eine 90 Grad Kurve drehen, der Dünen Kamm ist aber nicht breiter als 1 cm und dann geht es wieder runter... Das eine oder andere Mal legen sie sich aufs Parkett und müssen die Maschine auch wieder ausbuddeln. Es ist wirklich nicht warm, aber sie sind nach 15 Minuten völlig durchgeweicht.
Darüber ist es dunkel geworden. Wir bauen unser Lager auf, es wird gekocht, gebaut, gesägt und gehackt.
Otti hat einen ganzen Telegrafen Masten an geschleppt. Ich zersäge einige besonders sperrige Teile, aber das Ding fasse ich nicht an. Er wird im Feuer höllisch räuchern, weil er kalfatert ist. Wahrscheinlich so giftiger Rauch, das dadurch zehn Jahre unseres Lebens vergeudet werden. Aber Otti läßt es sich nicht nehmen, ihn an zu kokeln. Das Ding brennt irgendwann sogar. Allerdings steht der Brennwert in keiner Relation zur Giftigkeit der Dämpfe. Es wird so schlimm, das ich den Landy mitsamt Zelt um parke. Gut das ich das Ganze so konstruiert habe, daß das Zelt über die Motorhaube aufklappbar und fixierbar ist...
Heute vernaschen wir unsere letzte Schokolade. Der Whiskey geht heute ebenfalls zur Neige. Schade, jeden Abend ein kleines Schlückchen war schon nett. Jetzt bleibt nur noch mein geheimgehaltener Flachmann.
Der Sternenhimmel ist mal wieder unbeschreiblich. Manfred und ich stehen auf einer hohen Düne und halten Ausschau nach Satelliten. Die sind allerdings meist nur so gegen 18 bis 19 Uhr zu sehen. Dafür sehen wir aber ein UFO. Ich bin ganz sicher, das es eins ist. Auf gar keinen Fall ist es ein Flugzeug oder Satellit. Auch kein Hubschrauber oder sonst irgend etwas. Es bewegt sich in großer Entfernung rasend schnell hin und her und blinkt dabei in sehr unregelmäßigen Abständen. Ich bin sicher, so etwas noch nie gesehen zu haben. Irgendwann ist das Licht dann verschwunden.
Nach Ottis Maschine wechselt jetzt auch Ralf seine Reifen. Die alten Straßenreifen sind ziemlich blank. Im Gegensatz zu möglichst glatten Sandreifen für Autos brauchen die Enduros Profil und Reifenhalter, um zu vermeiden, das der Mantel auf der Felge verrutscht und das Schlauchventil abschert.
Unser Lagerplatz liegt in den Dünen, ganz in der Nähe befindet sich der Brunnen.
Er enthält zwar Wasser, aber nach einem Blick und vor allem einer Geruchsprobe entscheiden wir uns gegen eine Wasserentnahme und auch nur ein Bad.
Wir sitzen wir noch am Feuer und schnacken. Die Nacht wird sehr kalt werden, fürchte ich. Gestern war die Traktionsbatterie am Landy sehr schnell leer. Mein Front Suchscheinwerfer war max. eine Stunde in Betrieb, trotzdem ist die Batterie praktisch leer. 50 Watt sind ja nicht gerade wenig, aber eigentlich müßte sie viel länger halten. Nehme mir vor, das Problem im Auge zu behalten. Wenigsten hat der Batterie Trennschalter dafür gesorgt, daß die Starter Batterie nicht auch noch leer gesaugt wird.
Am Tatra ist ein Lager anscheinend defekt. Milan liegt darunter während wir Wetten darüber abschließen, wann wohl das Rad ganz abfällt...
Dünen sind wohl nicht das richtige Terrain für den Tatra, höchsten große Dünen wegen des
Wendekreises des LKW. Hier in den eng stehenden Dünen hat er kaum eine Chance, sinnvoll zu fahren.
Wasser und Diesel sind noch reichlich vorhanden, trotzdem entscheiden wir uns gegen einen Versuch.
