Cascaded Menu Items

Libyen Sahara Offroad

Main Topic

Actual Topics

Public Topics

Chat Forum

Der hier Online veröffentlichte Reisebericht ist aus Platzgründen um etliche Fotos gekürzt. Die Fotos sind auf den Subseiten hier einzusehen. Viel Spaß!
Der erste Teil über
Tunesien ist übrigens hier nachzulesen. Dort findet Ihr auch die dazugehörigen Fotos.

Die unautorisierte Vervielfältigung ist auch hier strafbar!

Y2K

Oder

Nass in Mandara

und

matt in Matmata

Der Geschichte 2. Teil

1. Tag (3. Januar 2000)

Heute morgen standen wir schon gegen 6:30 auf. Es wird wohl für die nächsten Wochen unser letzter Hotelaufenthalt sein. Vorher nehmen wir also noch einmal eine lange Dusche und ich brauche auch dringend mal wieder eine Rasur...

Das Frühstück ist so wie immer, Grauenhaft (siehe Tunesien-Reisetagebuch).

Nach dem Frühstück wird gepackt und nun steht wohl unser Abschied von der Gruppe an. Zwei Wochen haben wir insgesamt miteinander verbracht. Für die anderen ist in drei Tagen Rückreise angesagt, unser Urlaub dürfte nun wohl erst so richtig losgehen, schätze ich.

Alles in allem war es eine wunderbare Zeit (wenn auch kalt). Wir haben uns sogar an das Kolonnen fahren gewöhnt. Obwohl dies so ziemlich das erste mal war, wo wir in einer Gruppe gereist sind, hat es eigentlich gut geklappt. Alle miteinander waren schon sehr nett. Eigentlich gibt es gar nichts negatives zu berichten.

Trotz allem sind wir aber auch ganz glücklich, jetzt unseres eigenen Weges ziehen zu können. Es war ja ganz bequem, sich in organisatorischen, navigatorischen und technischen Dingen sich auf Ronnie fachkundigen Rat verlassen zu können, aber eigene Wege zu suchen ist schon netter.

Wir treffen uns also zum Abschied nehmen auf dem Hotelparkplatz in Douz. Die anderen fahren jetzt nach Norden, Richtung Carthage und Sidi Bou Said. Wir dagegen fahren erst wieder durchs Chott el Djerid und dann nach Nord-Osten Richtung Ras Djebir.

 Ein wenig Traurig ist der Abschied tatsächlich, aber wir haben uns schon auf ein Nachtreffen geeinigt, um Bilder und Geschichten auszutauschen, ergo ist es halb so schlimm.

Ronnie möchte meinen Reisebericht haben, die anderen interessieren sich für die CD die ich von beiden Reisen anfertigen werde. Wir wiederum sind ebenfalls an Bildern etc. interessiert. Ein Wiedersehen ist also vorprogrammiert.

 Der Tag verläuft recht belanglos. Wir fahren über die Rommelpiste nach Gabes und dann Richtung Mittelmeer und Libysche Grenze. Dabei kommen wir durch Kebili, wo wir uns noch einmal mit Lebensmitteln (Obst, Gemüse und Wasser) eindecken. Wir haben nun Verpflegung und Wasser für locker 10 Tage an Bord. Der Landy ist voll bis unters Dach.

Während der recht langweiligen Fahrt lasse ich noch einmal die letzten beiden Wochen Revue passieren. Mache ich öfter, selbst wenn ich in Deutschland bin, das hilft das oft gegen den Zivilisationskoller. Außerdem vergesse ich dadurch weniger oder zumindest später die eine oder andere Begebenheit. Genau dies ist ja auch der Grund für diesen Reisebericht.

Wir sind so gegen 17:00 Uhr in Grenznähe in einen Olivenhain gefahren. Wir wollten nicht bei Dunkelheit die Grenze überqueren. Außerdem ist es sicher besser, morgens der Erste als Abends der Letzte an einem Grenzübergang zu sein. Diese Erfahrung habe ich allein in der ehem. DDR sehr oft machen müssen. Hier wird es sicher nicht anders sein, noch dazu, wo die Grenzer sicherlich vom Rhamadan genervt sind.

Wir sitzen also zwischen den Olivenbäumen in der Dunkelheit. Haben kurz gekocht und sind wegen der Kälte dann so gegen 18:00 (!) Uhr ins Zelt gekrochen. Knacken ist schon was feines. Außerdem können wir morgen dann früh los.

Ich denke noch darüber nach, ob die tunesischen Straßenhändler uns sehr beschissen haben. Wir hatten kurz vorher auf den letzten Drücker noch Libysche Dinar getauscht. Nahezu 1:1 zur DM.

Ich glaube, es war eine gute Idee, nicht die erst beste Gelegenheit zum Tauschen wahrzunehmen, sondern bis fast direkt vor der Grenze zu warten. Tauschen wäre schon 100 km früher möglich gewesen.

Außerdem ist es nicht unschlau, bei verschiedenen Leuten immer mal kleinere Summen in verschiedenen Währungen zu tauschen, um halt nicht gleich den finalen Fehler beim Tauschen zu begehen. Spaß macht es ja außerdem auch.

Jetzt kann man sich natürlich darüber streiten, ob frühes oder spätes Tauschen cleverer ist. Aber ich glaube, wir haben einen ganz guten Schnitt gemacht. Am idealsten hat sich herausgestellt ist, franz. Franc gegen libysche. Dinar zu tauschen. Der Kurs hört sich horrend an, ist aber besser, als Dollar oder DM oder tun. Dinar gegen libysche Währung zu tauschen. Weiß der Teufel, warum. Jedenfalls ist ein Taschenrechner dabei ein muß! Er vereinfacht nicht nur das Rechnen, sondern auch die Verständigung. Immerhin sprechen wir kein Französisch. Mit Spanisch und Englisch kommt man hier nicht weit. Eher noch mit Deutsch. In Libyen wird sich das wohl eher verschlimmern, weil auch keiner mehr Deutsch redet. Aber dafür ist Englisch vielleicht etwas mehr verbreitet? Vermutlich aber wohl eher Italienisch, und das ähnelt ja dem Spanischen...

Über all diese Überlegungen sind wir dann trotz der Kälte in tiefen Schlummer versunken und morgens um sieben werden wir fit wie die Turnschuhe sein!

Ach so, ich habe heute sogar noch einmal kurz in Germanskiland angerufen. Kurzzeitig stand mal die Verbindung. Wird sicher die letzte Gelegenheit sein. Ich hatte als alter EDVer eigentlich gehofft, die Welt würde im Y2K-Chaos und Anarchie versinken. Leider ist dies nicht geschehen. Schade eigentlich, hätte mir gut gefallen, wenn alle plötzlich gleich geworden wären, weil weltweit alle Schuldenkonten gelöscht worden sind...

2. Tag (4. Januar 2000)

In der Nähe von Ben Guerdane sind wir so gegen 8:00 gestartet. Die Nacht verlief wie immer sehr ruhig und sehr kalt. Die Standheizung will mal wieder nicht. Ich schätze, ich sollte mal den Dieselfilter austauschen, der Wagen springt nach kalten Nächten im Moment immer extrem schlecht an.

Wir starten heute mal ohne Frühstück, schließlich wollen wir möglichst früh am Grenzübergang sein.

Nach ca. einer Stunde sind wir dann auch schon da. Auf tunesischer Seite werden wir einfach nur durch gewunken. Keine Kontrollen, nicht mal die Pässe mußten gezeigt werden.

Auf libyscher Seite wurde es dann doch schon komplizierter. Es stehen nur wenige Fahrzeuge da, insofern haben wir Glück, Die Grenzer sind noch ziemlich gut gelaunt und recht freundlich. Wie immer eine gute Idee, morgens zu den Ersten zu gehören.

Wir bekommen einige Pappendeckel mit arabischen Schriftzeichen in die Hand gedrückt. Vermutlich handelt es sich um die bereits bekannten Zollerklärungen. Sie stimmen mit den tunesischen fast überein. Also vergleichen wir einfach die arabischen Schriftzeichen miteinander und identifizieren so, was in welche Felder eingetragen werden soll. Leider ist kein fremdsprachen fähiger Zöllner anwesend. Außer arabisch wird hier keine andere Sprache gesprochen, wie es scheint. Trotzdem verständigen wir uns mit Händen und Füßen in Bezug auf die Papiere mit einem Grenzer und es klappt sogar einigermaßen. Tja, mit dem berühmten Göttler wäre das nicht passiert. Ich glaube, in dem Buch sind Hardcopies und Vorgehensweise genau beschrieben. Da es uns aber immer zu langweilig ist, nur anderer Leute Informationen nach zu kauen, haben wir eigentlich nie den Nerv, mit Reiseberichten und ähnlichen Leitfäden zu Reisen. Wir haben uns nicht mal GPS Koordinaten und Detailkarten besorgt. Die Erfahrung hat gezeigt, das dies den Spaßfaktor manchmal maximiert, auch wenn es oft schwieriger und manchmal auch stressiger ist.

Beim ausfüllen der Papiere hatten wir Gelegenheit, die vor uns stehenden Tunesier zu beobachten. Offenbar fahren sie täglich zum Schmuggeln über die Grenze. Faszinierend, wie ähnlich die Verstecke überall waren. Allerdings waren die Zöllner recht fit. Zentnerweise wurden Spaghetti (!) Sichergestellt. Bei der Ausreise wird dann Zentnerweise Tee sichergestellt. Benzin können Sie ja nicht beschlagnahmen, weil sich das im Autotank befindet, ehe die Tunesier es zu Hause dann abpumpen und wieder verkaufen...

Die clevereren unter den Schmugglern nahmen einfach Ihre ganze Familie (Frauen!) mit. Die älteren unter den Frauen waren schon von Haus aus sehr füllig. Es viel also nicht auf, wenn Sie sich noch einige Kilo Spaghetti oder Tee (je nach Richtung) um den Bauch banden. In den weiten Gewändern sind die Sachen absolut unauffindbar! Außerdem waren Sie manchmal auch gar nicht in der Lage, bei Aufforderung den Wagen zu verlassen. Jedenfalls nicht ohne fremde Hilfe und darauf hatten die Zöllner dann doch keinen Bock. Ich Wette, die relativ kleinen Mengen an gefunden Nudeln waren eher als Baghschisch gedacht, um das Selbstwertgefühl der Zöllner zu steigern und hatten weniger mit der Unfähigkeit der Schmuggler zu tun.

Jedenfalls wurde niemand irgendwie belästigt, nur weil er Schmuggelte. Es wurde ein wenig gebrüllt und die Ware ging in den Besitz  der Zöllner über. Das war es und alle waren glücklich und fuhren ihres Weges. Schon ganz lustig. Trotzdem war mir etwas mulmig. Immerhin hatten wir Teppiche und Wein und Schweinefleisch und frische Lebensmittel dabei. In den USA wird einem das Zeug schon abgenommen, wenn man nur innerhalb des Landes den Bundesstaat wechselt. Hier war davon jedoch keine Rede. Wir mußten nicht eine Autotür öffnen.

Nach all der Schreiberei war es nun an der Zeit, die Versicherung, das Carnet de Passage und die Kfz-Kennzeichen zu besorgen. Bislang war erst eine Stunde vergangen und wir waren schon recht weit. Die Tatsache, daß mein Reisepaß fast abgelaufen war und viele USA Stempel enthielt, war offenbar egal. Für Notfälle hatte ich noch zwei weitere Reisepässe dabei, aber die waren nie nötig.

Es war etwas schwierig, am Grenzübergang all die Gebäude zu finden, in die man hinein muß, um alle Papiere und Rechnungen bezahlen zu können. Es vergingen darüber noch einmal ca. 3 Stunden.

Alles in allem eigentlich recht entspannt und easy going. Kein Streß, lediglich über Kilometergeld sollten man sich Gedanken machen.

Die Kennzeichen und die Versicherung kosteten uns insgesamt (mit Carnet) runde 400,00 DM. Recht happig, aber in Anbetracht der Tatsache, wie billig der restliche Urlaub verlaufen sollte, durchaus annehmbar.

Die Leute in den Warteschlangen (inzwischen war es voller geworden) waren durchweg freundlich. Oft wurden wir gezwungen, vorgelassen zu werden. Insgesamt war es ein lehrreiches Erlebnis. Die Rückreise würde erheblich schneller und einfacher vonstatten gehen, jetzt wissen wir ja, wie der Hase läuft.

Der ganze Vorgang ist recht harmlos. Halt bürokratisch und absolut umständlich. Manchmal auch etwas Chaotisch, aber alles in allem erträglich. Ich entsinne mich noch an den Grenzübergang Worbis ins andere Deutschland. Das war immer eine ganz andere Nummer und dauerte oft länger und war unglaublich unangenehm und erniedrigend. Naja, anderes Thema..., ist ja jetzt eh gegessen. Trotzdem, an der Grenzerin von damals würde ich mich gerne rächen wollen. Ich hatte immer die gleiche Grenzer-Tante und jedesmal nahm sie mich so vollständig auseinander. Ich habe sie gehaßt. Ich hasse sie noch heute. Hoffentlich treffe ich sie noch einmal wieder, das Gesicht werde ich NIE vergessen, dann hau ich Ihr aufs Maul, grrrr.

Nach der Grenze fuhren wir dann noch etwa 10 Kilometer und bogen dann in Richtung Meer ab.

Wir fuhren an den Strand, versackten dort, fuhren ein wenig zurück und packten erst mal unser Auto um. Danach gönnten wir uns dann endlich ein ausgiebiges Frühstück. Das Dachzelt brachte ich bei der Gelegenheit dann auch gleich noch etwas optimaler an und wir fuhren dann weiter.

Im nächsten Ort tankten wir dann voll. Jetzt wurden auch zum ersten Mal alle Kanister voll gemacht. Am Seitenhalter hängen 3x20 Liter und auf dem Dach ebenfalls noch 2x20 Liter. Damit hatten wir 100 Liter in Kanistern sowie noch einmal 100 Liter in den beiden Tanks des Rovers. 200 Liter Diesel bei 12-14 Liter Verbrauch auf der Straße entspricht also einer Reichweite von Rund 1500 km. Im Sand dürften wir bei rund doppeltem Verbrauch noch immer gute 700 km schaffen. Für Libyen mehr als ausreichend.

Zusammen mit unseren Lebensmitteln und ein-Mann-Rationen und den 100 Litern Wasser dürften wir relativ lange autark sein. Bei der derzeitigen Kälte in der Wüste sollten 3 Liter Wasser am Tag ausreichend sein. Bei längeren Fußmärschen vielleicht max. 5 Liter. 100 Liter durch 5 sind 20 Tage geteilt durch zwei Personen sind 10 Tage. Gutes Gefühl, auf niemanden angewiesen zu sein. Außerdem hatten wir noch eine Wasser Notreserve in der Scheibenwaschanlage. Aber solange es hier nicht heißer als 15-20 ° C am Tag wird, dürfte das wohl alles überflüssig sein.

Der Sprit war übrigens unglaublich billig. Hier in Grenznähe zahlten wir ca. 10 Pf pro Liter. Später sollte es noch rund 40% billiger werden.

Im über nächsten Ort ging es dann Richtung Süden ab. Wir fuhren noch ca. 250 Kilometer auf guter Asphaltstraße bis wir in die Nähe von Nalut kamen. Diese Stadt steht auf einem Gebirgszug und im Abendlicht war sie grandios anzuschauen. Wie ein Scherenschnitt vor dem dunklen Himmel. Die Serpentinenstraße den Berg hinauf erlaubt sehr schöne Ausblicke in die Canyons und ins Tal. Wir schossen einige Bilder und fuhren in die Stadt hinein. Wir mußten bald einen Platz zum übernachten finden, es dämmerte bereits.
Wir durchfuhren die Stadt bis zu einem großen Kreisel Dort fuhren wir dann leider erst einmal in die falsche Richtung. Nach gut 15 Minuten kamen wir am Stadtrand an, Müll allerorten. Leider hörte die Straße dort auf und die Berge fielen steil ab. Offensichtlich waren wir hier verkehrt. Also umkehren. Leider wurde es immer dunkler. Trotzdem ließ ich es mir nicht nehmen, an dem Kreisel nun endlich eins von den überlebensgroßen Ghadafi-Schildern (Handgemalt) zu fotografieren. Sie begegneten uns überall und oft. Sie sind teils wirklich sehr schön. Man mag zu Ghadafi stehen wie man will, ich persönlich finde ihn jedenfalls durchaus sympathisch. Außerdem ist er recht schlagfertig und sein grünes Buch ist zwar eigentlich nichts besonderes, aber es gefällt mir trotz allem. In seinen Interviews finde ich zum Schluß immer so nett, das er allen Zuschauern wünscht, die Ketten des amerikanischen Imperialismus endlich abzuwerfen. Ehrlich gesagt teile ich seine Meinung manchmal durchaus. Wie auch immer, diese riesigen Schilder sind einfach Klasse!
Ghadafi in Uniform, Ghadafi als Berber, Ghadafi als Oberst, Ghadafi im Anzug, Ghadafi im Umhang, Ghadafi in Hemdsärmeln, Ghadafi mit Sonnenbrille, Ghadafi mit Kindern...

Tausendmal besser als diese drögen Honnie Bilder, die man aus alten Zeiten immer in den Kneipen an der Wand hängen hatte.

Nach dem Foto fanden wir dann auch die Einzige andere Ausfahrt aus der Stadt. Mittlerweile wurde es nun dunkel. Wir fuhren noch einige Kilometer um ein wenige Abstand zu dem frisch ausgebrannten Diesellaster zu haben, der am Straßenrand noch vor sich hin rußte. Dann bogen wir von der Straße einfach in einen kleinen gut geschützten Olivenhain ein.

Janet kochte, ich baute das Zelt auf und sammelte Feuerholz. Diese Vorgehensweise behielten wir eigentlich die ganzen vier Wochen großenteils bei. Ab und an kochte ich auch mal mit, aber der Schwerpunkt oblag doch Janet. Harhar, scheint wohl tatsächlich eine normale Rollenverteilung zu sein. Jedenfalls kamen wir beide super damit klar. Außerdem hätten wir auch kein Problem gehabt, die Rollen zu tauschen.

In Nalut gibt es übrigens, wie oft auch in anderen Städten, eine verfallene Berber Burg am Stadtrand. Diese Bauten sind sehr faszinierend und wenn sich so ein Teil mal findet, sollte man unbedingt mal auf Erkundung gehen. Wir haben das leider zu selten getan.
Irgendwann war es gänzlich dunkel, aber wir hatten ein schönes wärmendes Feuer und heißen Apfelwein. Leider ist Janet nicht gerade ein Fan davon. Ich bin weiß Gott kein Hesse, aber das Zeug ist Klasse, genau wie Handkäs mit Musik und Schneegestöber. Im übrigens hatten wir sogar ein Schweizer Fondue dabei (allerdings ohne Set...). Janet und ich bevorzugen eindeutig die internationale Küche. Und davon in der Regel die sehr ausgefallenen Dinge. In erster Linie alles, was streng riecht und schrecklich aussieht. Meist schmeckt es auch entsprechend. Mir ist oft aufgefallen, das sich die Eßgewohnheiten im Laufe der Zeit doch sehr ändern. Ich finde außerdem, das sie sich dabei laufend verbessern und immer internationaler und vermischter werden. Das ist ein Klasse Vorgang und grundsätzlich begrüßen wir beide ihn sehr.

