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Island Offroad

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Von: Lars Mahling

 Erdbeben in Island. Nur 6 Wochen vor dem geplanten Urlaub in Island! Was ist passiert? Kommen weitere Beben? Ist es überhaupt zu gefährlich, die Reise anzutreten? „Kein Problem!“ beruhigt uns Reynir Jonsson telefonisch. Er lebt in Reykjavik und ist unsere Kontaktperson für die Reisevorbereitung und unseren Trip durch Island selbst. Nur einige uralte Hütten sind eingestürzt. Beruhigt treffen wir unsere Vorbereitungen für die zweite 4Wheel Fun Travel Service Reise nach Island. Leider nehmen die guten Nachrichten aus dem hohen Norden nicht alle so locker: Zwei Reisestornierungen verringern unsere Gruppe auf zwei Fahrzeuge und drei Personen. Wir werden diesen Trip also alleine machen müssen.

 

ReykjavikEndlich: am 27. Juli treffen wir, das sind Janet, Jörg und Lars, in Reykjavik ein. Wir haben zwei kurze Flüge nach Kopenhagen und Keflavik hinter uns und wurden dort von Reynir abgeholt. Jetzt stehen wir am Zoll im Hafen von Reykjavik, um unsere Fahrzeuge abzuholen. Sie waren im Seecontainer eine gute Woche unterwegs und stehen zur Abholung bereit. Noch ein paar Formalitäten und dann haben wir sie wieder. Landy und 4Runner haben alles gut überstanden und wir sind froh, nun endlich unsere Zelte auf dem Stadt-Campingplatz in Reykjavik aufbauen zu können. Die ersten Tage verbringen wir damit, die Stadt und die nähere Umgebung unsicher zu machen. In bequemen Tagesausflügen können die bekanntesten Sehenswürdigkeiten Islands besichtigt werden: Die Blaue Lagune, den Ting, das Geysirgebiet Haukadalur mit der aktiven Springquelle Strokkur und der Wasserfall Gullfoss. Auch die erste Off-Road-Piste wird gemeistert. Südlich des Gletschers Langjökull geht es durch eine Lava-Steppe zum Berg Hlödufell und weiter zu unserem Basiscamp.

 

Viele FurtenDie Eindrücke der Natur sind überwältigend. Island zeichnet sich dadurch aus, daß es hinter jedem Berg anders aussehen kann. Langeweile kommt nicht auf. Lava wechselt sich ab mit grünen Wiesen, Felsbrocken, Flüssen und Seen. Genauso kurzweilig ist das Wetter. Obwohl das Thermometer nur selten über 20 Grad steigt, ist es in der Sonne so warm, daß wir meistens mit T-Shirt auskommen. Ein Schauer zwischendurch oder auch starker Wind gehören zu Island, wie die überall sichtbaren Vulkankrater.

 

 

Nach drei Tagen in der Hauptstadt Islands kann uns nichts mehr halten. Unsere Hochland-Tour beginnt. Es geht auf der Ringstraße 1 süd-östlich nach Hella. Wir verlassen die asphaltierte Straße und es geht weiter über Schotterpisten zur Hochland-Piste F210. Sie führt uns am ersten Tag nach Landmannalaugar, einem beliebten Ausgangspunkt für Wanderungen. Landmannalaugar liegt im Hochnebel, als wir ankommen. Aber was soll’s. Unsere Zelte sind schnell aufgebaut und ein Tarp schützt uns vor dem einsetzenden Nieselregen. Wer will, kann im Fluß neben dem Campingplatz baden. Dazu muß man kein abgehärteter Wikinger sein. Der Fluß wird von einer heißen Quelle gespeist, so daß man wie in einer überdimensionalen Badewanne den Tag ausklingen lassen kann.

 

CampingplatzAm nächsten Morgen geht es weiter nördlich auf die wohl bekannteste Hochlandroute, die Sprengisandur. Über diese Südwest – Nordost – Verbindung sind bereits die alten Wikinger gezogen, um sich zum ältesten Parlament der Welt, dem Ting zu treffen. Dort wurde zwischen den Clans Recht gesprochen. Heute ist diese Piste eine sich durch die Berge schlängelnde Wellblechpiste, die im Auto alles abvibriert, was nicht bombenfest angeschraubt ist. Wir fahren die Sprengisandur nicht zu Ende, sondern biegen vorher links ab Richtung Akureyri. Von der Hochebene schraubt sich die F821 den Fjord Eyjafjardalur hinab. Bevor die Zivilisation wieder einsetzt, beschließen wir, unser Abendessen an einem Gebirgsbach zuzubereiten. Die letzten wärmenden Sonnenstrahlen lassen den Tag ausklingen. Durch die nördliche Lage Islands, wir befinden uns nur knapp 150 km südlich des Polarkreises, bleibt es hell. Wir fahren weiter nach Akureyri, Islands zweitgrößte Stadt.

 

Historische Erdhäuser Akureyri InnenstadtDas Wetter in Akureyri ist gemeinhin milder und wir nutzen den folgenden Tag für einen Stadtbummel und einen Ausflug zum Museumshof Glaumbaer, nördlich von Varmahlid. Hier ist ein alter Hof, wie er noch bis in die 50er Jahre unseres Jahrhunderts genutzt wurde, erhalten geblieben. Die Wände und das Dach sind mit Torfplatten verkleidet, um sich teures Holz zu sparen und eine hohe Wärmedämmung im Winter zu erreichen. Welcher Gegensatz zu unserer heutigen technisierten Welt! Ohne Strom, geschweige denn Telefon oder Fernsehen, lebten hier die Isländer. Leicht zu verstehen, daß der Brennivin, ein Kümmelschnaps, viel geliebt und oft besungen wurde.