Vor uns liegt noch eine ziemliche Strecke. Für die Enduros wird es etwas knapp werden, wenn sie weiter soviel spielen (am Hahn drehen...).
Der Tatra hat genügend Sprit und könnte auch die Enduros weiter versorgen. Die Frage ist nur, wie lange er uns noch begleiten kann.
6. Tag (8. Januar 2000)
Am nächsten Tag erreichen wir Hasi Nahir. Am Abend vorher hat Ralf noch den Hinterreifen gewechselt.
Das Feuer am Abend war sehr warm und groß. Die Nacht war dafür eiskalt.
Wieder einmal ist überall Eis. Janet ist hinter den Dünen zum waschen verschwunden. Nach 7 Tagen wird es auch mal Zeit dafür. Ich hab allerdings noch keine große Lust dazu. Wir enteisen das Geschirr, tauen die Zelte auf, trocknen die Schlafsäcke und starten.
Wir fahren weit getrennt, haben nur die gemeinsamen Wegpunkte. Die Enduros fahren aus Geschwindigkeitsgründen mit uns. Der Tatra wie immer langsam hinterher. Wir überqueren ein Hochplateau nach dem Anderen. Es sieht aus wie ein gigantisches Monument Valley. Aber riesig und immer neu. Wir stoßen immer an den Abbruch der Hochplateaus. Dort geht es meist 100-200 Meter senkrecht runter. Wir umfahren die
Ränder solange, bis wir Durchbrüche finden, die bis oben mit Sand zu geweht sind. Dort fahren wir dann immer hinab. Ich muß zwar immer alleine fahren und Janet läuft lieber, aber es ist Spaß pur. Teils bis zu 50 Prozent Gefälle über mehrere hundert Meter.
Vor den Durchbrüchen sind immer hohe Dünen, die überfahren werden müssen. Zuvor geht Janet sie immer ab. Diese Vorgehensweise ist unbedingt einzuhalten. Täten wir das nicht, wären wir längst irgendwo am Ende angekommen, so oder so.
Irgendwann fahren wir auf ein hohes Gebirge zu. Genau in unserer Fahrtrichtung gibt es eine Lücke, etwa 200 Meter breit. Es sieht aus, als wäre hier eine regelrechte Durchfahrt ins Gebirge gesprengt und planiert worden. Trotzdem ist diese Passage absolut natürlich. Über die Berge wäre keine Chance zu kommen, aber der Paß ist exakt in unserer Fahrtrichtung. Wir fahren also hindurch. Karten haben wir ja keine genauen.
Nach kurzer Zeit haben wir den Paß durchquert und stehen am Ende eines riesigen (und hohen) Plateaus. Vor uns geht es knapp 150 Meter Senkrecht nach unten. Um dieses Plateau zu umfahren, müßten wir gut 30 km Umweg im Gelände fahren und vor allem umkehren. Statt dessen suchen wir lieber nach einer Möglichkeit, den Berg hinab zu kommen. Wir fahren am Plateau Rand entlang. Nach einiger Zeit entdecken wir eine sehr steile und sehr abschüssige Rampe. Sie hat sich durch angewehten Sand gebildet und reicht bis oben an unseren Platz heran. Die Steigung beträgt locker 50% schätzen wir. Es wäre kein großes Problem, mit dem Rover hinunter zu fahren, zurück kämen wir allerdings garantiert nicht mehr.
Ralf und Otti sind mal wieder sehr schnell. Ruckzuck sind sie hinunter geheizt. Hat sicher Spaß gemacht. Hinauf kommen sie jetzt aber auch nicht mehr.
Am Steilhang ist eine äußerst enge Stelle. Der Landy dürfte gerade so eben zwischen den beiden Felsen hindurch passen. Wenn er allerdings ins Rutschen gerät und sich dort unten verkantet, hat sich unser Urlaub wohl erledigt. Selbst mit einer Winch würden wir ihn dort nicht mehr wegbekommen.