Wir bringen dadurch faszinierende kulinarische Effekte zustande. Allerdings treffen wir häufig Leute, die doch sehr konservative Ansichten in bezug auf die Nahrungsaufnahme haben. Ehrlich gesagt, dann bleibt mehr für mich übrig und das ist ok...

Die Nacht war angenehm, weil wir uns lange am Feuer wärmen konnten. Außerdem habe ich endlich die ultimative Drainage Lösung für kalte Dachzelt Nächte und faule Männer entdeckt. Janet hat das feminine Pendant diesbezüglich bereits vor zwei Wochen entwickelt. Allerdings bevorzuge ich meine Lösung eindeutig, weil ich dabei liegenbleiben kann... Bei ernstgemeintem Interesse bin ich gerne bereit, die absolute Kalte-Nacht-Dachzelt-Pinkel-Lösung-für-Mann-und-Frau zu posten: joerg.scheffler@networks-hannover.de

Durch diese fundamental wichtige Entwicklung ersparten wir uns viele nächtliche Klettertouren vom Auto und die anschließende schreckliche Rückkehr in den nunmehr eiskalten Schlafsack!

3. Tag (5. Januar 2000)

Heute morgen ging es nach ausgiebigen Frühstück weiter in Richtung Ghadames. Wir

wollten ja unsere beiden Begleiter Milan und Manfred finden. Mit den beiden hatte ich mich via Internet in Ghadames verabredet. Wir waren zur selben Zeit ziemlich am selben Ort und hatten auch grob die gleichen Routen vor, wobei unsere eigentlich sowieso nie genau festgelegt war. Der Weg ist halt das Ziel.
Die Fahrt dahin führte uns über Darj. Gegen Abend kamen wir dort an. Wir waren ca. 350 km Straße bis dahin gefahren. Teils war die Straße zum Ende hin schon unter einigen Dünen begraben und an den Seiten erstreckten sich schon die ersten großen Sand- und Dünenfelder.
In Darj an der Tankstelle wurden wir dann von zwei Endurofahrern angesprochen: „Seid ihr Jörg und Janet?“, „Ja, woher ...?“, „Manfred und Milan haben uns von Euch erzählt. Sie warten in Ghadames auf Euch, wir sind Alex und Ralf und fahren auch mit.“...

„Da hinten am Café hängt übrigens ein Zettel für Euch...“. Tja, die Welt ist doch ein Dorf.

Auf dem Zettel stand weiter nix neues. Wir wollten also noch die hundert Kilometer nach Ghadames fahren. Die beiden mit dem Tatra sind nur 40 Minuten vor uns gestartet. Wir hatten also gute Chancen, sie noch einzuholen. Die beiden Endurofahrer wollten in Darj auf uns warten und dann gemeinsam mit uns weiter in die Wüste fahren. Gesagt, getan. Ich tankte noch eben voll, hielt die Tankwarte davon ab, meine Handschuhe, meine Schuhe, meine Armbanduhr, meine Weste und mein Auto geschenkt zu bekommen und dann machten wir uns an den letzten Weg.

Nach gut 1,5 Stunden kamen wir in Ghadames an. Wir fanden auch prompt an einem Café den alten Tatra, der absolut unmöglich zu übersehen war. Manfred und Milan waren gerade in Verhandlung mit einem Führer. Wir handelten mit, teilten den nun neuen Preis durch vier und machten uns auf den Weg in die verlassene Altstadt von Ghadames. Vier Wochen vorher war im Fernsehen noch eine gute Dokumentation über genau diesen Ort, wir waren gespannt.

Die Stadt ist schon außergewöhnlich. Früher war sie sehr Reich, weil sie an einem alten Karawanen Weg liegt. Dort wurden viele Waren umgeschlagen und das sieht man der Stadt heute noch an.

Die Häuser sind zwar nicht mehr bewohnt, die alten Eigentümer leben nun in der  Neustadt. Trotzdem besitzt jeder von Ihnen aus traditionellen Gründen noch eine Wohnung in der Altstadt und pflegt sie auch meist. Ghadames wurde von der UNO zum Welt Kulturerbe erhoben und wegen der Touristen läßt sich damit auch recht gut Geld verdienen, denke ich. Die Führung war jedenfalls großartig. Mohammed, unser Führer sprach gut Englisch. Für Milan, den Tschechen (oder Slowaken?) mußten wir häufig ins Deutsche übersetzen. Es klappte recht gut.

Die Stadt ist sehr Labyrinthisch und in vier Bereiche geteilt. Diese Bereiche wiederum sind aufgeteilt in Frauen und Männer Bereiche. Die Frauen lebten quasi auf den Dächern der Häuser, die alle miteinander verbunden sind, die Männer bewohnten die unteren Gänge der Stadt.

Die Wohnungen sind wunderschön. Herrliche Bemalungen und alles ist voll von Spiegeln und Messingwaren, um das wenige Licht in den Wohnungen optimal zu verteilen. Dadurch haben diese Häuser eine ganz besondere Atmosphäre.  Für jeden Einwohner gibt es in der Stadt übrigens jeweils eine Palme in einem der Außengärten. Das Bewässerungssystem und die Abwasserbeseitigung wurde von Sklaven durchgeführt. Trotzdem herrscht in der Stadt eigentlich noch immer eine dunkle aber freundliche Atmosphäre.

Die Führung nahm einige Stunden in Anspruch. Pünktlich zum zweiten Abendgebet waren wir fertig und unser Führer konnte endlich an den Abendbrot Tisch eilen.

Danach fuhren wir ruhig (ein alter Tatra von `55 fährt eben selten schneller als 70 km/h auf der Straße) zurück nach Darj.

Wir tankten ein weiteres Mal voll und besorgten uns Wasser, kauften noch etwas ein und fuhren Richtung Offroad. Es war inzwischen recht dunkel und darum suchten wir uns schnell einen Nachtplatz (schon auf der Rückfahrt von Ghadames  war es dunkel geworden). Dort kochten wir schnell Thunfisch Spaghetti zusammen.

Tranken den einen oder anderen Jagertee und Scotch aus dem gut ausgestatteten Tatra und  gaben diverse GPS Koordinaten in unsere Geräte ein. Insgesamt besaßen wir drei GPS. Eins für die Motorräder, eins jeweils für Tatra und Landy. Die Tipparbeit wurde durch den Laptop stark vereinfacht! Die Tatra Besatzung (Milan&Manfred) hatten einige sehr gute Fliegerkarten unserer Ziele und Wege dabei. Ralf und Otti (Alex) hatten den Göttler und Janet und ich den Laptop mit den CDROM Karten. Das ganze ergänzte sich recht prächtig.

Wir unterhielten uns noch einige Zeit zum kennenlernen. Die ganze Truppe paßte einfach ausgezeichnet zusammen. Es würde keinerlei Probleme geben, da war ich mir schon nach 10 Minuten sicher.
Der Tatra war übrigens ein faszinierendes Gefährt. Er hatte einen Benzin(!) Motor. Das war schon einmal eine Seltsamkeit. Weiterhin besaß er Portalachsen. Seine Bodenfreiheit war absolut unschlagbar. Das ganze sah sehr vielversprechend aus. Leider zeigte sich bald, das dem dann doch nicht immer so war.

Es gab wohl permanente Probleme mit den Stoßdämpfern (Aufschaukeln). Außerdem stank nach kurzer Zeit die Kupplung sehr stark. Offenbar war sie zu klein ausgelegt. Ich schätze, die Reifen waren etwas groß.

Die Probleme wurden später sehr massiv. Aber so auf den ersten Blick machte der Wagen einen ausgezeichneten Eindruck. Das setzte sich innen fort. Die beiden haben soviel Zeit und Liebe für den Ausbau aufgewendet, das einem drinnen einfach warm ums Herz werden mußte. Das Teil würde ich sofort nehmen! Außerdem funktionierte die Gasheizung und das war schon ein ganz wichtiger Posten auf der Liste!

Milan war früher Werksfahrer (Testfahrer) von Tatra und kannte sein Schätzchen in- und auswendig. Manfred arbeitete in einem Trickfilm Studio. Ralf war freier Zahnarzt und Otti freier Industriedesigner. Janet war Krankenschwester und Biologin (Studentin) und ich bin freier System Analytiker und Informatiker.

Alles Jobs, die einem durchaus ein Maximum an persönlicher Freiheit und Freizeit zu liefern imstande sind. Insofern war die ganze Gruppe auch recht Reise erfahren. Witziger weise war ich übrigens der Einzige Wessi in der Gruppe. Überall immer nur Ossis... Eigentlich trafen wir ausschließlich Ostdeutsche Landsleute.  Wirklich sehr Reise freudig. Außerdem allesamt sehr angenehme, unkomplizierte und experimentierfreudige Zeitgenossen/-innen. Sehr viel angenehmer, als all die Lehrer und Soz.Päds. die man sonst ständig in der weiten Welt trifft. Halt immer die Leute, die nix zu tun haben und reisen können, weil der Staat viel Ferien macht und diese gut bezahlt...harhar!

Was allerdings von Seiten der davon gebeutelten immer aufs heftigste dementiert wird. Aber mir könnt ihr gar nix erzählen. Ich habe zwei Jahre lang acht Stunden an fünf Wochentagen unterrichtet! Korrekturzeiten etc. gingen noch extra drauf und Ferien gab es gar keine! Trotzdem war der Job dermaßen locker, daß nichts, aber auch gar nichts mich in irgendeiner Form davon abbringen kann, zu glauben, Lehrer und SozPäds wären „faule Säcke“, wie unser Kanzler zu sagen pflegte ;-)

Jaja, ein Aufschrei, mal wieder... Aber meine vielschichtigen langjährigen und immer wieder bestätigten Erfahrungen mit diesen diskutier- und abstimmungsfreudigen Philantropen sind eher absolut dämlicher Natur. Natürlich mit Ausnahmen, wie immer. Nehmt also bei Bedarf diese positiven Ausnahmen für Euch in Anspruch...

Wenn genügend Beschwerden kommen, kann ich zu diesem herrlichen Thema ja ein Internet Forum einrichten!

Zu guter Letzt einigten uns dann über den morgigen Tag.

Wir sind alle gespannt wie es wird.

4. Tag (6. Januar 2000)

Heute früh waren 7° Celsius. Die Nacht war angenehm warm. Es ist gar nicht einfach, auf dieser riesigen flachen Hochebene einen Platz für den morgendlichen Spatengang zu finden. Nicht mal die allgegenwärtigen Büsche sind hier. Na ja, es gibt für alles immer eine Lösung, die aber nicht verraten wird.

Gegen 8:30 starteten wir Richtung Südwesten. Wir fuhren weitgehend nach GPS, denn mit dem Kompaß wäre es sehr mühselig geworden. Schon nach ca. 1 km ist ein Fahrzeug vollkommen außer Sicht und man fährt schnell im Kreis. Ohne Orientierungsmöglichkeit hat man keine Chance, hier seinen Weg zu finden, außer die Sonne oder Nachts die Sterne, die übrigens hier absolut großartig sind! Die Ebenen, über die wir hier fahren sind

unglaublich. Noch viel karger und weiter als Patagonien. Man kann die Erdkrümmung permanent am Horizont erkennen. Vollkommen ebene Sand und Kiesflächen,  leicht gewellt. Es sieht aus wie ein riesiger Verkehrsübungsplatz der Regelmäßig geharkt wird. Man verliert ohne Instrument absolut die Orientierung.

Das Wetter ist ganz gut, zwar bewölkt, aber einigermaßen warm.

Wir fahren den ganzen Tag über diese riesige Hochebene. Sie liegt rund 650 m über null. Nichts, aber auch rein gar nichts sorgt mal für eine Abwechslung. Nur kaputte Autoreifen, und ab und zu ein Brunnen und wenige Büsche wechseln miteinander ab.

Gegen 14:00 halten wir bei Bir Rimit. Dort ist ein Brunnen. Er ist sogar bewirtschaftet. Ein Libyer  tritt aus einem der beiden flachen Gebäude. Er lebt dort offenbar. Mutterseelenallein. Er ist sehr freundlich und serviert uns hervorragenden Tee. Ansonsten verstehen wir uns kaum. Leider spricht keiner von uns Französisch.

Sein kleiner Esel sieht gar nicht gut aus, vor einigen Tagen hat ihm ein ital. Touri-Auto den linken Hinterlauf unter dem Knie abgefahren. Er blutet und hat, glaube ich, ziemliche schmerzen.

Unglaublich, wie auf diesem Teller so ein Unfall geschehen kann. Offenbar heizen hier auch diese völlig bescheuerten Knalltüten durch die Gegend denen es völlig scheißegal ist, ob sie hier allein sind oder nicht. Ich hasse diese Pack. Haben es immer eilig und meistens irgendwelche hochgezüchteten überkandidelten Boliden dabei. Außer Müll und Lärm werden sie in ihrem drögen Leben keine sinnvolle Spur hinterlassen.

Ich hab diese Typen schon überall getroffen. Selbst in Feuerland gibt es sie. Leider kann man nichts dagegen unternehmen...

Wir laden den Libyer zum Essen ein. Unsere Gemüsesuppe ist aber gar nicht sein Fall. Aus Höflichkeit nimmt er ein paar Löffel, aber offenbar sind die Spätzle in der Suppe gar nicht sein Ding. Mit einer Entschuldigung reicht er mir den Teller zurück und verlegt sich statt dessen auf  unser Schwarzbrot. Seltsam, das ihm das so gut zu schmecken scheint. Aber egal, wir sind froh, ihm ein wenig für den guten Tee zurückgeben zu können.

Irgendwann trudelt der Tatra auch ein, schneller als 40 km/h kann er nicht fahren im Gelände. Seine Stoßdämpfer sind ziemlich abgeritten. Die Enduros und wir sind teils schon erheblich zügiger gefahren. Es hat den Vorteil, das wir Abends immer genügend Zeit zum Zeltbauen haben und dann im hellen kochen können, während der Tatra noch unterwegs ist. Morgens können wir dafür dann im warmen frühstücken Das ganze ergänzt sich ausgezeichnet und unsere Reisegeschwindigkeit erlaubt häufige Pausen, weil wir von vornherein kürzere Etappen planen und zwischenzeitlich noch immer Zeit für viele Pause haben.

Wir kochen also eine zweite Suppe und sitzen noch ein gutes stündchen Schweigend mit dem Libyer zusammen. In dieser Stunde kommen genau diese Art von Leuten vorbei, die ich weiter vorne, hoffentlich treffend, beschrieben haben. Ein großer Haufen Italiener (wobei die Nationalität völlig schnuppe ist).

Sie donnern auf Quads und Enduros zum Brunnen und warten auf den Monteur LKW der alle Ihre Ausrüstung schleppt. Sie stehen dort ca. eine halbe Stunde. Wir grüßen zwar, aber offenbar ist keine Zeit, den Gruß zu erwidern oder sonst wie zu reagieren – Arschlöcher halt! Sie kommen nicht mal zum Brunnen, um den Einwohner zu Begrüßen und irgendwas zu tauschen oder mal nach dem Esel zu sehen. Immerhin haben sie in fahrendes Krankenhaus dabei. Sie stehen in einem Pulk herum, treten von einem Bein aufs andere und warten, das sie in einem Affenzahn weiter heizen können. Hoffentlich verschwinden sie bald. Gottlob tun sie das auch ohne ein Wort aber dafür um so lauter am Gashahn drehend. Danke!

Wir hoffen alle, in den nächsten Wochen niemanden mehr zu treffen. Auf solche Idioten kann man eh dankend verzichten. Auf Deutschlands Autobahnen trifft man mehr als genug davon (übrigens immer Männer, Ausnahmen bestätigen natürlich auch hier nur die Regel (Vertrieblerinnen unterscheiden sich kaum von Vertrieblern...)

Ach, ich bin froh über meine Schubladen. Jeder paßt hinein und trotzdem braucht man selten mehr als 10 Stk. Davon. Ich stecke natürlich auch in einer davon).

Irgendwann zuckeln wir weiter. Vorher haben wir den armen Esel noch mit Mohrrüben und Sellerie verwöhnt. Am besten wäre es wohl, den armen kleinen Kerl einfach zu erlösen, denn es ist ziemlich klar, was mit ihm in den nächsten Tagen geschehen wird. Aber das würde ich auch wieder nicht übers Herz bringen...

Wir fahren noch viele Stunden über diese Ebene, ohne das sich irgend etwas ändert. Ich finde es herrlich, hier zu fahren. Keinerlei Ablenkung auf das wesentliche. Das Abendlicht wirft Schatten von uns, die bis zu 100 Meter lang sind. Das Licht ist wunderschön. Wir machen viele Fotos in der Hoffnung, ein wenig von der Schönheit für später festzuhalten. Aber ich fürchte, es klappt wieder mal nicht.

Wir suchen uns auf der langen Strecke Feuerholz zusammen und verzurren das Zeug auf den Autodächern. Sieht zwar skuril aus, aber die Arbeit ist es allemal wert. Ohne abendliches Feuer würden wir immer schon gegen 18:00 im Zelt verschwinden. Es ist keine Chance, außerhalb des Zeltes im freien zu übernachten. Der Wind ist nämlich sehr kalt. Die Zelte schützen zumindest davor. Unsere Schlafsäcke sind eindeutig zu dünn. Wir hätten doch Winterschlafsäcke einpacken sollen. Ich lerne halt nie aus.

Wir stehen also im absoluten Nichts. Der Blick ist ungestört bis zum Horizont. Die Stille ist fundamental. Keinerlei Geräusche, nicht mal vom Wind. Am Himmel nicht die kleinste Spur eines Kondensstreifens oder eines Flugzeugs. Es ist herrlich. Nirgendwo habe ich je so einen Platz gefunden. Überall war zumindest das Rauschen des Windes zu hören. Das hier ist absolute Stille. Habe ich noch nie erlebt. Es gefällt mir gut, den anderen glaube ich auch.

Otti und Ralf wechseln im Dunkeln ihre Reifen und ziehen Geländereifen auf. Sie haben reichlich Mühe, mit den kalten Fingern die Reifen umzuziehen, jedenfalls sind sie rund 5 (fünf) Stunden beschäftigt mit Ottis Mofette.

Leichte Probleme mit den Reifenhaltern etc. pp. Aber trotzdem sind die Reifenhalter wohl Gold wert. Leider ist halt nur einer der Reifen viel zu eng und sie quälen sich ein wenig.

Ist schon ein lauschiger Abend, Milan liegt unterm Tatra und schraubt wie noch so oft, Ralf baut das Zelt auf, Janet gräbt eine Feuerstelle und ich mache das Feuer während Manfred kocht und Otti Reifen wechselt.  Arbeitsteilung bis zum Abwinken...