Außerdem ist es keine gute Idee, es hier jetzt einfach zu versuchen, denn der Tatra ist ja noch weit hinter uns. Was, wenn er eine Panne hat oder fest steckt. Wir könnten ihm nicht mehr helfen, wenn wir hinunter gefahren sind. Erst müßten wir rund einen Tag mit der Rückfahrt verbringen. Also keine gute Idee. Das Risiko ist für uns alle entschieden zu groß. Wir entscheiden uns, oben eine andere Abfahrt zu suchen und dort zu warten, bis der Tatra mit Milan und Manfred entweder auch erscheint oder wir via Fernglas sehen können, das er dieses vermaledeite Problem von vornherein umfahren hat. Die nötigen Karten, dies zu erkennen, haben die beiden jedenfalls dabei.
Wir warten rund 2 Stunden und derzeit suchen wir den Horizont ab. Tatsächlich erscheint nach einiger Zeit ganz weit weg ein beweglicher Punkt. Durchs Glas erkennen wir dann allerdings einen Feuerwehrrot gestrichenen riesigen LKW. Anscheinend ein MAN. So eine Überraschung. Immerhin haben wir wirklich Tagelang niemanden mehr gesehen.
Ich beobachte den LKW und hoffe, der Tatra erscheint auch noch. Und wirklich, da ist er. Etwas weiter zurück und nur schwer zu erkennen, wegen seiner sandfarbenen Lackierung. Die beiden haben also das Gebirge umfahren. Clever...
Nun ist es auch an der Zeit, hinabzufahren. Janet entscheidet sich für den Fußweg, Vorher muß sie mich noch über und um einige hohe Dünen lotsen, die an der Abfahrt oben angeweht sind. Dann stehe ich vor dem Hang.
Huh, reichlich steil. Aber müßte wohl gehen. Jedenfalls keine Felsen, wo wir uns einklemmen können.
Also im Zweiten Gang der Untersetzung hinab. Immer ordentlich Gas geben, auf keinen Fall Bremsen.
Ist schon ein heftiges Gefühl, vor der Windschutzscheibe ausschließlich Sand zu sehen...
Aber es klappt sehr gut. Ohne jedes Problem kann Janet unten wieder einsteigen und wir gesellen uns zu den beiden Enduros. Dies ist das erste Mal, das der Tatra vor uns ein Ziel erreicht. Auch ganz nett, mal hinterher zu fahren. Wir machen uns also an die Verfolgung. Nach einiger Zeit verschwindet das riesige Plateau am Horizont und wir sehen vor uns in der Ferne den rot-weißen LKW. Es sind noch ein anderer 4x4 und drei Enduros bei ihm. Die ganze Truppe besteht aus rund 10 Leuten. Schwer zu sagen, weil überall welche auftauchen und verschwinden. Es ist eine ganze Truppe. Alles Schweizer, wie unschwer am Akzent zu erkennen ist.
Der MAN ist wirklich ein Monstrum. Tatsächlich ein ehemaliges Feuerwehrauto. Hinten mit Doppelachse und einer unglaublich großen Wohnkabine. Ein Riesenteil.
Wir schnacken ein paar Worte miteinander. Sehr gesprächig sind wir wohl alle nicht mehr. Nach einiger Zeit weist uns jemand darauf hin, das dort hinten an dem Pfosten ein Brief für uns hängt! Wir marschieren hin und finden exakt am verabredeten Wegpunkt eine Notiz von Milan und Manfred. Sie sind noch einen Punkt weiter gefahren, weil es noch recht hell war und erwarten uns zum Abendbrot in 30 km Entfernung. Ist schon witzig, Snail Mail in der Wüste...
Alle grinsen ein wenig dösig und wir verabschieden uns von den Schweizern. Die waschen gerade Wäsche und haben überall Leinen gespannt. Vermutlich werden sie hier gleich übernachten.
Wir fahren also wieder weiter. Wahrscheinlich werden wir die Truppe noch öfter sehen. Sie hatten wohl ursprünglich einige Tage Vorsprung. Das erklärt auch die häufig gesichteten frischen Reifenspuren, denen wir öfter mal begegnet sind.