Dann wollen wir Fondue machen. Christopfer (siehe erster Teil) hat uns die Fertigmischung bei unserem Aufenthalt in der Schweiz mitgegeben mit den Worten, es gäbe nichts besseres in der Wüste. Wir waren Anfangs ja skeptisch, aber er hat recht. Bei dieser Mistkälte ist das die optimale Nahrung, weil man gezwungenermaßen dicht am Feuer hocken muß. Ein nettes Foto ist schon in die Schweiz gegangen.  Die Sonnenuntergänge sind wie immer Wunderschön. Es ist auch nicht übermäßig kalt. Hier am Feuer ist es auch eh gemütlicher.

Der Landy hat die bisherige Strecke gut überstanden. Er ächzt und knarrt und quietscht zwar in allen

Verbänden, aber Schäden. Sind bislang keine größeren aufgetreten. Mehr dazu ja auch im ersten Teil. Inzwischen sind wir schon gut 3500 km gefahren. 1800 davon auf Piste, in Dünen und Gelände.

Wir sind nun schon ziemlich lange quer Beet gefahren. Immerhin den Dritten Tag. Wir haben in dieser Zeit außer einigen wilden Dromedaren lediglich bei Bir Rimit die bekloppten Leute getroffen. Seitdem nichts, nicht einmal Tiere, keine Insekten. Absolut nichts. Das Einzige, was sich offenbar überall findet sind alte Autoreifen und Wracks sowie ab und an eine verlassene Baustelle. Diese Baustellen sind auch ein Thema für sich. Meist stehen die Baufahrzeuge noch daneben und verrotten langsam aber sicher. Es sieht immer so aus, als hätten die Leute alles stehen und liegen gelassen und wären zu Fuß von dannen. Oft fanden wir auch Teekessel und Turnschuhe. Daneben natürlich immer Berge von Müll und Unrat.

Trotzdem ist es seltsam, mitten in der Wüste plötzlich ein Denkmal zu finden, das ohne jeden Grund dort steht. Nichts sonst, keine Bauwerke, gar nichts außer einem Haufen Müll und ausgerechnet Turnschuhen. Ich denke, die arabische Mentalität wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben...

Wir haben zwischenzeitlich einige üble Stellen hinter uns gelassen. Einige sehr unangenehme Steinebenen, die aussehen, als würden alle vier Reifen nach spätestens zehn Metern aufgeschlitzt sein. Trotzdem halten die Reifen bislang. Zwar sind überall Schnitte und teilweise tiefe Risse zu sehen, aber sie sind absolut dicht.

Vielleicht liegt es daran, das wir nur in Sandpassagen den Luftdruck verringern und bei Steinwüsten usw. den Druck vorher sofort heraufsetzen. Der ARB Kompressor wird wirklich häufig genutzt und bewährt sich jedesmal aufs Neue.

Unser Sprit reicht noch mindestens für 600 km. Bei den beiden Enduros sieht das etwas anders aus. Derzeit haben Sie ihre Reservekanister im Tatra und ihre Reservereifen auf dem Landy. In ihren Tanks sind selten mehr als 5 Liter (Gewicht!). Mit ihren Kanistern haben sie etwa eine Reichweite von 500-600 km. Im Augenblick ist also nicht mehr allzuviel Sprit da. Sie haben allerdings das Glück, sich Notfalls beim Tatra bedienen zu können, der ja auch ein Benziner ist.

Das Handgelenk, das ich mir vor anderthalb Wochen beim Winchen verletzt habe, schmerzt noch immer. Dummer weise die rechte Hand. Richtig zufassen ist schon lange nicht mehr drin. Zusätzlich zu der Schwellung kommen jetzt noch seltsame Geräusche, die die Sehnen im Unterarm machen. Es quietscht bei jeder Bewegung und fühlt sich sehr unangenehm an. Keine Ahnung, was das sein kann, vermutlich irgendeine ernstere Beschädigung. Es wird jedenfalls eher schlimmer als besser. Immer wenn ich einen Tag die Hand schone, ist es ok und besser, aber irgendwann am selben Tag muß ich dann doch mal fester zupacken und alles geht von vorne los. Eigentlich müßte der Arm völlig stillgelegt werden. Die Frage ist nur, wie ich dann fahren soll... Janet hat ja keinen Führerschein. Also muß es wohl so gehen, wie es jetzt geht. Ralf hat mir Salbe geliehen gegen Zerrungen. Jetzt nach 1 Woche habe ich sie heute erstmals angewendet. Es scheint tatsächlich gut zu helfen. Die Geräusche im Arm werden besser... mal sehen....

So, ich bekomme zu kalte Finger vom Tippen. Außerdem macht das Handgelenk noch immer nicht mit. Ansonsten geht es allen aber ausgezeichnet, von den ewigen kalten Füßen mal abgesehen.

Gute Nacht!

5. Tag (7. Januar2000)

Heute morgen war es mächtig kalt. Eis auf den Schlafsäcken und auf den Campingmöbeln und in den Zelten,

Wir haben ziemlich kalte Füße in den Schlafsäcken bekommen. Nach einem kurzen Frühstück im WoMo einigen wir uns auf die neuen Koordinaten und geben sie ein. Ralf hat etwas Angst, sein Garmin 12 an meinem Laptop anzuschließen, um sich die Tipperei auf dem Mäuseklavier zu sparen. Er redet von Kompatibilitätsproblemen. Ist mir allerdings nix von bekannt. Thomas GPS war das Gleiche und ließ sich beliebig an meinem Laptop betreiben. Naja, wenn er lieber tippen möchte, ist das sein Ding. Ich bin ganz froh, den Schleppie dabei zu haben. Die ganzen Ladegeräte für GPS, Laptop, CD, Mignon Zellen und Kamera machen sich auf jeden Fall bezahlt. Nur leider klappt es nicht, via PCMCIA-Karte die Fotos von den Memory Sticks auf den PC zu laden. Dadurch sind nun schon fast alle Streifen voll. In einigen Tagen muß ich wohl auf meine Uralte AE1 zurückgreifen. Aber ist ja auch ganz schön.

Bei den Koordinaten muß man höllisch auf Tippfehler achten. Sonst kann es leicht passieren, das man sich endgültig verliert. Gerade bei der Umrechnung der Koordinaten durch die Fugawi Software passiert es immer wieder, das unterschiedliche Koordinaten Systeme verwendet werden. Dadurch entstehen unbemerkt teils Kilometergroße Abweichungen. Bislang haben wir sie immer rechtzeitig bemerkt...

Alex und Ralf haben inzwischen die Reifen ihrer Mofetten fast gewechselt. Es hat wirklich ziemlich lange gedauert. Die Reservereifen sind nicht mehr auf unserem Dach sondern am Brush Bar des Landy. Sieht zwar archaisch aus, dafür verdecken sie allerdings auch nicht mehr unsere 55W Solarzelle auf dem Dach.

Gestern abend hatten wir sehr viel Feuerholz gesammelt und das Feuer war entsprechend groß. Heute morgen war es ein leichtes, es wieder an zu bekommen. Bei der Kälte sehr nett. Hoffentlich finden wir auch weiterhin soviel Holz wie bislang.

Nach dem Frühstück sind wir so gegen 9:30 gestartet. Wir fahren über endlos weite leere Kiesebenen. Sie sind nur unterbrochen von Queds und Geröll Feldern. Der Tatra ist ca. 1-2 Stunden hinter uns zurückgefallen. Wir fahren etwa so schnell wie die Motorräder, teil bis zu 100 km/h. Meist aber eher so um die 60-80 km/h. Trotzdem hält der Tatra sich wacker. Die Probleme mit der Kupplung und den Stoßdämpfern werden allerdings von Tag zu Tag schlimmer.

Gegen 14 Uhr entdecken wir in der Nähe eines Waypoints einen verlassenen LKW. Ein Fiat von 196x. Keine Ahnung, wie lange der hier schon steht. Auf einem Reifen ist zwar noch Luftdruck, trotzdem schaut es aus, als würde er hier mindestens seit 2 Jahren sein? Können aber auch 20 sein... Es ist nicht zu erkennen.

Im Tank des Wracks finde ich Diesel. Nahe bei liegt ein 200l Faß. Ich trete dagegen und tatsächlich, es ist voll!

Mit vereinten Kräften richten wir es auf und mit Hammer und Meißel öffne ich den Schraubverschluß. Nicht zu fassen: DIESEL vom feinsten. Sofort machen wir unsere leeren Kanister klar. Leider ist nur unser Landy Dieselbetrieben. Und ich kann leider auch nur 50 l abpumpen. Trotzdem doch eine nette Überraschung. Wir scheinen absolut die Ersten zu sein, die hier nach dem Wrack vorbeigekommen sind. Glück nenne ich das.

Nach der Pump Aktion verschließe ich das Faß wieder fest. Der nächste wird sich freuen. Es ist ja wohl nicht jeder so dämlich, hier einfach dran vorbei zu fahren?

Inzwischen ist der Tatra auch in Sicht. Eine halbe Stunde, und er ist bei uns. Er hatte gar keine gute Fahrt. Eine Abkürzung stellte sich als katastrophale Steinwüste heraus. 3 Meter große Wackermänner. War wohl sehr mühselig, überhaupt dort lang zu kommen. Manfred und Milan sind ziemlich entnervt. Außerdem haben die Stoßdämpfer jetzt wohl den Rest bekommen und die Kupplung ist wohl auch halb verglüht. Langsam wird absehbar, das Sie mit dem Wagen wohl nicht die ganze Strecke schaffen werden. Die harten Strecken kommen ja erst noch. Nach kurzer Inspektion stellt sich auch noch ein Lagerschaden heraus. Trotzdem fahren wir erst einmal weiter.

Weil wir so oft Stunden vor dem Tatra sind, hat es sich als Clever erwiesen, die Sprit Kanister für die Enduros am Landy zu befestigen. Er wird von Tag zu Tag voller, habe ich den Eindruck, obwohl wir futtern wie die Scheunendrescher.

Wir fahren erneut ca. 2 Stunden. Unendliche Ebenen mit großartigen Ausblicken. Allein und ohne GPS verliert man sofort vollkommen jede Orientierung.

Nach einer Minute ist nichts mehr von unseren Mitreisenden zu sehen. Es ist unglaublich, so einsam und verlassen. Wir sind hier nur ein Pickel in der Landschaft.

Irgendwann wechseln sich die Ebenen mit langgezogenen niedrigen Gebirgspassagen ab. Wir fahren durch größere wunderschöne Wadis am Rande dieser Gebirgszüge. Es bieten sich geologisch sehr schöne Formationen zum pausieren an. Überall treten grüne Kupferadern in den Felsen zu Tage. In den Wadis ist es recht windstill und wir finden auch öfter kleine Oasen mit Palmen. Wir fahren ein Stück weiter und halten am Fuße eines kleinen Gebirges. Hier ist ein schöner Platz um den Tatra zu erwarten. Ich klettere auf einen der Berge um ein wenig durchs Fernglas zu schauen. Wir haben schon die ganzen Tage über immer wieder kleine aufgeschichtete Felstürmchen gesehen. Es scheint für jeden Wüstenreisenden ein Muß zu sein, so einen Turm zu bauen. Ich klettere etwas tiefer und fange an, meinen ganz persönlich Turm zu bauen. Die Chance, das er hier in 100 Jahren noch steht ist überaus groß. Vielleicht sogar viel länger, denn tektonisch ist es hier wohl sehr ruhig. Irgendwann nach einiger Zeit des Zwieback kauens sehe ich am Horizont ein Aufblitzen. Es ist der Tatra, wie sich durchs Fernglas, daß sich immer mehr bewährt, zeigt. Er krabbelt gerade von einem Berg am Horizont hinunter. In einer Stunde dürfte er hier sein, wenn er uns findet... Wir haben abseits unseres Wegpunktes hier gehalten.

Ralf baut einen Motorrad Spiegel ab und wir blinkern ein wenig in der Sonne herum. Nach einiger Zeit bekommen wir Antwort vom Tatra, offensichtlich hat er uns gesehen. Das funktioniert also tatsächlich!

Ehe er eintrudelt, nimmt Ralf noch einen kleinen Landy Fahrkurs. Er ist schon die ganzen Tage scharf drauf, mal eine Runde zu drehen. Hier ist offenbar ein potentieller Rover Kunde. Wir geben unser Bestes, ihn endgültig zu überzeugen.

Der Tatra ist inzwischen angekommen...und fährt gleich wieder weiter. Wir wollen noch vor Einbruch der Dunkelheit den Brunnen bei Nabir erreichen. Wir halten noch einmal an einer verlassenen Station oder Bohrstelle. Auch hier haben sie wieder alles stehen und liegen gelassen. In den Hütten finden wir genügend Feuerholz für ein Osterfeuer. Voll beladen machen wir uns wieder auf den Weg.

Vorher lichte ich Ralf noch auf der Kloschüssel ab, die mitten in der Wüste steht. Wie gesagt, ich werde die Araber nie ganz verstehen...

Der Landy sieht nun endgültig urig aus. Vorne Reifen, Winch und Strops, oben Kanister, Zelt, Holz und Metallkisten mit Solarzelle, seitlich Kanister in allen Größen und Farben sowie Sandbleche und Dieselpumpe.

Hinten und auf der Motorhaube ein Reserverad und den HiLift am Heck unter der Dachleiter.

Nicht sehr windschlüpfrig, aber uns gefällt er so.

Wir fahren einige Minuten und am Horizont tauchen DÜNEN auf.

GRRROSSSSE Dünen. Endlich Sand. Der Boden wird weicher, mehr Sand und immer weniger Steine.

Wir lassen Luft an den Fahrzeugen ab. Zumindest am Landy und den Enduros. Milan läßt sich einfach nicht überzeugen, das das irgendwas bringt... Er ist in der Hinsicht ein unglaublicher Dickschädel. Wir fahren mit einem Bar, und zwar ziemlich gut. Die Enduros fahren mit 1,2 Bar und zwar noch besser. An der ersten großen Düne ist erst einmal Spielplatz angesagt. Im Vergleich zu den tunesischen Dünen ist sie enorm. Gut 50 Meter

Hoch. Ralf und Otti haben nun richtig Spaß. Janet und ich halten uns ein wenig zurück. Trotzdem macht es höllisch Spaß. Allerdings kommen wir die Düne nicht ganz hinauf. Sie ist schon extrem Steil. Ich versuche es auf alle möglichen Arten, aber mehr als die Hälfte schaffe ich auch mit 1000 m Anlauf nicht. Die Enduros kommen aber locker hinauf. Oben angekommen kippen sie dann meistens um, wenn sie versuchen, auf dem Dünen Kamm zu halten. Dazu müssen sie eine 90 Grad Kurve drehen, der Dünen Kamm ist aber nicht breiter als 1 cm und dann geht es wieder runter... Das eine oder andere Mal legen sie sich aufs Parkett und müssen die Maschine auch wieder ausbuddeln. Es ist wirklich nicht warm, aber sie sind nach 15 Minuten völlig durchgeweicht.

Darüber ist es dunkel geworden. Wir bauen unser Lager auf, es wird gekocht, gebaut, gesägt und gehackt.

Otti hat einen ganzen Telegrafen Masten an geschleppt. Ich zersäge einige besonders sperrige Teile, aber das Ding fasse ich nicht an. Er wird im Feuer höllisch räuchern, weil er kalfatert ist. Wahrscheinlich so giftiger Rauch, das dadurch zehn Jahre unseres Lebens vergeudet werden. Aber Otti läßt es sich nicht nehmen, ihn an zu kokeln. Das Ding brennt irgendwann sogar. Allerdings steht der Brennwert in keiner Relation zur Giftigkeit der Dämpfe. Es wird so schlimm, das ich den Landy mitsamt Zelt um parke. Gut das ich das Ganze so konstruiert habe, daß das Zelt über die Motorhaube aufklappbar und fixierbar ist...

Heute vernaschen wir unsere letzte Schokolade. Der Whiskey geht heute ebenfalls zur Neige. Schade, jeden Abend ein kleines Schlückchen war schon nett. Jetzt bleibt nur noch mein geheimgehaltener Flachmann.

Der Sternenhimmel ist mal wieder unbeschreiblich. Manfred und ich stehen auf einer hohen Düne und halten Ausschau nach Satelliten. Die sind allerdings meist nur so gegen 18 bis 19 Uhr zu sehen. Dafür sehen wir aber ein UFO. Ich bin ganz sicher, das es eins ist. Auf gar keinen Fall ist es ein Flugzeug oder Satellit. Auch kein Hubschrauber oder sonst irgend etwas. Es bewegt sich in großer Entfernung rasend schnell hin und her und blinkt dabei in sehr unregelmäßigen Abständen. Ich bin sicher, so etwas noch nie gesehen zu haben. Irgendwann ist das Licht dann verschwunden.

Nach Ottis Maschine wechselt jetzt auch Ralf seine Reifen. Die alten Straßenreifen sind ziemlich blank. Im Gegensatz zu möglichst glatten Sandreifen für Autos brauchen die Enduros Profil und Reifenhalter, um zu vermeiden, das der Mantel auf der Felge verrutscht und das Schlauchventil abschert.

Unser Lagerplatz liegt in den Dünen, ganz in der Nähe befindet sich der Brunnen.

Er enthält zwar Wasser, aber nach einem Blick und vor allem einer Geruchsprobe entscheiden wir uns gegen eine Wasserentnahme und auch nur ein Bad.

Wir sitzen wir noch am Feuer und schnacken. Die Nacht wird sehr kalt werden, fürchte ich. Gestern war die Traktionsbatterie am Landy sehr schnell leer. Mein Front Suchscheinwerfer war max. eine Stunde in Betrieb, trotzdem ist die Batterie praktisch leer. 50 Watt sind ja nicht gerade wenig, aber eigentlich müßte sie viel länger halten. Nehme mir vor, das Problem im Auge zu behalten. Wenigsten hat der Batterie Trennschalter dafür gesorgt, daß die Starter Batterie nicht auch noch leer gesaugt wird.

Am Tatra ist ein Lager anscheinend defekt. Milan liegt darunter während wir Wetten darüber abschließen, wann wohl das Rad ganz abfällt...

Dünen sind wohl nicht das richtige Terrain für den Tatra, höchsten große Dünen wegen des

Wendekreises des LKW. Hier in den eng stehenden Dünen hat er kaum eine Chance, sinnvoll zu fahren.

Wasser und Diesel sind noch reichlich vorhanden, trotzdem entscheiden wir uns gegen einen Versuch.

Vor uns liegt noch eine ziemliche Strecke. Für die Enduros wird es etwas knapp werden, wenn sie weiter soviel spielen (am Hahn drehen...).

Der Tatra hat genügend Sprit und könnte auch die Enduros weiter versorgen. Die Frage ist nur, wie lange er uns noch begleiten kann.

6. Tag (8. Januar 2000)

Am nächsten Tag erreichen wir Hasi Nahir. Am Abend vorher hat Ralf noch den Hinterreifen gewechselt.

Das Feuer am Abend war sehr warm und groß. Die Nacht war dafür eiskalt.

Wieder einmal ist überall Eis. Janet ist hinter den Dünen zum waschen verschwunden. Nach 7 Tagen wird es auch mal Zeit dafür. Ich hab allerdings noch keine große Lust dazu. Wir enteisen das Geschirr, tauen die Zelte auf, trocknen die Schlafsäcke und starten.

Wir fahren weit getrennt, haben nur die gemeinsamen Wegpunkte. Die Enduros fahren aus Geschwindigkeitsgründen mit uns. Der Tatra wie immer langsam hinterher. Wir überqueren ein Hochplateau nach dem Anderen. Es sieht aus wie ein gigantisches Monument Valley. Aber riesig und immer neu. Wir stoßen immer an den Abbruch  der Hochplateaus. Dort geht es meist 100-200 Meter senkrecht runter. Wir umfahren die

Ränder solange, bis wir Durchbrüche finden, die bis oben mit Sand zu geweht sind. Dort fahren wir dann immer hinab. Ich muß zwar immer alleine fahren und Janet läuft lieber, aber es ist Spaß pur. Teils bis zu 50 Prozent Gefälle über mehrere hundert Meter.

Vor den Durchbrüchen sind immer hohe Dünen, die überfahren werden müssen. Zuvor geht Janet sie immer ab. Diese Vorgehensweise ist unbedingt einzuhalten. Täten wir das nicht, wären wir längst irgendwo am Ende angekommen, so oder so.

Irgendwann fahren wir auf ein hohes Gebirge zu. Genau in unserer Fahrtrichtung gibt es eine Lücke, etwa 200 Meter breit. Es sieht aus, als wäre hier eine regelrechte Durchfahrt ins Gebirge gesprengt und planiert worden. Trotzdem ist diese Passage absolut natürlich. Über die Berge wäre keine Chance zu kommen, aber der Paß ist exakt in unserer Fahrtrichtung. Wir fahren also hindurch. Karten haben wir ja keine genauen.

Nach kurzer Zeit haben wir den Paß durchquert und stehen am Ende eines riesigen (und hohen) Plateaus. Vor uns geht es knapp 150 Meter Senkrecht nach unten. Um dieses Plateau zu umfahren, müßten wir gut 30 km Umweg im Gelände fahren und vor allem umkehren. Statt dessen suchen wir lieber nach einer Möglichkeit, den Berg hinab zu kommen. Wir fahren am Plateau Rand entlang. Nach einiger Zeit entdecken wir eine sehr steile und sehr abschüssige Rampe. Sie hat sich durch angewehten Sand gebildet und reicht bis oben an unseren Platz heran. Die Steigung beträgt locker 50% schätzen wir. Es wäre kein großes Problem, mit dem Rover hinunter zu fahren, zurück kämen wir allerdings garantiert nicht mehr.

Ralf und Otti sind mal wieder sehr schnell. Ruckzuck sind sie hinunter geheizt. Hat sicher Spaß gemacht. Hinauf kommen sie jetzt aber auch nicht mehr.

Am Steilhang ist eine äußerst enge Stelle. Der Landy dürfte gerade so eben zwischen den beiden Felsen hindurch passen. Wenn er allerdings ins Rutschen gerät und sich dort unten verkantet, hat sich unser Urlaub wohl erledigt. Selbst mit einer Winch würden wir ihn dort nicht mehr wegbekommen.

Außerdem ist es keine gute Idee, es hier jetzt einfach zu versuchen, denn der Tatra ist ja noch weit hinter uns. Was, wenn er eine Panne hat oder fest steckt. Wir könnten ihm nicht mehr helfen, wenn wir hinunter gefahren sind. Erst müßten wir rund einen Tag mit der Rückfahrt verbringen. Also keine gute Idee. Das Risiko ist für uns alle entschieden zu groß. Wir entscheiden uns, oben eine andere Abfahrt zu suchen und dort zu warten, bis der Tatra mit Milan und Manfred entweder auch erscheint oder wir via Fernglas sehen können, das er dieses vermaledeite Problem von vornherein umfahren hat. Die nötigen Karten, dies zu erkennen, haben die beiden jedenfalls dabei.

Wir warten rund 2 Stunden und derzeit suchen wir den Horizont ab. Tatsächlich erscheint nach einiger Zeit ganz weit weg ein beweglicher Punkt. Durchs Glas erkennen wir dann allerdings einen Feuerwehrrot gestrichenen riesigen LKW. Anscheinend ein MAN. So eine Überraschung. Immerhin haben wir wirklich Tagelang niemanden mehr gesehen.

Ich beobachte den LKW und hoffe, der Tatra erscheint auch noch. Und wirklich, da ist er. Etwas weiter zurück und nur schwer zu erkennen, wegen seiner sandfarbenen Lackierung. Die beiden haben also das Gebirge umfahren. Clever...

Nun ist es auch an der Zeit, hinabzufahren. Janet entscheidet sich für den Fußweg, Vorher muß sie mich noch über und um einige hohe Dünen lotsen, die an der Abfahrt oben angeweht sind. Dann stehe ich vor dem Hang.

Huh, reichlich steil. Aber müßte wohl gehen. Jedenfalls keine Felsen, wo wir uns einklemmen können.

Also im Zweiten Gang der Untersetzung hinab. Immer ordentlich Gas geben, auf keinen Fall Bremsen.

Ist schon ein heftiges Gefühl, vor der Windschutzscheibe ausschließlich Sand zu sehen...

Aber es klappt sehr gut. Ohne jedes Problem kann Janet unten wieder einsteigen und wir gesellen uns zu den beiden Enduros. Dies ist das erste Mal, das der Tatra vor uns ein Ziel erreicht. Auch ganz nett, mal hinterher zu fahren. Wir machen uns also an die Verfolgung. Nach einiger Zeit verschwindet das riesige Plateau am Horizont und wir sehen vor uns in der Ferne den rot-weißen LKW. Es sind noch ein anderer 4x4 und drei Enduros bei ihm. Die ganze Truppe besteht aus rund 10 Leuten. Schwer zu sagen, weil überall welche auftauchen und verschwinden. Es ist eine ganze Truppe. Alles Schweizer, wie unschwer am Akzent zu erkennen ist.

Der MAN ist wirklich ein Monstrum. Tatsächlich ein ehemaliges Feuerwehrauto. Hinten mit Doppelachse und einer unglaublich großen Wohnkabine. Ein Riesenteil.

Wir schnacken ein paar Worte miteinander. Sehr gesprächig sind wir wohl alle nicht mehr. Nach einiger Zeit weist uns jemand darauf hin, das dort hinten an dem Pfosten ein Brief für uns hängt! Wir marschieren hin und finden exakt am verabredeten Wegpunkt eine Notiz von Milan und Manfred. Sie sind noch einen Punkt weiter gefahren, weil es noch recht hell war und erwarten uns zum Abendbrot in 30 km Entfernung. Ist schon witzig, Snail Mail in der Wüste...

Alle grinsen ein wenig dösig und wir verabschieden uns von den Schweizern. Die waschen gerade Wäsche und haben überall Leinen gespannt. Vermutlich werden sie hier gleich übernachten.

Wir fahren also wieder weiter. Wahrscheinlich werden wir die Truppe noch öfter sehen. Sie hatten wohl ursprünglich einige Tage Vorsprung. Das erklärt auch die häufig gesichteten frischen Reifenspuren, denen wir öfter mal begegnet sind.

Wir lassen die Schweizer Familie Robinson hinter uns und nehmen also die Tatra Verfolgung auf.
Es ist schon früh am Abend und der nächste Wegpunkt ist noch 30 km entfernt. Leider scheint dies nicht unser Glückstag zu sein. Luftlinie fahren ist heute doch recht anstrengend. Diesmal landen wir zwar nicht auf einem Felsvorsprung, aber dafür in einem Chott. Allerdings ist es Gott sei Dank trocken... Wir überqueren es auf dem kürzesten Weg. Die Enduros mal wieder vorne weg. Sie haben zwar Mühe, voran zu kommen, aber versacken tut niemand. Der Landy fährt recht wacker. Zwar immer Vollgas und mit 60-80 km/h, aber anders geht’s nicht voran. Auch wir kommen ohne stecken zu bleiben mitten über den trockenen Salzsee. Die Dünen dahinter sehen aus der Ferne nicht übermäßig beeindruckend aus. Als wir jedoch direkt davor stehen, ist klar zu erkennen, das es sicher bessere Wege als diesen gibt. Die Dünen sind riesig. Viele hundert Meter insgesamt hoch. Und wir haben wegen der schlechten Karten keine Ahnung, wie es dahinter aussieht. Außerdem wird es langsam dunkel. Das Risiko, dort zu versanden und im Dunkeln fahren zu müssen, ist uns dann doch zu hoch. Wir umfahren also diesen riesigen See, bis wir wieder aus diesem Ringgebirge hinaus sind. Spuren gibt es hier praktisch keine. Hier ist seit Jahren niemand gefahren. Wahrscheinlich haben wir sogar noch Glück, das wir nicht völlig im Schlamm versacken. Der Umweg ist jedenfalls erheblich und kostet uns 40 Minuten des kostbaren Tageslichts.
Trotzdem holen wir den Tatra ganz kurz vorm Zielpunkt noch ein. Wie so oft filmt uns Manfred aus der Dachluke mit der Kamera bei unseren Überholmanövern. Teilweise können wir tatsächlich bis zu 100 km/h fahren. Tja, sind die beiden wieder nicht als Erste am Ziel. Aber dies hier ist ja eh kein Rennen. Der Weg ist das Ziel, das gilt für den 805 Tatra von 1955 noch mehr als für uns.

Unser Wegpunkt liegt inmitten von einem Dünenmeer. Teils sehr steile und bis zu 15 Meter Hohe herrliche Dünen liegen ums uns herum. Mittendrin, aber immer noch am Rande der Wüste liegt auch der Brunnen.
Wir fahren in die Dünen hinein auf der Suche nach einem schönen Nachtlager. In einer kreisrunden Düne werden wir fündig: eine riesige Palme steht mitten drin. Es ist windstill, totenstill. Zwar liegt überall Kamelmist, aber als Heizmaterial ist der durchaus willkommen. Auch einige Büsche mit trockenem Holz liegen in der Nähe. Wir suchen uns also einen Platz für unser Auto und für die Enduro Zelte und warten auf dem Dünen Kamm auf den LKW. Otti heizt mal wieder über die Dünen und sammelt Holz für unser Feuer.
Irgendwann, es ist fast dunkel, taucht der Tatra auf. Wir versuchen ihn zu unserem Platz zu lotsen. Es gibt einen durchaus fahrbaren Weg um die Dünen herum. Ralf fährt hin und erklärt Milan den Weg während ich als Wegpunkt auf der Düne stehe. Leider scheint Milan nicht gewillt zu sein, uns zu besuchen. Er fährt in eine ganz andere Richtung. Offenbar traut er dem Tatra den Weg zu uns nicht zu. Schade, er hat die Schlafsäcke, den Sprit usw. an Bord...
Dabei ist die Strecke hierher wirklich fast eine Straße. Völlig locker zu schaffen. Milan ist echt ein Dickschädel.

So what. Jetzt ist es vollkommen dunkel. Leider auch noch etwas bewölkt. Kein Mond, kaum Sterne. Toll.

Wir bleiben alle auf der Düne und halten Ausschau, aber es ist nichts zu sehen. Wir versuchen es mit rufen und einem Hupkonzert. Nichts.

Nach gut anderthalb Stunden, die wir, inzwischen recht gnatzig, mit einer Lampe auf unserer Düne verbracht haben, sehen wir in der Ferne ebenfalls ein Licht. Unmöglich zu schätzen, wie weit es weg ist. Wir brauchen aber die Schlafsäcke und diverses anders Zeug. Ralf und Otti marschieren also hin, während wir weiter die Stellung halten und leuchten. Ohne das Licht besteht nicht die geringste Chance, wieder zurück zu finden. Man sieht nicht mal die eigenen Spuren im Sand, so dunkel ist es.

Nach gut einer Stunde sind die beiden wieder zurück. Der Tatra ist gar nicht sehr weit von uns entfernt. Ca. 1 km zu laufen. Also machen wir uns zu Dritt auf den Weg, um unser Zeug zu holen. Nach 5 Minuten sind wir alle drei ziemlich durchgeschwitzt. Es ist recht anstrengend, diese steilen Dünen rauf und runter zu marschieren. Aber Spaß macht es trotzdem. Wir kommen irgendwann an. Inzwischen bin ich nicht mehr so sauer, das die beiden uns einfach so haben sitzen lassen. Trotzdem muß ich mich mal beschweren. Ändert allerdings auch nix. Jetzt im Dunkeln ist eh keine Chance mehr, den Platz noch zu wechseln. Milan schraubt mal wieder am Auto. Die Kupplung scheint wohl ziemlich zu stinken. Langsam wird klar, das die beiden hier nicht durchkommen werden. Morgen steht dann vermutlich eine Trennung an. Schade eigentlich, war ein angenehmes Reisen. Aber vorher haben wir ja noch mal einen netten Fußmarsch und ein gutes Frühstück vor uns.

Wir stiefeln also vollgepackt wieder zurück. Wird auch Zeit, Janets Lampe auf der Düne gibt langsam den Geist auf! Als wir ankommen ist es schon zehn Uhr Nachts. So spät sind wir seit drei Wochen nicht mehr auf gewesen... Wir kochen noch ein wenig (Janet hat derzeit schon alles vorbereitet und gegessen und kriecht Müde ins Dachzelt), unterhalten uns kurz noch am Feuer und hauen uns alle aufs Ohr. Sind ziemlich Müde. Dünen fahren ist tatsächlich erstaunlich anstrengend. Selbst im Auto und nicht nur auf den Motorrädern.

7. Tag (9. Januar 2000)

Wir sind heute morgen etwa 25 km westlich von El Hassi aus gestartet. Der Morgen war sehr schön, völlig klar, fast 7 Grad Celsius warm. Die Nacht war ebenfalls nicht kälter als 3 Grad Celsius.

Ralf, Alex und ich nahmen eine open air Wäsche am Brunnen vor. Nach zehn Tagen ohne Dusche und Rasur wurde es dann doch langsam mal Zeit. Das Wasser war jedenfalls ganz ok, die Temperatur lag allerdings doch nur knapp über dem Gefrierpunkt, fürchte ich. Sauber und Fit bauten wir dann unser Lager ab und fuhren diesmal zum Tatra um ein zweites Frühstück serviert zu bekommen.

Dabei besprachen wir die weitere Vorgehensweise. Die Enduros und unser Landy würden direkt

durch die Dünen fahren, der Tatra außen herum. Milan traute der Kupplung wohl keine Sandkasten Spiele mehr zu. Außerdem ist Milan offenbar auch nicht gewillt, mehr Luft aus den Reifen abzulassen. Er fährt hinten mit 1,8 bar... Er ist noch sturer als ich wie mir scheint, denn am Landy haben wir den Luftdruck mittlerweile auf 0,8 bar verringert und fahren prächtig damit im Sand.

Das anfahren fällt DEUTLICH leichter. Tiefer und weicher Sand ist ebenfalls viel einfacher zu bewältigen. Wir fahren also getrennt los. Vorher bekommen wir noch Besuch von den Schweizern vom Vortag. Sie sind also einen halben Tag später auch eingetrudelt, bleiben aber auf Distanz. Meinetwegen gern.

Kurz darauf steht wie aus dem Boden gewachsen ein Beduine bei uns. Keine Ahnung, wo er so plötzlich hergekommen ist. Er sieht aus wie ein Tuareg, auch wenn seine Kleidung nicht den Photos die man so sieht entspricht. Offenbar hat er Hunger. Sein Freund oder Kollege hütet etwa 40 Dromedare am Brunnen. Der Mann freut sich über Feuerzeug, Taschenmesser und Stifte, vor allem aber über unser Brot und Gemüse. Viel haben wir selbst nicht mehr, aber für eine knappe Mahlzeit sollte es den beiden reichen.

Wir fahren heute recht spät, so gegen elf Uhr los.

Der Sand fährt sich super. Wir kommen großartig voran, müssen aber teilweise riesen Umwege in Kauf nehmen, weil die Dünen manches mal unüberwindlich zu sein scheinen. Ralf und Alex haben mächtig Spaß, auch wenn Sie sich öfter mal auf den Dünen kämmen aufs Brett packen. Für dreissig km benötigen wir gut vier Stunden. Die Dünen sind ganz einfach wunderbar. Es macht abartig Spaß hier zu fahren. Die Enduros kommen  voll auf ihre Kosten, drehen immer voll am Hahn. Wir haben zweieinhalb Kanister in den Landy gekippt. so ist das Dach auch mehr entlastet und der Schwerpunkt wandert etwas tiefer. Am Vortag haben wir rund 16-18 Liter auf hundert km verbraucht, ich fürchte, heute wird es noch mehr werden. Aber das ist voll ok, bedenkt man, welche Streckenverhältnisse herrschen.

Das quietschen am linken Vorderrad bei Belastung hält unverändert an. Hört sich mittlerweile fast normal an. Ansonsten riecht es bei Vollast öfter mal nach schmorendem Gummi. Ich krieche öfter unterm Wagen herum, kann aber nichts finden. Ich suche schon seit Wochen...

Wir fahren also unbeeindruckt weiter über die Dünen. Irgendwann gelangen wir durch herrliche enge Pässe in

sehr schöne große Oasen. Überall sind Spuren von der Karawane und von dem Steir-Puch, der vor uns hier entlang gebraten ist. Offenbar mehr gesprungen als gefahren. Aber ich folge seinen Spuren trotzdem. Er ist ausgezeichnet vorgefahren. Wir haben ihn heute früh nur einmal in der Ferne gesehen. Offenbar wieder so ein eiliger Heizer. Aber wenigstens fahren konnte er...

Immer wieder durchqueren wir große Ebenen und Täler. Ab und an taucht jetzt auch der Tatra im Sichtfeld auf. Wir nähern uns immer mehr einander an, weil die Dünen langsam aber sicher immer höher und schwerer zu fahren sind und wir immer öfter lange Pausen einhalten müssen, um unseren weiteren Weg zu erforschen.

Die Dünen sind nun eng. Difizil zu fahren und langsam auch schwierig. Wir nähern uns darum nach Absprache immer mehr den Dünen Rändern hin zur Piste, die außen herum führt.

Irgendwann treffen wir auf den Tatra. Wir beschließen gemeinsam weiter zu fahren.

Nach Überquerung einer besonders hohen Düne fahren wir ca. 100 Meter hinab in einen großen Talkessel. In Fahrtrichtung sieht es so aus, als würde man durch die Dünen kommen. Obwohl kaum Spuren in die Richtung führen, fahren wir hin. Von einer Piste kann eh schon seit Tage nicht mehr die Rede sein. Die meiste Zeit suchen wir ohnehin unseren eigenen Weg.

Der Boden hier ist sehr schwer. Es ist ein Chott! Oben Salzkruste, drunter weicher Sand, fast Schlamm. Wir sinken recht tief ein. Der Landy bläst vor Anstrengung schwarze Wolken raus. Es geht nur mit Untersetzung im Dritten und Vollgas voran, bloß nicht anhalten.