Wir lassen die Schweizer Familie Robinson hinter uns und nehmen also die Tatra Verfolgung auf. Es ist schon früh am Abend und der nächste Wegpunkt ist noch 30 km entfernt. Leider scheint dies nicht unser Glückstag zu sein. Luftlinie fahren ist heute doch recht anstrengend. Diesmal landen wir zwar nicht auf einem Felsvorsprung, aber dafür in einem Chott. Allerdings ist es Gott sei Dank trocken... Wir überqueren es auf dem kürzesten Weg. Die Enduros mal wieder vorne weg. Sie haben zwar Mühe, voran zu kommen, aber versacken tut niemand. Der Landy fährt recht wacker. Zwar immer Vollgas und mit 60-80 km/h, aber anders geht’s nicht voran. Auch wir kommen ohne stecken zu bleiben mitten über den trockenen Salzsee. Die Dünen dahinter sehen aus der Ferne nicht übermäßig beeindruckend aus. Als wir jedoch direkt davor stehen, ist klar zu erkennen, das es sicher bessere Wege als diesen gibt. Die Dünen sind riesig. Viele hundert Meter insgesamt hoch. Und wir haben wegen der schlechten Karten keine Ahnung, wie es dahinter aussieht. Außerdem wird es langsam dunkel. Das Risiko, dort zu versanden und im Dunkeln fahren zu müssen, ist uns dann doch zu hoch. Wir umfahren also diesen riesigen See, bis wir wieder aus diesem Ringgebirge hinaus sind. Spuren gibt es hier praktisch keine. Hier ist seit Jahren niemand gefahren. Wahrscheinlich haben wir sogar noch Glück, das wir nicht völlig im Schlamm versacken. Der Umweg ist jedenfalls erheblich und kostet uns 40 Minuten des kostbaren Tageslichts. Trotzdem holen wir den Tatra ganz kurz vorm Zielpunkt noch ein. Wie so oft filmt uns Manfred aus der Dachluke mit der Kamera bei unseren Überholmanövern. Teilweise können wir tatsächlich bis zu 100 km/h fahren. Tja, sind die beiden wieder nicht als Erste am Ziel. Aber dies hier ist ja eh kein Rennen. Der Weg ist das Ziel, das gilt für den 805 Tatra von 1955 noch mehr als für uns.
Unser Wegpunkt liegt inmitten von einem Dünenmeer. Teils sehr steile und bis zu 15 Meter Hohe herrliche Dünen liegen ums uns herum. Mittendrin, aber immer noch am Rande der Wüste liegt auch der Brunnen. Wir fahren in die Dünen hinein auf der Suche nach einem schönen Nachtlager. In einer kreisrunden Düne werden wir fündig: eine riesige Palme steht mitten drin. Es ist windstill, totenstill. Zwar liegt überall Kamelmist, aber als Heizmaterial ist der durchaus willkommen. Auch einige Büsche mit trockenem Holz liegen in der Nähe. Wir suchen uns also einen Platz für unser Auto und für die Enduro Zelte und warten auf dem Dünen Kamm auf den LKW. Otti heizt mal wieder über die Dünen und sammelt Holz für unser Feuer. Irgendwann, es ist fast dunkel, taucht der Tatra auf. Wir versuchen ihn zu unserem Platz zu lotsen. Es gibt einen durchaus fahrbaren Weg um die Dünen herum. Ralf fährt hin und erklärt Milan den Weg während ich als Wegpunkt auf der Düne stehe. Leider scheint Milan nicht gewillt zu sein, uns zu besuchen. Er fährt in eine ganz andere Richtung. Offenbar traut er dem Tatra den Weg zu uns nicht zu. Schade, er hat die Schlafsäcke, den Sprit usw. an Bord... Dabei ist die Strecke hierher wirklich fast eine Straße. Völlig locker zu schaffen. Milan ist echt ein Dickschädel.
So what. Jetzt ist es vollkommen dunkel. Leider auch noch etwas bewölkt. Kein Mond, kaum Sterne. Toll.
Wir bleiben alle auf der Düne und halten Ausschau, aber es ist nichts zu sehen. Wir versuchen es mit rufen und einem Hupkonzert. Nichts.