Die Enduros fahren immer wieder vor um zu schauen. Sozusagen unsere Trapper. Die Dünen am Horizont sehen sehr schwierig aus, ohne große Buddel Aktionen werden wir dort kaum hinüber kommen. Wir fahren also am Talkessel Rand weiter, bis wir einen ebenen Ausgang finden. Dort ist auch der Tatra bereits vorbeigekommen.

Unsere Abkürzung war zwar schön aber viel länger als die eigentliche Fahrtroute...

Immer wieder durchqueren wir Chotts, riesige Ebenen, leichte Dünen, wie Walfisch Rücken erscheinen sie vor uns, mit einem Kamm in der Mitte. Völlig unberührt und wunderschön. Gut zu wissen, das unsere Spuren hier nicht lange erhalten bleiben sondern schon nach einigen Stunden, manchmal Minuten schon wieder verschwunden sind.

Wir gelangen an die Pipelinepiste. Nur noch Sand und Chott. Extrem eben, aber schwer zu fahren. Tiefer Sand, sehr stark gespurt. Stundenlang fahren wir diese Piste entlang. Die Motorradfahrer haben in diesem Spuren nicht viel zu lachen. Bei einer längeren Pause drehe ich eine runde auf Ralfs Honda. Es ist extrem schwierig zu fahren, wenn man in die Spuren gerät. Eigentlich kämpft man laufend darum, nicht aufs Brett zu fallen. Es ist äußerst anstrengend. Ich bin ganz froh, daß wir mit dem Auto und nicht meiner DR Big unterwegs sind. Die würde ich hier kaum bewegen können.

Wir fahren wie immer dem Tatra voraus. Die Enduros müssen zwischenzeitlich betankt werden. Sie saufen hier ziemlich heftig. An einem alten Brunnen mit einem defekten Windrad holen wir mit Hilfe meines langen Kletterseils aus dem ca. 12m tiefen Brunnen Frischwasser herauf und füllen unsere Tanks nach. Danach wird das wartende Dromedar betankt. Es kommt von sich aus nicht an das Wasser heran und unsere Vorgänger hatten

es offenbar zu eilig, die hübsche zu versorgen. Sie ist sehr scheu, aber nachdem wir weg sind, wird sie sich schon bedient haben. Jedenfalls haben wir ihr gut 100 Liter Wasser in das dafür vorgesehen Bassin heraufgeholt.

Der Tatra ist mittlerweile auch da. Auch Manfred und Milan frischen Ihre Wasserreserven auf. Das geht recht mühselig vonstatten, da wir alles durch einen defekten und zu kleinen Filter in 150cm Höhe einfüllen müssen.

Nach weiteren Stunden an der Pipeline entlang finden wir einen schönen Nachtplatz. Diesmal ist es früh genug zum Lager bauen und Holz sammeln. Es liegt jede Menge fossiles Holz herum. Leicht zu knacken und gut zu verbrennen.

Heute abend gibt es Riesen Spaghetti und Riesenfeuer. Ich glaube, es wird ziemlich kalt werden.

 8. Tag (10. Januar 2000)

Heute morgen ist unser letztes gemeinsames Frühstück mit Manfred und Milan.

Wir haben noch Holz vom Vorabend übrig und können das Feuer heute morgen noch einmal für Warmwasser und Müllverbrennung nutzen. Dann gibt es ein letztes komfortables Frühstück mir einer letzten Versorgung aus dem Tatra. Wir bauen alle gemeinsam ab, unseren Berg Geschirr vom Vorabend haben wir diesmal bereits den

Abend zuvor abgewaschen. Die Nacht war wieder erwarten recht warm. Wieder über  5°C, also gerade noch im Komfort Bereich meines Schlafsackes. Inzwischen ist es schon ein Luxus, Nachts mal nicht zu frieren...

Eine Rasur wird langsam mal nötig, der Bart juckt. In diesem Jahr habe ich mich noch nicht einmal rasiert. Ich hätte beim letzten Oasen Bad eine Rasur nehmen sollen...

Eigentlich bin ich gegen Kälte sehr unempfindlich, aber mittlerweile ziehe ich Abends alle meine

Klamotten übereinander an. Ich habe ja nur extrem wenig Kleidung dabei. Meine Hose (in Tunesien

gegen meine einzige lange kaputte alte Hose getauscht) sieht entsprechend aus. Nun ja. die Trennung ist da. Milan und Manfred werden ab hier allein weiter müssen. Sie trauen ihrem 55er Tatra mit der stinkenden Kupplung und den defekten Stoßdämpfern hinten die Dünen Überquerung nicht mehr zu. Wir verabschieden uns alle schweren Herzens von den beiden. Schade, es wäre schön gewesen, zusammen die Tour zu beenden. noch dazu, wo die beiden so außerordentlich viel Zeit und Mühe auf ihren armen Tatra verwendet haben.

Er ist so liebevoll restauriert und umgebaut, daß einem echt das Herz blutet, daß wegen dieser blöden

neuen Kupplung ein so schöner Teil der Reise nicht durchgeführt werden kann.

Die beiden werden noch einige Tage hier verbringen, während wir weiter nach Idri fahren. Alex und Ralf holen ihr gesamtes Zeug aus dem Tatra und wir quetschen den Landy bis unter die Decke voll. Ich hatte mich schon darauf gefreut, mehr Platz und weniger Gewicht zu haben. Damit ist es Essig. Vier zusätzliche Wasserkanister, 5 große Taschen, 4 Sprit Kanister, ein Zelt...voll bis unters Deck.

Ich fahre mittlerweile ja nur noch mit 0,8 bar. Aber für diesen Tag muß ich etwas aufpumpen, es kommt mehr Steinwüste auf uns zu. Wir winken den Beiden noch nach und sie fahren ab.

Wir verbleibenden Vier besprechen kurz unsere weitere Route und fahren ebenfalls ab. Erstmal in die gleiche

Richtung. Wir fahren recht lange und mit wenigen Pausen. Viele Hochplateaus und enge Täler, große weite Ebenen. Immer mal wieder Sand, mal Gestein, mal scharfe Reifenkiller... Dann wieder topfebene Kiesflächen, in allen Richtungen bis zum Horizont.

Wir fahren durch mehrere Oasen. Am Anfang wollten wir mehr Dünen fahren, aber es dauert einfach

zu lange. wir umfahren darum den größten Teil. Einmal sehen wir Manfred und Milan durch unser Fernglas (das Nikon ist absolute Spitze!) auf einen Felsen klettern. Ich leuchte mit der Lichthupe, bis sie anfangen zu winken.

Sie haben uns trotz der großen Entfernung entdeckt. Manfred hat sicher sein Glas dabei. Wir fahren weiter. durch viele Oasen. Überall Spuren von Dromedar Karawanen.

Wir sind schon die ganzen Tage über auf wilde Dromedare gestoßen. Sie sind nicht sehr scheu, aber dafür clever und mißtrauisch. Eilig haben sie es aber eigentlich nie. Manchmal habe sie auch Junge dabei, mal gerade einen Meter groß. Diese Tiere werden mir immer sympathischer. Pferde mag ich nicht sonderlich, liegt aber vielleicht auch an deren Reitern, jedenfalls traue ich den Biestern nicht über den Weg. Dromedar sind mir da viel lieber. Die sind längst nicht so hektisch und verschlagen. Außerdem immer Cool und ein freundliches Lächeln haben Sie auch immer. Ab und an mümmeln sie etwas vor sich hin und sind ansonsten absolut pflegeleicht. Und wie gesagt, richtig eilig haben sie es eigentlich nie. Sehr sympathisch!

Inzwischen ist es Abend geworden. Wir haben uns mal wieder ein nettes Plätzchen gesucht. Diesmal mußten wir allerdings wirklich etwas suchen, um wieder unser Holz zu finden, das so gut brennt. Wir machen wie üblich ein großes und vor allem warmes Feuer und kochen ein wenig, eher wir nach einiger Zeit wieder in die Kiste kriechen. Das Fahren war besonders für die Enduro Fahrer sehr anstrengend. Teilweise war ziemlich viel gespurt und das ist wirklich äußerst unangenehm und anstrengend zu fahren. Einschlaf Probleme hat also niemand von uns.

9. Tag (11. Januar 2000)

Am Vormittag haben wir 2,5 Kanister in den Landy geleert. Er trinkt so um die 18 Liter zur Zeit. Jetzt sind wir wieder etwas leichter. Ich habe die Kanister vom Dach genommen, dadurch bessert sich unser Schwerpunkt ein wenig, obwohl wir bislang damit kein Problem hatten. Überhaupt, alle von den Landy Fahrern beklagten Dinge, wie die morsche Hecktür, die Seitenhalter, das Frontrad auf der Haube etc. hält alles SUPER durch. Überhaupt keine Schwierigkeiten mit Sichtfeld Beschränkung, Wasser im Auto (wie auch), wackelnde und scheuernde Fronträder, kaputte Hecktüren, Ölverlust etc. Das einzige ist die Hecktür, weil die mittlerweile durchgerostet ist. Aber ist ja auch schon ein Jahr alt...

Die Motorhaube verliert langsam etwas Lack, aber nur, weil wir mit den sandigen Schuhen ständig auf dem Wagen herum klettern. Außerdem scheuert die Motorhaube stark auf dem Rahmen, aber das läßt sich leicht vermeiden, indem man einfach Moosgummi von einer alten Autotür darunter klebt. Dann wird auch gleich ein etwaiges Klappern der Motorhaube abgestellt und die Haube springt sogar mit Frontrad auf, wenn man innen im Wagen die Verriegelung löst. Normalerweise braucht man sonst zwei Personen um die Motorhaube aufzubekommen oder zumindest ein Werkzeug, das man unter die Verriegelung klemmen kann, damit sie offen bleibt, während man nach vorne geht um die Motorhaube samt Reserverad hoch zu wuchten. Naja, auf solche Feinheiten kommt man halt auch nur, wenn man mit dem Wagen wirklich mal einige Tage in der Pampa unterwegs ist. Jedenfalls hält sich alles, Frau, Mann und Material super. Auch die Enduros haben keinerlei Probleme, abgesehen davon, das öfter mal Öl nachgefüllt werden muß.

Nach all den technischen Betrachtungen mal wieder zurück in die Wüste. Nach einiger Zeit stoßen wir mal wieder auf Ruinen. Diesmal allerdings echte alte Ruinen und nicht die halbfertigen Baustellen aus Beton, von denen niemand weiß, wozu sie da sind. Wir schauen uns das verlassene Dorf aus Steinhäusern etwas genauer an. Offenbar haben hier vor längerer Zeit mal ein Haufen Leute gewohnt. Wir finden so um die 20 Steinhäuser. Allerdings sehr verfallen. Sogar ein verwahrloster Brunnen ist noch da, ansonsten allerdings gar nichts. Bei Abfahrt vom Ruinendorf treffen wir auf einen uralten Toyota Landcruiser (blaues Pickup, wie fast immer hier) mit zwei Arbeitern drin, die offensichtlich die Oasen pflegen. Sie hupen, winken und fahren vorbei.  Zu spät fällt uns ein, das wir für die Motorräder dringend noch ein paar Liter Benzin brauchen könnten. Darum wirft sich Ralf auf die Mofette und düst hinter Ihnen her, während wir wartender weise Pause machen. Nach fast einer Stunde kommt er zurück. Mit gefülltem Kanister. Aber nicht von dem Toyota, sondern von Manfred und Milan. Die beiden sind etwa 30 Minuten hinter uns. Durchs Fernglas entdecke ich sie sogar. Sie klettern auf  irgendwelchen Felsen herum. Wiedermal offenbart sich der Tatra als Glücksfall.

Wir tanken nach und fahren weiter, offiziell haben wir uns ja nun schon verabschiedet. Trotzdem vielen Dank.

Wir gelangen nach einiger Zeit an einen riesigen ausgetrockneten See. Eine Piste führt direkt hindurch. Wir, mit unserem Landy fahren hinein. Die Enduros fahren außen herum. Das ist leider keine gute Idee, der See ist grenzenlos und viel zu groß für die Umfahrung mit den fast leer gefahrenen Enduros. Der Rereservesprit ist ja im Land Rover.

Ich schätze, es sind mindesten 30 km Umweg in schwerem Gelände. So viel Benzin haben die beiden gar nicht dabei. Leider können wir wegen des tiefen Chotts die Piste nicht verlassen um den beiden Nachricht zu geben. Von Ihrer Position aus ist nämlich gar nicht zu sehen, was für ein katastrophaler Umweg vor Ihnen liegt. Wir dürfen den Weg hier nicht verlassen, denn unter einer getrockneten Schicht, die sehr brüchig ist, ist zäher tiefer Schlamm. Sehr zäh wie ich bemerke, als ich probeweise mit einer Fahrzeugseite hineinfahre. Die riesigen Löcher an den Seiten der Piste zeugen von Tagelangen Bemühungen, irgendwelche Trucks wieder frei zu bekommen. Und das mußte eine unglaubliche Sauerei gewesen sein. Gut, daß ich nicht ganz rein gefahren bin. Es ist schlichtweg keine Durchquerung abseits der Piste möglich, ohne wochenlang Dreck zu schaufeln.

Wir fahren also gezwungenermaßen weiter. Am Anfang waren die Motorräder noch in Sicht, doch inzwischen finden wir sie nicht mal mehr mit dem Fernglas. Wir haben den Matsch See komplett umfahren und warten und suchen das weit entfernte ewig lange Ufer ab, aber keine Spur von den Enduros. Was tun?

Irgendwann entscheiden wir, zurück zu fahren, vor einiger Zeit haben wir eine Querung zum Ufer gesehen.

Leider sind die Enduros stumpf dran vorbei gebraten...

Wir fahren an den Uferrand und suchen die Enduro Spuren. Dort sind sie auch, also hinterher fahren.

Es sind nur zwei Spuren, dem zu Folge sind sie noch nicht umgekehrt.

Nach einiger Zeit kommen sie uns dann tatsächlich entgegen. Uff. Anscheinend haben Sie uns wohl umkehren gesehen und bemerkt, das irgendwas nicht stimmen kann.

Wir fahren alle gemeinsam zurück und wieder über die Querung auf die Piste mitten im "See" oder besser Chott.

Alles geht diesmal klar. Nach einiger Zeit erreichen wir erneut, diesmal zusammen, das Ende des Sees. Nach kurzem suchen stoßen wir auf den Beginn einer fast unter Sanddünen begrabenen Teerstraße. Dies muß die Pipelinepiste sein, die direkt nach Idri führt!

Wir fahren auf ihr weiter. Zwar ist sie in einem miesen Zustand, aber trotzdem kommen wir schnell voran. Wir kacheln mit 80-90 Sachen über diese Piste, von einer Straße kann man wirklich nicht reden.

Im Göttler wird von der Durchquerung von Idri wegen der strengen Polizeikontrollen abgeraten. Andererseits brauchen wir Sprit für die Enduros und Lebensmittel.

Wir fahren auf den Ort zu. Ralf bekommt prompt in den Müllhalden, die vor jedem Ort durchquert werden müssen, eine Reifenpanne. Wie immer gilt scheinbar,  je mehr Müll, desto Reicher vielleicht?

Jedenfalls kehren wir um, ist ein schlechtes Omen.

Wir fahren also lieber außer Sicht des Ortes und reparieren den Schlauch. Wechseln bei der Gelegenheit auch

gleich den abgefahrenen Reifen aus.

Dann umfahren wir Idri, bis wir auf eine Asphaltstraße stoßen. Dort finden wir nach ca. 30 km endlich auch

eine Tankstelle.

Wir kippen alles voll, von meinen 5 20l Dieselkanistern nehmen wir einen noch für Motorrad Benzin dazu. Der Landy hat wegen seiner beiden Tanks und der fünf 20 Liter Kanister eigentlich immer genügend Diesel dabei.

Wir werden noch schnell auf einen Tee eingeladen, dann fahren wir bis in den nächsten Ort weiter um noch einzukaufen. Es ist schon 16:30. Schlechte Zeit für Einkäufe.

Wir fragen uns durch, bis wir so ziemlich alle Einheimischen um uns herum versammelt haben. Ich fahre mit

einem von ihnen zu einem offenen Geschäft.

Dort bekomme ich die einzigen zwei Liter O-Saft aus Deutschland, das einzige Glas Oliven, das letzte Glas Erdbeermarmelade und das war es dann auch. Kein Wasser, kein Brot, kein Gemüse, kein Obst. Wir wollen auf jeden Fall Wasser aus Flaschen. Das Wasser vom den Wüstenbrunnen schmeckt nicht sonderlich und riecht noch

schlechter. Es ist zwar trinkbar, aber nur mit absolutem Widerwillen und Brechreiz. Die Certisil Tabletten machen das ganze nicht leckerer. Selbst starker Kaffee oder Tee ist praktisch ungenießbar. Außerdem weigert sich Janet, überhaupt noch etwas von dem Wasser zu trinken. Ihr wird schlecht davon. Ein alter Mann in einem alten Toyota LC45 bietet uns an, uns Brot von sich zu geben. Wir fahren hinter ihm und dem Rest der Dorfbewohner zu seinem Heim. Dort stehen noch mehr Leute. Es gibt viel trara, jede Menge how do you do‘s, Händeschütteln ohne Ende, viel Gerede. Ich verteile wie ein Weltmeister Schreiber, Lollies und Feuerzeuge.

Irgendwann wissen dann endlich alle im Dorf, das wir die Gäste - des nun viel wichtigeren ... - alten Mannes

sind. Wir bekommen die Brote geschenkt und werden noch zum Essen eingeladen. Ich schenke allerdings ein Zippo zurück. Zwar kein echtes, aber es sieht genauso aus und funktioniert exakt gleich. Er ist begeistert, alle Deutschen "gut Kamerad". Hihi. Kurz darauf macht ihm seine Frau die Hölle heiß. Sie glaubt nicht, das man das Feuerzeug mit normalem Benzin betreiben kann und verlangt von mir die Probe aufs Exempel. Gemacht, getan, alle sind glücklich, selbst seine Frau kann ein Lächeln nicht unterdrücken.

Er lädt uns nun sogar noch zum Essen ein. Leider ist es schon zu Spät, wir müssen ja noch irgendwo einen Übernachtungsplatz im Gelände finden. Im Dunkeln mit den Mopeds ist es zu gefährlich. Also fahren wir wieder unter lautem Hallo los. Außerhalb der Stadt finden wir einen ungastlichen zugigen kalten Hang. Einer ist hier wie der andere, also machen wir alles klar für die Nacht. Janet und ich machen Küche, Alex besorgt Feuerholz und Ralf baut das Zelt. Es klappt immer alles wie geschmiert. Irgendwann haben wir gute Suppe. Viele Dosen und ein warmes Feuer.

Ich gehe Früh zu Bett, bin ziemlich Müde, habe mir den Hals verrenkt und möchte noch etwas lesen. Nach zwei stunden krabbelt Janet zu mir aufs Dach und wir knacken 12 Stunden ab, und zwar bei Luxuriösen 5

Grad  Celsius!

10. Tag (12. Januar 2000)

Der kalte zugige Hang ist auch am morgen bei Sonnenschein nicht gastlicher. Wir machen,

das wir Frühstücken und fahren schnell ab.

Dadurch, daß die Straße zu hören war und Strommasten herumstehen, wirkt die Landschaft unglaublich trostlos. Komisch, dabei haben wir an ähnlichen Stellen übernachtet und fanden es großartig, bloß weil keine Spur von Zivilisation im Umkreis von 100 km war. Das ist schon seltsam, aber die anderen empfinden es genauso.

Wir fahren auf der absolut schlechten Asphaltstraße weiter. Vom ewigen betätigen der Lichthupe werde ich noch einen Tennisarm bekommen. Fast jedes Auto grüßt uns enthusiastisch auf diese Art. In den Orten kommt noch das freundliche winken der Passanten hinzu...

Wir fahren in den nächsten größeren Ort. Dort ergänzen die Motorräder Motoröl, und zwar viel. Außerdem sind die Luftfilter ziemlich zugesetzt. Leider ist nicht genug Wasser da, um sie gründlich zu waschen. In meinem K&N Filter ist gar nichts drin. ein Hoch auf den Zyklon Schnorchel, zumindest in Staub und Sand erledigt er seine Aufgabe vorzüglich. In den Enduros sind auch K&N Filter eingebaut. Sie haben halt den Vorteil, mehr Luft durchzulassen und dabei sind sie auch noch auswaschbar und müssen eigentlich nie ersetzt werden.

Die einheimischen machen lediglich Pappendeckel vor den Kühlergrill, zum Schutz vor dem Staub. Der ist inzwischen überall. Die Türschlösser gehen immer schlechter und knirschen unwirsch vor sich hin.

Ein Popniet am Heck ist abgerissen, die hintere Tür hängt. In allen Scharnieren knarzt es, der ganze Wagen ist voller Staub und Sand....

Aber das einkaufen in dem Ort entschädigt für vieles. Wir kaufen Kiloweise Obst und Gemüse ein. Kekse, Schokolade, Waschmittel, Dosen und WASSER. 24 1,5 Liter Flaschen reinstes Mineralwasser! Klasse. Und es schmeckt endlich wieder, ganz im Gegensatz zu dem oft fast ungenießbaren Brunnenwasser. Man erklärt uns, wo der Bäcker ist und wider Erwarten finden wir ihn schnell: Dort stehen mal wieder viele Leute um das obligatorische Loch in der Stahltür.

Wir setzen uns dazu uns warten wie alle anderen, daß das Brot gebacken wird. Es riecht schon jetzt köstlich.

Die Zwischenzeit vertreibe ich mir dadurch, jede Menge Buntstifte, Kulis und Feuerzeuge an die Kinder zu verschenken.

Kinder gibt es hier weiß Gott genug... sie sind anfangs etwas mißtrauisch, aber mit ein paar faxen leicht zu gewinnen. Außerdem lutsche ich ihnen was auf dem Lollie vor. Plötzlich wollen alle einen haben. Meine wundersame tausend Taschen Weste versetzt sie offensichtlich in Erstaunen, weil sie unendliche Mengen von interessanten Dingen zutage fördert.

Eben einfach alles. Darum habe ich sie ja auch. Ist schon witzig, heimlich starren sie mich an, als käme ich vom Mond. Viele grinsen über beide Ohren. Es macht Spaß hier zu sitzen. In Deutschland beim Bäcker wird man ja normalerweise schon angemacht, wenn man sich anstelle in die Schlange einzureihen erst mal nach vorne vors Regal stellt, um überhaupt mal zu gucken, was es eigentlich gibt.

Irgendwann ist das Brot fertig. Wir waren zwar nicht die Ersten, aber alle rücken beiseite und wir werden nach vorne durchgereicht Dann bekommen wir das komplette Backblech ausgehändigt und dazu noch Handschuhe, denn es glüht fast. Superklasse, ofenfrisch und heiß. Ich wuchte den Schatz zum Auto, Alex zahlt, das ganze kostet unglaubliche 0,25 Dinar. Für zehn gute Brote, ich fasse es nicht. Ausländer werden bei uns garantiert

nicht bevorzugt, aber hier ist das das normalste von der Welt. Wenn wir nicht so blöd und wichtigtuerisch wären, könnten wir z.b. von den Libyern eine ganze Menge über freundliches Miteinander lernen! Wir dürfen sogar  noch ein paar Fotos von der ganzen Combo machen (sie haben es uns erlaubt).

Dann fahren wir unter lauten gehupe, geblinke und gewinke von dannen.

Einkaufen kann auch Spaß machen, völlig streß frei sein. Nur nicht in der Dienstleistungswüste, sehr wohl aber in der Sandwüste!.

Wir durchfahren jetzt alle weiteren Orte. Ich programmiere lediglich die Tankstellen ins GPS. Wir fahren 250 km unter ständiger Betätigung der Lichthupe. Den Blinker und die Bremsen brauche ich eigentlich nie...

Irgendwann kommen wir in Sebha an. Der Göttler schreibt nicht sehr positiv über diesen Ausnahmeort. Hört sich alles schrecklich Gefährlich an. Wir fahren trotzdem hinein. Tja, sieht aus wie die Bronxx, zumindest Teilweise, aber keiner schießt auf uns ;-)...

Egal. Wir wollen eh weiter. Nach weiteren 100 km tanken wir erneut, nachdem die Tankstelle selbst getankt hat.

In der Wartezeit bewundere ich all meine geliebten Peugeot 404 und 504. Ich hatte selber einige. Der älteste von meinen war Auto des Jahres 1969 (nunmehr fahre ich aber noch einen 403er von 1958). Heckscheiben Heizung serienmäßig. Integrierte Kopfstützen und faszinierende Sicherheitsgurte. Der Schrecken jeder Tramperin, die ich mitgenommen habe. Aber ein geiler Wagen war es. 450000 km hat er mit einer Maschine geschafft. Allerdings ohne Anlasser mit viel schieben.

Aber ich bin immer angekommen, zumindest wenn ein Berg oder Hügel oder eine Düne zum Anrollen da war. Die Kisten hier sehen genauso aus. Alex und Ralf haben ihre Luftfilter nun endlich gründlich gewaschen. Wir fahren weiter. Auch den nächsten Ort durchfahren wir ohne Halt. Alle Kontrollen haben wir übrigens völlig unbehelligt durchfahren. Langsam heran fahren, lächeln, winken, weiter... kein Thema.

Hinter einem Ort kommt irgendwann der Einstieg in die Wüstenroute durch die Dünen. Wir finden ihn dank GPS auf den Meter genau und fahren auf die herrlich hohen Dünen zu. Es ist sehr bewölkt und es sieht nach Regen aus.

Eine geführte Expedition aus vier Fahrzeugen kommt uns aus der Wüste entgegen. Touris mit einheimischen Führern in professionellen Fahrzeugen von der libyschen Tourismusbehörde. Blinken, weiter, weiter.

Da es schon recht dunkel wird, entscheiden wir uns, zurück nach Germa zu fahren, Janet hatte dort ein Youth Hostel und einen Campingplatz mit Hotel gesehen. Immerhin haben wir seit 31.12.99 nicht mehr geduscht und rasiert, heute ist der 12.1...

Wir kurven einige Zeit herum, bis wir die Jugendherberge gefunden haben. Die Leute dort sind wie immer freundlich und es ist offenbar nur ein einziger Gast anwesend, wie uns gesagt wird. Wie immer zeigen wir die Ausweise vor und bekommen unsere Zimmer zugewiesen. Gleichzeitig mach wir noch das Abendessen klar.

Nach einer ausgiebigen Dusche (Warm!) und Couz-Couz trafen wir sogar noch einen deutschen aus Nürnberg,

der via trampen unterwegs ist. Er kommt aus Ägypten und will nach Marokko weiter und dann nach Paris

fliegen. Schräger Typ, netter Trip.

Nach dem Couz-Couz gehen wir dann auf eins unserer Zimmer um noch einen Tee bzw. Ricoree zu kochen und zu klönen. Dann ab in die ultra weichen Betten und träumen von der morgigen Dünentour zu den Mandaraseen.

Die Strecke soll recht schwierig sein. Wir testen wohl erst mal die einfache Tour hin und entscheiden dann, evtl. die Strecke weiter nach Norden durch die Wüste zu fahren. Die Dünen sollen angeblich über 100 Meter hoch und extrem schwer zu fahren sein... mal sehen. Wir haben Stories gehört, von Leuten die für die hundert Kilometer Luftlinie acht Tage und mehr benötigt haben sollen. Soviel Zeit haben wir bei weitem nicht mehr, leider. Wir können uns maximal drei Tage Zeit lassen. Ich versinke langsam in Schlummer und träume schon wieder von der zweiten warmem Dusche morgen früh. Hier in der Jugendherberge ist es so schweine kalt.

11. Tag (13. Januar 2000)

Heute morgen sind wir aus der Jugendherberge nach einem frugalen Frühstück gestartet. Es gab sogar gekochte Eier... Wir fahren so gegen 9:30 los, den Göttler Einstieg in die Piste müssen wir gezwungenermaßen nehmen, da der Erste Einstieg durch Messerdraht versperrt ist. Das Wetter ist miserabel. Ständiger  Regen. Der fing schon am Vortag an und in der Nacht gab es wahre Wolkenbrüche. Heute morgen ist es total bewölkt. Alles grau und überall tiefschwarze Wolken. Wie in Deutschland...

Wir fahren nach dem obligatorischen Luft ablassen auf ein Bar in die Dünen. Vorher geben wir noch einige Koordinaten ein, um uns ggf. wiederfinden zu können, falls jemand verloren geht. Die Dünen sind feucht und superb befahrbar. Nach bereits 30 Minuten über leichte Dünen kommen wir an dem ersten der Mandara Seen an.  Wir steigen aus und es schüttet wie aus Eimern. Ohne unser großes  Tarp wären wir sofort klatschnaß. Gut das wir es dabei haben. Wer hätte auch gedacht, das wir Dauerregen in der Sahara vorfinden würden.

Das ganze ist zwar ein Foto wert, auch wenn das Licht absolut mies ist, aber das ist es dann auch schon. Wir machen, das wir weiter kommen. Immerhin naschen wir einen Haufen frische Datteln direkt von der Palme, sozusagen Wasser gekühlt. In einer kurzen Regenpause bauen wir wieder ab, neue Wolkenbrüche kommen aber schon in unsere Nähe. So toll war der See nicht, fast ausgetrocknet. Viel Müll, jede Menge geführte Pauschi Touren. Nach nur wenigen Minuten Fahrzeit kommen wir zum nächsten See, Um El Ma. Herrlich grünes Wasser und ein richtiger See, nicht so ein Schlammtümpel wie vorhin. Einige Geländewagen stehen vereinzelt mit aufgeklappten Dachzelt herum, ansonsten herrliche Ruhe. Sogar die Sonne läßt sich kurz blicken.

Bei  schönem warmen Wetter wäre ich gern in den See gesprungen...

Wir wollen gerade weiter, als ein Tuareg vorbeikommt. Er führte uns zu einer dreier Gruppe von weiteren Tuaregs in einigen Palmwedel Hütten. Offenbar ist Zeit, das Handeln zu beginnen. Janet hat es eine schöne Brosche angetan. Mir gefällt ein schöner Dolch und eine kleine Kamel Ledertasche. Alex und Ralf feilschen um Schmuck. Es regnet und regnet. Der Handel dauerte also an. Die Brosche und die Tasche bekommen wir zu einem annehmbaren Preis, bei dem Dolch bin ich mir. Nicht sicher. Er sollte 200 US Dollar kosten! Bekommen habe ich ihn nach langem Handeln für die Hälfte und ein falsches Zippo. Er ist mit Sicherheit aus Silber, also denke ich, zumindest bin ich nicht betrogen worden. Vielleicht ein wenig übers Ohr gehauen, aber das ist ja meine Schuld. Es fragt sich halt, wieviel Messing dem Silber beigemischt ist. Die Handelei wird irgendwann nervig und das Wetter besser. Trotzdem ist es echt schwer, dort wegzukommen. Leider können wir mit dem Bier aus Niger nicht soviel anfangen: Zwar ist es Schmuggelware, aber alkoholfreie...

Um einige Kohle ärmer aber um ein paar schöne Dinge reicher fahren wir weiter in Richtung Norden. Wir haben uns entschieden, die Wüste nordöstlich zu durchqueren. Das sind insgesamt ca. 120 km Luftlinie, ca. 80 km davon sind reinste Dünen. Das ganze darf max. 3 Tage dauern. Trotz unserer Zeitknappheit wollen wir einmal richtig Sandwüste fahren. Wir wissen natürlich, daß 70 km Luftlinie durchaus 160 km Fahrstrecke sein können. Das wären ungünstigsten falls weit mehr als drei Tage. Aber wie gesagt, der Sand trägt wegen des Regens sehr gut und wir haben auch schon ganz ordentlich Übung. Wir schaffen am ersten Tag fast 40 km Luftlinie. Zwischendurch fahren wir in Begleitung eines großen Landcruisers aus Frankreich. Ein Ehepaar hat für kurze Zeit die gleiche Strecke wie wir. Herrliche Dünen Felder wechseln sich mit Sandebenen ab. Wunderbare Ausblicke mit außergewöhnlichen Farben ergeben sich immer wieder. Leider nicht besonders gut zu fotografieren, daß Wetter ist einfach zu mies und die Sicht könnte besser sein. Kein gutes Fotolicht.

Die beiden netten Franzosen wollen nach Gabroon. Wir fahren also ein Stück zusammen Richtung Norden. An einer ziemlich normalen Düne machte ich erstmals richtig Mist. Die Sicht ist so schlecht, das ich die Düne der Motorradspur folgend anfahre und nicht sehe, das ich völlig schräg darauf zu fahre. Blöd, denn die Mofetten fahren meist schräg auf die Dünen hinauf. Wir rutschen weg und Haarscharf kommen wir am umkippen vorbei. Wir steckten mit über 40 Grad schräg Lage am Steilhang im Sand fest, es geht nicht vor, noch zurück.

Ab 35 Grad sollte der Landy eigentlich schon umgekippt sein, erst recht mit der hohen Dachlast, wir haben großes Glück. Als Janet fluchtartig das Auto verlassen will, schreie ich Sie an, bloß sitzen zu bleiben, weil ich fürchte, das könnte ihn endgültig zum umkippen bringen. Sie bekommt die Tür ohnehin nicht auf, so schräg steht der Wagen... Meine dagegen reißt mich fast aus dem Auto, als ich sie öffne.

Wir klinken den Toyota seitlich vorn an unseren Bullbar, zur Sicherung und graben gut 30 Minuten wie die Weltmeister. Zwischendurch versuchen wir immer wieder frei zu kommen, aber wegen der extremen Schräglage kann ich nicht richtig manövrieren und buddele lieber einige Minuten länger, als die Rolle zu machen.

Irgendwann kommen wir frei. Leider leicht verbogen, weil der Toyota zwischendurch einmal kräftig am Seil ruckt. So what.

Unsere Patina wird also immer echter. Überall neue Kratzer, Beulen und Biegungen. Wird mächtig Arbeit sein, ihn zu Hause auch nur zu reinigen. Trotz sehr hoher und sehr steiler Dünen kommen wir wieder gut voran. Irgendwann fährt der Toyota in Richtung Gabroon nach Osten weiter. Wir wollen jedoch weiter Richtung Norden. Spuren sind nun kaum noch zu sehen. Die Dünen sind noch immer sehr fest, das Fahren macht höllischen Spaß.

Aber man muß auch höllisch aufpassen. Immer wieder tun sich große und tiefe Trichter direkt hinter den Dünen Kämmen auf. Oft sind sehr hohe Wellen in den Dünen, die man aber erst bemerkt, wenn der Wagen darüber springt. Einige Dünen sind oben so steil, daß wir oft nur mit mächtig Anlauf über die Kämme kommen. Ich fahre mich noch ein weiteres mal fest. Genau auf dem Kamm. Alle Viere sind in der Luft, und das bei dem kurzen Radstand des sehr hochbeinigen Landies. Trotzdem Aufgesessen. Mit etwas Buddelei kommen wir

weiter. Die Enduros haben kaum Probleme. Sie graben sich sehr selten ein. Die beiden fahren aber auch hervorragend. Hätte ich nie gegen an stinken können, mit meinen beschränkten Enduro Erfahrungen.

Sie ersparen Janet viele Fußwege, denn sie Scouten oft den Weg voraus und winken uns an die richtigen Stellen heran. Das spart unglaublich viel Zeit und Kletterei und ich muß selten halten, also kaum Gefahr, sich  festzufahren. Leider ist das Wetter bis zum Abend noch genauso mies wie den ganzen Tag über.

Schlimmer als in Deutschland im November. Wir suchen uns zwischen einigen sehr großen Dünen einen Platz für die Nacht. bauen das Tarp auf und kochen gut.

Feuerholz findet Alex auch genug, so das wir nicht frierend in die Schlafsäcke steigen müssen.

Der Platz hier ist einer der schönsten bislang. Wirklich schade, daß so schlechtes Wetter ist. Alle Nase lang muß das Wasser vom Tarp abgegossen werden.

12. Tag (14. Januar 2000)

Heute morgen war super Wetter. Glasklarer blauer Himmel und Sonne satt. Die Mottoradklamotten unserer beiden Mitfahrer sind auch trocken. Das Feuer hat diesbezüglich wohl seine Schuldigkeit getan. Wir brechen mal wieder unsere Zelte ab. Dann Frühstücken wir noch gut und weiter geht es. Diese Nacht war wirklich sehr angenehm. Wunderbar warm war es im Schlafsack, diesmal hat keiner von uns gefroren. Anscheinend wird es jetzt doch von Tag zu Tag wärmer. In der Nacht hat Janet ein merkwürdiges Geräusch über uns gehört. Es soll wie ein sehr lautes und unglaublich langsam fliegendes Flugzeug geklungen haben. Fast wie ein fernes Gewitter,

nur viel lauter. Sie traute sich jedenfalls nicht nachzuschauen. Vielleicht ein neues amerikanisches Spionageflugzeug? Ich hoffe, es war ein UFO! Immerhin lese ich schon mein leben lang Science Fiction. Es wird also mal Zeit, das mir eins begegnet. Auch wenn ich dabei wie ein Toter schlafe. Ich hab mich jedenfalls geärgert, das ich nicht wach war. Die beiden anderen haben es wohl auch mitbekommen. Schade, hätte mir das gern angehört und vor allem angeschaut. Wir fahren zurück auf unsere Route, zum übernachten haben wir uns abseits unserer Richtung etwas suchen müssen. Die Dünen sind sehr groß und tragen recht gut. Zumindest so früh am Morgen sorgt der Tau für etwas feuchten Sand. Allerdings gibt es öfter mal Tiefsandstellen in denen wir trotzdem hängenbleiben. Urplötzlich versackt der Wagen bis an die Achsen. Ein Meter vorher ist der Sand noch fest. Es ist absolut unmöglich, zu erkennen, wie diese Stellen zu identifizieren sind. Trotzdem fahren wir uns  kein einziges Mal so fest, das wir graben müssen. Langsam bekomme ich Respekt vor mir selbst, nach all den Horrorgeschichten der Afrikafahrer hab ich mir das Fahren hier doch erheblich schwerer vorgestellt. Wir fahren gut 4 Stunden und schaffen dabei ca. 30 km Luftlinie. Alles ohne große Probleme. Es gibt schon lange keine Spuren mehr, offensichtlich fährt hier sehr selten jemand. Wir müssen uns also unseren Weg selber suchen. Irgendwann bekommt man tatsächlich ein Gefühl für den rechten Weg im Sand. Ohne erkennbare Gründe fahre ich oft einen bestimmten Punkt an und meist war es der optimale Platz um weiter zu kommen. Vielleicht ist es aber auch überall gleich einfach zu fahren? Ich weiß es ehrlich nicht.