Nach gut anderthalb Stunden, die wir, inzwischen recht gnatzig, mit einer Lampe auf unserer Düne verbracht haben, sehen wir in der Ferne ebenfalls ein Licht. Unmöglich zu schätzen, wie weit es weg ist. Wir brauchen aber die Schlafsäcke und diverses anders Zeug. Ralf und Otti marschieren also hin, während wir weiter die Stellung halten und leuchten. Ohne das Licht besteht nicht die geringste Chance, wieder zurück zu finden. Man sieht nicht mal die eigenen Spuren im Sand, so dunkel ist es.
Nach gut einer Stunde sind die beiden wieder zurück. Der Tatra ist gar nicht sehr weit von uns entfernt. Ca. 1 km zu laufen. Also machen wir uns zu Dritt auf den Weg, um unser Zeug zu holen. Nach 5 Minuten sind wir alle drei ziemlich durchgeschwitzt. Es ist recht anstrengend, diese steilen Dünen rauf und runter zu marschieren. Aber Spaß macht es trotzdem. Wir kommen irgendwann an. Inzwischen bin ich nicht mehr so sauer, das die beiden uns einfach so haben sitzen lassen. Trotzdem muß ich mich mal beschweren. Ändert allerdings auch nix. Jetzt im Dunkeln ist eh keine Chance mehr, den Platz noch zu wechseln. Milan schraubt mal wieder am Auto. Die Kupplung scheint wohl ziemlich zu stinken. Langsam wird klar, das die beiden hier nicht durchkommen werden. Morgen steht dann vermutlich eine Trennung an. Schade eigentlich, war ein angenehmes Reisen. Aber vorher haben wir ja noch mal einen netten Fußmarsch und ein gutes Frühstück vor uns.
Wir stiefeln also vollgepackt wieder zurück. Wird auch Zeit, Janets Lampe auf der Düne gibt langsam den Geist auf! Als wir ankommen ist es schon zehn Uhr Nachts. So spät sind wir seit drei Wochen nicht mehr auf gewesen... Wir kochen noch ein wenig (Janet hat derzeit schon alles vorbereitet und gegessen und kriecht Müde ins Dachzelt), unterhalten uns kurz noch am Feuer und hauen uns alle aufs Ohr. Sind ziemlich Müde. Dünen fahren ist tatsächlich erstaunlich anstrengend. Selbst im Auto und nicht nur auf den Motorrädern.
7. Tag (9. Januar 2000)
Wir sind heute morgen etwa 25 km westlich von El Hassi aus gestartet. Der Morgen war sehr schön, völlig klar, fast 7 Grad Celsius warm. Die Nacht war ebenfalls nicht kälter als 3 Grad Celsius.
Ralf, Alex und ich nahmen eine open air Wäsche am Brunnen vor. Nach zehn Tagen ohne Dusche und Rasur wurde es dann doch langsam mal Zeit. Das Wasser war jedenfalls ganz ok, die Temperatur lag allerdings doch nur knapp über dem Gefrierpunkt, fürchte ich. Sauber und Fit bauten wir dann unser Lager ab und fuhren diesmal zum Tatra um ein zweites Frühstück serviert zu bekommen.
Dabei besprachen wir die weitere Vorgehensweise. Die Enduros und unser Landy würden direkt
durch die Dünen fahren, der Tatra außen herum. Milan traute der Kupplung wohl keine Sandkasten Spiele mehr zu. Außerdem ist Milan offenbar auch nicht gewillt, mehr Luft aus den Reifen abzulassen. Er fährt hinten mit 1,8 bar... Er ist noch sturer als ich wie mir scheint, denn am Landy haben wir den Luftdruck mittlerweile auf 0,8 bar verringert und fahren prächtig damit im Sand.
Das anfahren fällt DEUTLICH leichter. Tiefer und weicher Sand ist ebenfalls viel einfacher zu bewältigen. Wir fahren also getrennt los. Vorher bekommen wir noch Besuch von den Sch |