Heute macht es noch weit mehr Spaß als am Vortag. Das Wetter war sehr Wüsten mäßig. Sonne satt, wenn auch kühl. Irgendwann kommen wir an den Rand der großen Dünen Felder. Eine Letzte sehr steile und hohe

Sandwand wartet noch auf uns. Janet steigt aus und geht voran um ein paar nette Bilder zu schießen.

Ich brauche drei vergebliche Versuche mit immer mehr Anlauf, um zu schnallen, das ich hier nur mit richtig Tempo rüberkomme. Die Untersetzung gibt maximal 60 km/h her. Das reicht bei weitem nicht. Ich muß mindestens auf 80 km/h kommen, um es dort rüber zu schaffen. Also Untersetzung raus und rund einen Kilometer Anlauf nehmen. Im zweiten Gang anfahren, hoch in den dritten, Vollgas. Die wand rückt näher...

Ich komme tatsächlich bis auf 90 km/h hoch. Und das im jaulenden dritten Gang. Krawumm, rein in die Düne und mit Bugwelle rauf. Die Schnauze ist zwar eingegraben, aber auf dem weg nach oben.

Mit gut 80 Sachen rein gedröhnt und nun noch mit gut 60 rauf...

Ich bin so schnell oben, daß keine Chance zum verzögern besteht, ginge auch eh nicht, weil ich sofort festsitzen würde. Der Sand ist mittlerweile wirklich sehr weich.

Das ist unser mit Abstand höchster und steilster Dünen Kamm. Weiter geht’s. Der Kulminationspunkt ist erreicht. Mit einem ziemlichen Satz überspringt der Trekker den Kamm. Alle Viere in der Luft und hinter der Düne kommt vielleicht gar nix. Wegen des hohen Wagens und des Frontrads sehe ich überhaupt keinen Boden. Zweimal hätten wir uns auf diese Art schon fast überschlagen. Jedesmal mußten wir danach unser Gepäck wieder nach hinten in den Wagen laden. Es geht fast senkrecht runter. Vorher aber ein Sprung über gut zwei Meter.

Der Wageninhalt wechselt seinen Platz wie vorhergesehen. Ich ziehe den Kopf ein und hoffe, das die Kanister zumindest nicht in meinem Nacken landen. Trotzdem kommt so einiges von hinten nach vorn. Es zerlegt mir den den GPS Anschluß und schaltet die Musik ein. Das hat alles zwar mächtig gekracht, aber ich finde beim Suchen nach der Landung keine Schäden. Halb hatte ich damit gerechnet, das es mir beim Einfedern den Air Locker Anschluß im vorderen Diff abschert. Aber unsere Stabi-Verbiege-Aktion in Tunesien bewährt sich offenbar.

Alle weiteren nun noch folgenden Dünen sind im Vergleich nur noch kleine Fische. Wir fahren noch mehrere Stunden über immer kleinere Dünen. Die sind allerdings recht fies, weil Butter weich. Die schmalen Landy Reifen pflügen mehr als das sie fahren. Immer wieder tauchen ganz unverhofft Sandlöcher auf, gefüllt mit sehr sehr weichem Sand. Alex winkt mich um eine Düne herum und fast am Ende der Sandwüsten Strecke vergrabe ich den Landy in herrlich weichem Fesch Fesch. Bis an den Türeinstieg in 50 cm Höhe. Nun können wir endlich mal wieder winchen und die Sandbleche das erste und einzige Mal testen. Aber erst buddeln und probieren. Es hilft alles nichts. Die Sandbleche müssen wirklich ran. Wer hätte gedacht, das ich sie ausgerechnet auf den letzten Metern noch brauchen würde. Also die Bleche runter vom Seitenhalter und versuchen, sie unter die frei gegrabenen  Räder zu bekommen. Auch das hilft alles wenig. Der Hilift muß ebenfalls ran. Wir pumpen den Wagen hoch, buddeln fleißig weiter und schieben die Bleche unter alle vier Räder.

Anfahren uuuuund fertig. Aha! Nette Erfindung, darauf sollten wir öfter zurückkommen. Allerdings ist das Ganze an und abbauen recht aufwändig. Wir fahren wieder. Bis wir an den Wüstenrand gelangen. An einen ca. 2 km breiten Streifen mit kleinen bis mittleren Sanddünen, in dem jede Menge Palmen stehen. Es ist wunderschön her. Das gute Wetter tut ein übrigens, das wir uns zu einer Siesta niederlassen. Zwischen kleinen und sehr schönen Dünentälern liegt hier ein kleines Paradies. Wir halten an einer schönen nackten stabilen Palme. Sie hat den Vorteil, daß ich an ihr den verbogenen Brush Bar leicht wieder geraderücken kann. Jetzt paßt auch wieder die Leiter des Dachzeltes darauf. Nach kurzer Besprechung, kleinem nickerchen und Keksen geht es nun raus aus der Sandwüste und rein in die Steinwüste. Äußerst scharfe und spitze Steine liegen vor uns. Keine Chance, auszuweichen, es sind einfach zu viele. Wir erhöhen den Reifendruck ein wenig und fahren weiter. Wir suchen uns einigermaßen den Weg durch all diese Reifenschlitzer, und haben dabei auch einige tiefe Schnitte abbekommen. Aber die Seiten der Michelin Reifen sind verstärkt und halten der ganzen Sache recht gut Stand.

Wir gelangen an einen Bereich, der aussieht wie ein Chott. Es ist mal wieder eine gute Idee, hier drum herum zu fahren. Das bedeutet leider weiter durch diese Mistgegend mit lauter aus dem Boden ragenden Haifisch flossen zu fahren. Es ist nicht schön hier und extrem mies zu fahren. Wir umfahren das Chott und gelangen wieder in Dünen. Klein und leicht zu durchqueren. Danach tauchen erste spuren von Zivilisation auf: Müll.

Dann jede Menge Schlamm und Matsch. Es muß hier unglaublich geregnet haben. Wir halten in dem Ort der hinter den Schlammlöchern liegt. Wir haben ihn schon einmal durchquert, auf der Asphaltstraße. Die beiden Endurofahrer würden hier gern die Reifen wechseln lassen. Wir finden tatsächlich einen "Reifendienst" der sich für fünf Dinar anbietet, den Job zu übernehmen. Allerdings nur solange, bis der Monteur anfängt, den ersten Reifen zu wechseln. Kurz danach entscheiden sie Alex und Ralf, es selbst zu tun. Der gute Mann darf noch ein wenig putzen und den Rest übernehmen wir selber. Er kann nicht einmal seine eigenen Maschinen benutzen. Außerdem steht schon wieder das ganze Dorf um uns herum. In der Zwischenzeit haben Janet und ich die letzen

Schäden am Brush Bar mit Hilfe eines Strops und einem Telegrafen Mast endgültig gerade gerückt. Das halbe Dorf steht herum, stellt dusslige Fragen auf Arabisch und fummelt ständig dazwischen, obwohl sie ganz offensichtlich gar nicht verstehen, was wir machen und vorhaben. Naja, haben wohl nichts besseres zu tun. Dies ist immer noch abwechslungsreicher als auf einem Stein vor einer Mauer zu sitzen. Irgendwann gibt einem das sicher nicht mehr soviel. Trotzdem, jeder zweite Mann in Arabien scheint diesem Hobby zu frönen. Was die Frauen machen, weiß ich nicht. Wir haben erst zwei oder drei in den letzten Wochen gesehen. Leicht genervt machen wir uns irgendwann auf der altbekannten Straße wieder auf den Weg. Von der Straße ist nicht allzuviel über geblieben, seit dem letzten Mal. Überall behindern Schlammmassen das weiterkommen. Es muß wirklich  unglaublich geregnet haben. Riesige Pfützen überall. Die Einheimischen haben leichte Probleme, im Schritt Tempo irgendwohin zu kommen. Sie umfahren jeden Buckel, jede Pfütze und jeden Kieselstein. Hier wird ganz sicher noch jede Woche das Auto von Hand gewaschen. Alle Autos glänzen und blinken wie neu. Da ist Schlamm ganz schlecht, vermutlich. Sehr gewagte Überholmanöver werden von mir durch geführt, ansonsten würden wir Jahre für diese lächerlichen 10 km benötigen. Wir tanken noch einmal in Brack. Wir haben hier nur 10 Liter Diesel auf hundert benötigt. Das ist ziemlich gut für die gefahrene Strecke. Wir schleichen weiter und irgendwann wird die große eintönige Straße durch eine Sperre unterbrochen. Hier geht es nicht weiter. Offenbar ist hier nachträglich ein Militärstützpunkt gebaut worden. Wir müssen zurück nachdem wir einen Einheimischen um Rat gefragt haben. Nach einigen hundert Metern fahren wir irgendwann rechts auf eine Piste und gelangen nach wenigen Kilometern auf eine recht neue Parallelstraße nach Norden.

Hier wimmelt es überall von Militär. Die Libyer haben eine merkwürdige Art, Bunker und Raketensilos zu verbergen, an denen wir in der Ferne vorbei fahren.

Das ganze kommt uns ziemlich spanisch vor, aber scheinbar ist der Weg ok. Langsam wird es dunkel. Wir suchen uns einen Platz zum übernachten. Das ist gar nicht so einfach, bei all der Militärpräsenz hier. Darum ist es diesmal auch nix mit Feuer, eine Straße verläuft recht dicht an unserem Lagerplatz vorbei.

Wir kochen, Alex und Ralf wechseln Reifen. Es gibt Spaghetti, und zwar gute. Der Mond scheint hell, es ist eine sehr klare Nacht und kalt wird es auch noch einmal. Aber gottlob ist es wenigstens windstill.

13. Tag (15. Januar 2000)

Unser Übernachtungsplatz hinter Brack in der Pampa neben dem großen Felsen war Einigermaßen komfortabel. Es war nicht sehr kalt, schätze so um die vier Grad Celsius. Ist schon erstaunlich, wie sehr wir uns hier mit den Temperaturen beschäftigen. Eines unserer Hauptthemen. Ich fürchte, nach unserem Saharaurlaub hätten wir anstelle von vier Wochen Island lieber Vamos ala Playa buchen sollen... Wir sind echt Kältegeschädigt. Das nächste mal (Algerien steht noch aus!) fahren wir frühestens im März los!!!.

Wir sind gegen 10:00 gestartet und wollten mindestens 600 km fahren. Und zwar die komplette Strecke bis Tripolis auf Asphalt. So weit wie möglich eben.

Hier ist eine grotten langweilige Gegend und Straße bis zum Horizont. Die einzige Abwechslung ist der interessante Gegenverkehr. Leider keine Eselkarren mehr wie vorher in Tunesien, aber noch immer faszinierende Stapeltechnik speziell für Schafe und Ziegen im Auto. Teilweise dreistöckig. Das ganze erinnert verschärft an die Motorrad Szene mit den Schafen im Dritten Wallace und Gromit Film „Unter Schafen“. Diese Schafe hier gucken übrigens genauso unglücklich aus der Wäsche. Überhaupt haben die Araber eine recht rustikale Art, mit Ihren Tieren umzugehen. Immer wieder stehen am Straßenrand Händler, die ungefähr zehn Hühner in einer Hand bei den Beinen halten und wild im Kreis schwenken das die Federn fliegen, wenn sich ein Auto nähert. Auch ist es eine faszinierende Sitte, die frisch geschächteten, abgezogenen und ausgeweideten Schafskadaver  an einen Haken in die Sonne zu hängen, während ihre unglücklichen Schafskameraden direkt daneben angekettet sind. Der Geruch ist für meine Nase schon ziemlich unerträglich. Oder die Riesenanzahl plattgefahrener Hunde am Straßenrand. Eigentlich nur in den Orten. Dort kommen sie halt am Besten zur Geltung, besonders vor den Schulen und wenn sie streng riechen.

In den Metzgereien hängen wie zur Abwehr böser Geister abgeschlagene Dromedarschädel in den Eingangstüren. Garniert durch einen Strunk Petersilie im Maul unter den glasig blickenden Augen, während die abgehackten Beine daneben an der Wand lehnen. Die Leute hier lieben es, aber mich hält es doch immer wieder ab, zum Kunden eines hiesigen Schlachters zu werden...

Hinter Schaftransportern herzufahren ist auch aus Gleichgewichtsgründen interessant. In jeder Kurver kippt die halbe Baggage um. Manchmal freilich können sie gar nicht kippen, weil die Packungsdichte maximalwert erreicht hat. Oftmals stehen sie auf dem Rücken ihrer untergeordneten Kameraden. Manchmal kippen sie wie die Kegel. Liegt erst mal eins auf dem Rücken, gibt es wie bei den Schildkröten keine Rettung mehr.

Das ganze widert doch sehr an. Noch dazu einen Europäer, der eigentlich glaubt, Fleisch sei etwas anorganisches und wächst auf Bäumen. Und Tiere gibt es im Fernsehen und meist sind sie flauschig oder heißen Godzilla oder Kommissar Rex. Das ganze erscheint so absolut eklig und respektlos. Allerdings ist unsere Art damit umzugehen dafür verlogen, peinlich und nicht minder respektlos. Bei uns ist alles nur noch eine Sache. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, das das noch hundertmal schlimmer ist. Die Tiere hier haben zumindest vor Ihrem Tod die freie Natur genießen können, was man von einer Legehenne nun wirklich nicht behaupten kann.

Die Art und Weise, wie die Inuit oder Indigenas mit ihrer Umwelt umgehen, erscheint mir so viel respektvoller und auch viel sympathischer. Ich denke, das ist die optimale Art und Weise. Zielgerichtet und praktisch, jedoch auch freundlich, respektvoll und auf das Nötigste beschränkt. Eigentlich sollte diese Regel auf alles im Leben und auf jede Situation anzuwenden sein. Ich versuche es oft, aber es ist nicht einfach. Ich denke, es geht allen so. Noch dazu, wo wir ach so esoterischen Bleichgesichter ohnehin in dieser genmanipulierten technisierten Zwickmühle stecken. Was soll es. Bislang habe ich es so gehalten, das ich mich einigermaßen an meine Umwelt anpasse. Je nachdem wo ich bin. In Griechenland haben wir unseren Fisch selbst ausgeweidet und gegrillt. In Patagonien versucht, ihn selbst zu fangen. Nächstes Jahr wollen wir den Yukon hinauf paddeln. Ich denke, dort kann ich endlich mal die endgültige Probe aufs Exempel machen, ob ich zum Selbstversorger geeignet bin. Mensch sollte alles einmal selbst ausprobiert haben, um mitreden zu können. Diese Regel treibe ich natürlich nicht exzessiv. Ich fasse auf keine heiße Herdplatte, um wirklich zu sehen, ob sie so heiß ist, wie man mir gesagt hat. Oft muß schon extrapoliert werden und es macht auch Sinn. Aber seine Nahrung sollte jeder Mensch schon einmal selbst gefangen, getötet und zubereitet haben, um nicht endgültig den Blick für die Realität zu verlieren. Und vor allem zu wissen, was es bedeutet, in einer Großschlachterei Massenmord betreiben zu müssen, um dumpfe Massen mit Formfleisch versorgen zu müssen, die nicht im entferntesten einen Gedanken daran verschwenden, was sie dort eigentlich essen!

So, auch noch eine Lanze für die Umwelt gebrochen. Nun weiter mit einem rußenden Land Rover durch die Gegend:

Bei einem kurzen Halt bekommen wir meist Besuch. Diesmal ein Wagen mit vier netten  Libyern, nein, fünf waren es. Sie geben uns Kuchen und das obligatorische Händeschütteln und dann packte uns einer der fünf einen großen Beutel mit einer verdächtig aussehenden braunen Masse in den Wagen. Zusammen mit einer Dose Saveur-pomme-Saft. Sehr nett finde ich das, bloß was ist diese braune eklig aussehende Masse. Mit etwas gezwungenem Lächeln verabschieden wir uns von den fünf großzügigen Männern. Erste Ermittlungen meinerseits (Geschmacksprobe!!!, die anderen ekelten sich dabei übrigens) ergaben, daß es sich um eine Art gepreßte Dattelpaste handelt. Die anderen geben dem braunen Kloß einen unschönen Namen (Übersetzt: shit-block). Trotzdem, es handelt sich eindeutig um entkernte und zusammengepappte Datteln. Schmeckt eigentlich gut. Obwohl wir vermuten, der shit-block sei mit dem Speichel von sieben arabischen Ehefrauen gefügig gemacht worden... Egal, immerhin ist das ein Geschenk von mindestens 1 kg Masse.

Wir fahren und fahren. Zwischendurch kippen wir den einen oder anderen Kanister Sprit nach. Der Landy fährt mit dem aus der Wüste aus dem Dieselfaß abgepumpten Sprit viel besser. Zieht besser, räuchert weniger und fährt 15 km/h schneller. Die Ganoven an der Tanke in Sebha haben tatsächlich den Diesel gepanscht. Er kam mir gleich so dünn vor, außerdem schäumte er beim einschenken wie Sekt. Das tut Diesel nicht, höchsten Super unverbleit. Ich hätte meinen Wasserabscheider benutzen sollen!

Naja, Thema erledigt. Dafür habe ich jetzt den hervorragenden Diesel umsonst!

Wir kommen an diversen Kontrollstationen vorbei wo wir ab nun auch immer überprüft werden. Beim ersten Mal wollen sie sogar das Carnet de Passage sehen und lassen uns gut eine Stunde warten. Dort lernen wir einen Franzosen kennen, der auf dem Weg zur Rallye Paris-Dakkar ist. Er erzählt uns, das die ganze Rallye Baggage aus dem Niger ausgeflogen wurden und nun durch Libyen donnert. Ehrlich gesagt interressiert mich diese Idioten Veranstaltung nicht im geringsten. Ich finde es einen Hammer, das einige ultrareiche und blöde Europäer sich die Freiheit herausnehmen dürfen, in einem wildfremden Land eine derart beschissene Veranstaltung durchzuziehen. Eine Beleidigung für jeden Einheimischen!

Ich halte mich also mit meiner Meinung dort ein wenig zurück und hocke mich lieber allein an den Straßenrand. Diese überheblich Rallye hat mich schon als Kind angekotzt! Nach dieser Kontrolle müssen ab jetzt immer nur die Pässe vorgezeigt werden. Das dauert immer nur einige Minuten. Trotzdem sind alle ziemlich genervt. Kann ich allerdings nicht verstehen. So eilig haben wir es nun wirklich nicht. Vielleicht liegt das daran, das ich weit und breit immer der einzige Wessie unter lauter netten Ossies bin. Die wurden logischerweise an Ihren damaligen DDR Grenzen nicht gequält, weil sie eh nicht ausreisen durften. Mich haben sie dort allerdings sehr oft bis auf die letzte Schraube meines jeweiligen Autowracks auseinandergenommen! Ich habe das in guter Erinnerung behalten. Jedes Jahr zwei bis dreimal in beide Richtungen. Jedes einzelne Mal davon war es absolut zum Kotzen! Dort habe ich sicher Geduld gelernt. Da ist jede der hiesigen Kontrollen so absolut lächerlich und schnell... Trotzdem wird es langsam dunkel.

Irgendwann entschieden wir, nach Tripolis durchzufahren, egal wann wir dort ankommen, auch im dunkeln. Na ja. die sogenannte Autobahn ist ja auch faszinierend. Dunkle Fußgänger, sich zuziehende unbeschilderte Haarnadel Kurven, keine Schilder, keine Namen, unbeleuchteter Gegenverkehr auf unserer Autobahn Fahrbahn.

Plötzlich und unmotiviert abbiegende oder wendende Autos. Alle fahren aufgeblendet oder ganz dunkel. Meist nur mit einem Scheinwerfer. Mein abblenden bei Gegenverkehr wird als Gruß aufgefaßt, der mit permanentem Aufblenden beantwortet wird. Ich fahre irgendwann nur noch aufgeblendet mit vier fetten Scheinwerfern die auch noch alle funktionieren. Es ist mir so total Scheißegal, was mein Gegenverkehr davon hält. Wenn hier nur bekloppte fahren, ist das EINDEUTIG NICHT mein Problem! Wenigstens kann ich sehen. Chaotisches fahren, allerdings liegt mir das genauso gut wie den hiesigen Verrückten. Die tragen ihr Auto über jeden Buckel während ich sie mit 110 überhole, oft trennen uns nur Zentimeter. Anscheinend ist man diese rücksichtslose Fahrweise hier von Nicht Einheimischen nicht gewohnt. Jedenfalls wird sie seltsamerweise eher positiv honoriert, höchstens manchmal überrascht! Offenbar ist Höflichkeit im Straßenverkehr (wie bei uns ja auch) eine Schwäche, die schamlos ausgenutzt wird. Jedenfalls haben die Leute hier mindestens genauso viel Angst vor Lackschäden, wie die Trottel auf unseren Straßen. Nur das diese hier eher NOCH schlechter fahren. Ich habe noch niemals einen BMW Fahrer gesehen, der in der Lage war, vor einer Kurve NICHT zu bremsen. Aber auf den geraden immer die wilde Sau markiert. Jedenfalls erreichen wir in Rekordzeit tatsächlich Tripolis und sind mit unserem Trekker nicht ein einziges Mal überholt worden... (Auch hier wieder die Anlaufstelle für alle BMW-Fahrer: jsnetworks@rocketmail.com!)

Tripolis. Es stinkt nach Müll, überall ist Müll. Berge von Müll. Ohne Ende Müll. Ein typischer libyscher Vorortbezirk also. Hier müssen die Leute schrecklich zivilisiert sein. Ich sehe sogar Fernseher herumliegen obwohl jedes Haus mindesten 137 Sat-Antennen an der Wand hat.

Die Häuser sind ungeachtet ihrer vielen neuen Sat-Antennen schlimmeres als schäbige Baracken. Müssen wohl Slumvororte sein. Libyen ist eigentlich ein sehr reiches Land. Wegen des internationalen Embargos sind allerdings die Auslandskonten gesperrt. Sie kommen nicht an Ihr Geld heran und können somit Ihr Straßennetz, die Infrastruktur etc. nicht instand halten. Das erklärt auch, warum das Benzin so unglaublich billig ist. Da sie nichts exportieren können ertrinken sie geradezu in Öl. Verkehrte Welt also.

Irgendwann wird es aber etwas besser. Wir fahren nach Kompaß ohne Koordinaten und finden tatsächlich den grünen Platz. Seit ich GPS und Kompaß im Auto habe, brauche ich praktisch keine Karten mehr. Selbst Stadtpläne sind oft überflüssig. Die Himmelsrichtung reicht völlig um zentrale Stellen in Städten zu finden. Vom grünen Platz ist es ein Klacks das Hotel Tarabulus al Hadid zu finden. Billig, aber mit einer Dusche. Allerdings eine absolute Kakerlaken Burg. In jeder Größe und Farbe an den Wänden. Schöne Exemplare von fetten Spinnen immer in der Nähe... Selbst in Mexiko habe ich nicht schlechtere Hotels gefunden... Aber es ist eh Dunkel und wir verschließen alles für die Nacht. Die Dusche ist heiß und ergiebig. Zumindest für die beiden Ersten.

Alex wäscht noch Wäsche und ich lese noch ausgiebig. Ansonsten gibt es keine weiteren Vorkommnisse. Die Leute im Hotel sind recht freundlich. Ich weiß nicht, wie oft ich in Libyen schon willkommen geheißen worden bin. Aber hundert Mal ist wohl nicht übertrieben. Gute Nacht.

14. Tag (16. Januar 2000)

Früh um sieben ging der Stadtlärm los. Es hörte sich an wie Mitten auf dem place de la concorde zur rush hour. Unglaubliche Motorengeräusche, singende Muezzin, schrill pfeifende Leute, Gehupe. völliges Chaos.

Nach einer zweiten heißen Dusche sieht es aber nur noch exotisch und nicht mehr nervig aus. Wir machen uns stadtfein (mein letzter Hüpper kommt zum Zug) und ich hole einiges Zeug aus dem wagen. es ist tatsächlich alles komplett. Ich finde sogar meine erste leeren Müllcontainer, unfaßbar. Nach vier Wochen ein Mülleimer.

Dafür gibt es in ganz Libyen kein Klopapier, der Koran schreibt ja auch dafür Handarbeit vor. Aber was tut man nicht alles... Wir werden jetzt in die Stadt auf Erkundung gehen. Auf dem grünen Platz frühstücken (was man

hier so Frühstück nennt) und vielleicht auch noch ins Frauenmarktviertel zum Stoffe kaufen. Außerdem gibt es ein großes und gutes Museum, das Nationalmuseum und praktisch keine Touristen außer uns. Das wird bestimmt nett. Es ist zwar kalt aber die sonne scheint, was ja auch zur Freude beiträgt. Zuerst sind wir frühstücken gegangen. Entgegen meiner trüben Aussichten gab es leckeren Café und warme Croissants! Dann gingen wir in die Altstadt und kauften dort allerlei ein. Es gibt hier sehr schöne lange schwere Hemden. teils bodenlang und sehr bequem und super Stoff. Für mich haben wir eins gekauft. Dann auch noch einen Silberring. Ich hab die Marotte, mir in jedem Land einen silbernen Ring zu kaufen, leider hab ich jetzt nur noch einen Finger frei, obwohl an manchem schon zwei Ringe sitzen.

Danach sind wir dann noch ziemlich viel herumgelaufen, haben Café créme getrunken. Wir fanden auch noch einen wirklich tollen Konditor mit den besten Keksen, die wir je probiert haben!! Den Laden haben wir quasi leergekauft.

Danach waren noch im Nationalmuseum. Es hat recht selten offen, dann aber sehr schöne römische Fresken und die schönsten Bodenmosaike die ich je sah. Es gibt auch viele wunderbare römische Marmorskulpturen aus diversen Epochen. Wirklich sehenswert und sehr billig. Wir haben locker zwei Stunden dort verbracht.

Die ganze Stadt ist ein ungeheurer Ameisenhaufen. Besonders der Schwarzmarkt blüht. Alles an Gebäuden verfällt leider. Das muß am Embargo liegen. Die Infrastruktur ist in ziemlich schlechtem Zustand. Jeder schlägt sich, scheint es, mit diversen und teils dunklen Geschäften durch.

Es gibt hier noch eine ganze Strasse mit Kesselflickern. Sie arbeiten ziemlich archaisch in ihren kleinen Werkstätten und dengeln wunderbare Tabletts, Kessel und andere Kupfer und Messinggegenstände. Sie benutzen dazu lediglich ein Sortiment aus Hämmern sowie ein Stück Eisenbahnschiene. Die Ergebnisse, die sie damit erzielen sind beeindruckend. Ich hab mal etliche Monate in einer Blechschlosserei gearbeitet und weiß einigermaßen wovon ich rede hoffe ich.

Wir fanden auch die letzte Seidenweberei Libyens. Dort arbeitet ein ziemlich alter Mann noch genau so am Webstuhl wie seit mindestens zweitausend Jahren. Wir standen lange dabei und sahen zu. Es war sehr interessant und leicht zu sehen, das der alte Mann auch nach 50 Jahren an diesem Webstuhl seinen Beruf noch liebte. Leider fehlen Nachfolger, die dieses Gewerbe erlernen möchten. Es ist eben überall das gleiche. Schnelles Geld ist gefragt.

Ansonsten gibt es in Tarabulu nicht all zuviel zu sehen. Die Stadt kocht geradezu vor Menschen. Es ist eine unglaubliche sehr laute Melange aus völlig verrückten Geräuschen, Gerüchen, Muezzins, Hupen, Alarmanlagen, arabischer Musik, Ami Popmist, Geschrei, Gepfeife, Bellen, Gesinge, es ist völlig chaotisch. Dazu kommt ein faszinierendes Verkehrswesen und viele coole Machos. Aber wir werden meist in Ruhe gelassen. Die Libyer sind alle sehr freundlich. Ich gebe zuviel Geld aus...

Heute Abend gehen wir noch Essen. Nachdem wir wieder im Hotel sind, habe ich die Heizung im Zimmer in Gang gebracht, es ist mal wieder ziemlich kalt hier.

Morgen früh soll es weiter gehen. Gerade schreibe gerade meine Grußkarten. Libyen hat 30tes  Jubiläum der Revolution. Zu diesem Anlaß gibt es hier die allerschönsten Briefmarken die ich je sah. Wunderbare arbeiten, es ist ein absolutes Paradies für Philatelisten (wir gehören zwar nicht dazu, aber trotzdem...). Ganze Markenbögen als ein großes Gemälde. Völlig irre. Briefmarken so groß wie die ganze Ansichtskarte, in den schönsten Motiven und Farben. Ich bin weiß Gott kein Briefmarkensammler, aber hier könnte ich mich arm dran kaufen. Was auch geschieht, leider sind die Marken ziemlich teuer.

15. Tag (17. Januar 2000)

Heute morgen sind wir von Tripolis gestartet. Wir haben unsere Kakerlakenburg verlassen. Tripolis hat nichts, was einen länger einige Tage interessieren könnte. Trotzdem waren diese Tage wirklich schön.

Der eine Konditor hat die ganze Sache herausgerissen, von den Keksen werden wir einige Tage leben können. Sie machen wirklich süchtig. Und die Tatsache, das wir diese wunderbaren Briefmarken für hunderte Mark bekommen haben war den Besuch ebenfalls wert.

Wir sind noch bei der Post vorbei und haben unsere Karten eingeworfen. Leider war mein PC-Adreßbuch nicht Jahr zweitausendfähig. es läßt sich nicht mehr starten, die Zecke...

Ich habe über einen Hexeditor das Ding dann ausgelesen. Sehr mühsam, aber anders hätte ich die Karten nicht verschicken können.

Trotz allem habe ich drei Adressen nicht mehr zusammen bekommen. Die Karten nehme ich dann einfach mit zurück.

Wir sind nun ca. 75 km bis Sabrata gefahren. Leider ist meine Digitalkamera voll und es gelingt mir nicht, die Bilder auf den Laptop umzuladen, daher muß nun die alte Canon AE1 wieder ran.

In Sabrata haben wir alle unsere Kanister vollgeladen, Sprit ist hier sozusagen umsonst. Danach sind wir zu den römischen Ruinen gefahren. Sabrata ist eine riesige alte römische Stadt. Erstaunlich gut erhaltene Bodenmosaike sind überall zu bewundern. Leider auch zu betreten. Das große Amphitheater ist wirklich grandios. Außerdem ist den Libyern ausnahmsweise mal gelungen, einige Restaurierungen sinnvoll und relativ gut auszuführen.

Wir waren die einzigen Touristen. Wie schon im libyschen Nationalmuseum in Tripolis. Wir verbringen fst den ganzen Tag zwischen den römischen Zeitzeugen. Das Areal ist riesig und extrem gut erhalten. Selbst das Straßenpflaster, öffentliche Toiletten (Sammelklos!) usw. sind erstklassig erhalten.

Leider gibt es mal wieder keine Restaurants, keine Hotels oder Imbißbuden, wir haben nix mehr zu futtern.

Wir fahren also nach etlichen Stunden weiter in die Jugendherberge. Der Göttler beschreibt sie als ordentlich und sauber. Ich  schätze, er war lange nicht hier. Falls doch habe ich vermutlich noch sein Bettzeug

 auf der bis zum Boden durchgelegenen Matratze gehabt.

Immerhin gibt es leidlich warmes Wasser bei dieser Kälte (nachdem ich die Duschen repariert

 habe).

 Wir kochen auf dem Balkon. Dieses mal bin ich Chef de Cuisine. Nebenan sind noch zwei Italiener, die mit uralten kleinen Vespas durch Libyen reisen. Zwei völlig abgefahrene Typen. Wir tauschen allerlei Lebensmittel miteinander und sitzen noch ein wenig beieinander. Nach dem Essen geht es auch schon zu bett.

Leider stellt sich heraus, das einer der Italiener ganz furchtbar schnarcht. Ich habe noch nie jemand in dieser unfaßbaren Lautstärke schlafen hören. Um drei Uhr nachts zerschneide ich in meiner Verzweiflung mein Bettlaken um daraus Ohrenstöpsel zu basteln. Aber es hilft nicht viel.

Der nächste morgen lässt lang auf sich warten, wenn man nicht eine Minute 12 Stunden lang eine Auge zu tut. Am schlimmsten ist immer die Enttäuschung nach einer Schnarchpause, wenn er dann doch wieder nach einer halben Minute anfängt. Mordgedanken brechen sich Bahn.

Wenn ich etwas wie die Pest hasse, so ist das schnarchen, auch wenn der arme Kerl vielleicht nix dafür kann. Ich mache die ganze miese nacht kein Auge zu. Das liegt unter anderem daran, das er direkt an meiner Wand liegt und die Wände erstens sehr dünn und zweitens leider in zwei Meter Höhe zu Ende sind. Darüber  kommt dann irgendwann die Decke, aber die Lücke bis dahin beträgt ca. 1,5 Meter.

Es sind keine Räume, sondern Kabinen. und extrem dreckig dazu.

Am nächsten Morgen bin ich so unglaublich stinkig, das mich 1 Stunde niemand anzusprechen wagt.

Nur der freundliche Schnarcher erkundigt sich, ob ich eine gute Nacht hatte und einen Kaffee möchte, seufzer.

18. Tag (18. Januar 2000)

Wir sind so gegen 9:30 aus Sabrata abgerauscht. Ich habe vergessen zu erwähnen, das wir gestern vor den Ruinen noch kurz am Strand waren. Es sollte ein weißer Sandstrand sein. Leider lag der Seetang über einen Meter hoch darüber. Wir hätten uns fast darin festgefahren. Trotzdem fanden wir ein kleines tangfreies Plätzchen, um einen Happen zu essen. Ausnahmsweise waren mal keine Leute in der Nähe. Ehrlich gesagt vermisse ich die Stille und Leere und weite der Wüste sehr!

Nach Sabrata waren es noch etwa 100 km bis zu tunesisch-libyschen Grenze. Dort ging alle relativ glatt ab. Lediglich bei der Schilder Rückgabe ließen sie mich auflaufen und warten, wohl in der Hoffnung, daß ich auf die fünfzig Dinar entnervt verzichten würde. Aber dazu ist meine Geduld locker ausreichend.

Bei Ralf und Alex stellte sich heraus, das sie ihre grünen Karten, die es bei der Einreise gab, nicht mehr hatten. also war ärger vorprogrammiert. Trotzdem kamen sie eine lächerliche halbe stunde später dann doch eine Sperre weiter. Janet und ich fuhren unbehelligt durch. Nach knapp zwei Stunden war alles gegessen, keiner hatte uns auch nur ansatzweise durchsucht. Dabei hatte ich einige illegale Nummernschilder im Wagen. Sowie andere Dinge, die sie sicher nicht mochten... Es wäre ganz bestimmt nicht so toll gewesen, hätten sie die gefunden.

Jedenfalls sind wir wieder in Tunesien und fahren die strecke zum Café el Gorfas allein, das sollte unser gemeinsamer Treffpunkt sein.

Ralf und Alex wußten nicht, wie gut sie weiterkommen würden und daher hatten wir uns an der Grenze getrennt.

Nun sind wir schon zwei Stunden hier und die beiden trudeln nicht ein. In der Zwischenzeit haben wir einige Töpferwaren völlig überteuert von einem penetranten Tunesier erstanden. Mann, waren die Libyer zurückhaltend!  Wir mußten wohl dafür herhalten, das heute keine anderen Touris hier waren, na ja. Aber schön sind sie trotzdem. Das Hotel im Kzar ist leider geschlossen wegen Reparatur, da müssen wir wohl irgendwo in der Umgebung übernachten und auf die beiden Enduros warten, fürchte ich. Hoffentlich kommen sie noch.

Ich habe kurz zu Hause angerufen. alles klar, aber meine Orchideen Sammlung vermißt mich wohl schmerzlich. Es wird zeit, wieder heimzukommen.

Ich habe auch nicht mehr allzuviel Lust. Es nervt mittlerweile, wie die hier einen ständig anhauen und befummeln.In der Wüste war es am schönsten. auch die Bewohner und die Dörfer und Menschen im libyschen Süden haben uns allen am besten gefallen.

Libyen ist sicher eine zweite Reise wert, vielleicht zum Waw an Namus. Ansonsten gibt es auch noch leptis magna zu sehen, es soll noch weit größer als Sabrata sein.

Die Rückreise nach Genua schenke ich mir hier. Auch die Fischvergiftung und Kotzorgie der nächsten Tage im Schnee... Ralf und Otti hat der tote Fisch ebenfalls extrem mitgenommen. So heftig bin ich noch nie erkrankt. Leider mußte ich dabei auch noch Auto fahren...

Aber das schenken wir uns hier wohl eher.

 Unser nächstes Reiseziel wird woanders sein. Vielleicht Island (das wurde es im August dann auch, der Reisebericht und Fotos sind auf dieser Webseite zu finden!), Kambodscha oder Wales/Schottland/Irland oder Alaska. Je nachdem...

 Wenn es soweit ist, wird sicher wieder ein Reisebericht erscheinen.

 Ich hoffe, das Lesen hat Euch etwas Spaß gemacht und Lust am Reisen geweckt, damit ist schon viel erreicht!

 Bis bald!

Jorge

Netz gegen Kinderporno bei www.Heise.de
BuiltWithNOF
Gegen die Abmahnwelle bei Doaminnamen

Please contact our Webmaster for questions or comments.
© Copyright 2003 J. Scheffler/NetWorks-Hannover All rights reserved.

 © 2000 by
 
Jörg Scheffler