 

Weiter geht es Richtung Osten. Über den Godafoss Wasserfall zum Myvatnsee. Der Myvatn- oder Mückensee macht seinen Namen alle Ehre. Glücklicherweise handelt es sich nicht um Stechmücken. Man gewöhnt sich schnell daran, daß es um einen herum wimmelt von Mücken. Vereinzelt werden auch die Gaze-Kappen ausgepackt, die unsere deutschen Outdoor-Ausrüster im Angebot haben. Man muß sich entscheiden, ob man die Mücken erträgt oder mit der Gaze-Kappe etwas dümmlich dahe

Myvatn bleibt für zwei Tage unser Basis-Camp. Zum Dettifoss, Islands mächtigsten Wasserfall, verlassen wir den Myvatn-See Richtung Osten auf der Ringstraße 1. Bereits nach wenigen Kilometern geht die F862 zur Ostseite des Dettifoss links ab. Es ist wieder eine Piste vom feinsten. Schlaglöcher reichen sich aneinander, nach einiger Zeit hat sich die Piste bis zu einen Meter in die Wiese eingefressen. Gegenverkehr kann hier nicht ausweichen. Einer muß rückwärts einige hundert Meter rangieren, um ein geeignete Stell zum passieren zu finden. Die letzten 500 Meter müssen gelaufen werden, bevor sich der Dettifoss in seiner Größe darbietet. Die Gischt steigt an der Uferkante steil auf, um dann als feiner Sprühregen niederzugehen. Wasserdichte Kleidung ist bei Islands Wasserfällen auch bei strahlenden Sonnenschein zu empfehlen.

 

Askja vorausAuf gleicher Strecke geht es zurück Richtung Myvatn. Wir besuchen noch die Solfataren, die unmittelbar an der Ringstraße liegen. Dem starken Schwefelgeruch folgend, erwandern wir uns diese Schwefeltöpfe mit ihren fauchenden Dampfquellen und brodelnden Schlammbecken. Zurück geht es nach Reykjahlid und bevor wir unseren Zeltplatz aufsuchen, nutzen wir das Freibad, um uns wieder aufzustylen. Am nächsten Morgen geht es weiter. Wir wollen wieder in’s Hochland zur Askja. Der Weg zu diesem mit Wasser gefüllten Vulkankrater führt vorbei am Herdubreid, einem Schildvulkan, der weithin sichtbar ist. Ihn werden wir in den nächsten Tagen immer wieder und aus allen Richtungen sehen.

 

Die Ankunft auf dem Campingplatz an der Schutzhütte Dreki ist für den bis dahin verwöhnten Camper ernüchternd. Es handelt sich eigentlich nur um einen Schotterplatz, auf dem man sein Zelt aufbauen kann. Die sanitären Einrichtungen bestehen aus einigen „Natur-Toilletten“ und Waschbecken mit kaltem, dem Gletscherfluß entnommenen Wasser. Jedenfalls ist man nach der Morgenwäsche wirklich wach. Bereits nach wenigen Minuten stehen die Zelte. Die Routine der letzten Tage macht sich bemerkbar. Es bleibt noch Zeit, bis zum Parkplatz der Askja hinaufzufahren und die letzten Kilometer zu Islands größten See zu laufen. Nach gut 45 Minuten Fußweg erreicht man den Öskjuvatn mit seinem kleineren Bruder Viti. Während sich der große Öskjuvatn kalt und weitläufig präsentiert, handelt es sich beim Viti um einen kleinen, mit Wasser voll gelaufenen Vulkankrater, der noch heute von heißen Quellen beheizt wird.

 

Schildvulkan Sprengisandur

 

 

 

 

 

 

Für den folgenden Tag haben wir uns die schwierigste und höchste Piste Islands vorgenommen: die Gaesavatnaleid Süd. In großem Bogen geht es südlich der Askja Richtung Westen, mitten durch einen Sandsturm. Der starke Wind nimmt die leichte Vulkanasche auf und zieht sie mehrere hundert Meter in die Höhe. Durch knietiefen Sand geht es im Allrad-Antrieb und hoher Drehzahl durch den Sturm. Für die rund 90 km bis zum Campingplatz nach Nyidalur benötigen wir fünf Stunden reiner Fahrzeit. Es geht über meterhohe steile Felstreppen und breite Flußbecken in die Berge. Endlich können unsere speziell vorbereiteten Off-Roader zeigen, was in ihnen steckt. Ohne Probleme und Blessuren schaffen wir dieses High-Light.

 

Nyidalur begrüßt uns mit starkem Wind, leichtem Regen und Temperaturen von 8 Grad. Tapfer stellen wir unsere Zelte auf, obwohl die beheizte Schutzhütte so verlockend ist. Nach einer kalten Nacht liegt auf den Bergen rund um den Campingplatz leichter Neuschnee. Der winterfeste Schlafsack und das Fleece-Inlet haben sich bezahlt gemacht. Es geht wieder Richtung Nord über die Gaesavatnaleid Nord. Stundenlanges kurven durch die riesigen Lavafelder ermüdet auch trotz Servolenkung. Trotz fortgeschrittener Zeit entscheiden wir uns, an diesem Tag nochmals zum Myvatn-See zu fahren. Der rustikale Zeltplatz an der Askja wäre die Alternative, reizt uns aber nicht wirklich. So geht es strikt Nord zum Myvatn. Was auf der Karte als gerade Piste aussieht, entpuppt sich als Fortsetzung des Lavafeldes, durch das wir schon den ganzen Tag fahren. 170 Kilometer haben wir heute in 8 Stunden bewältigt. Gut zu verstehen, daß wir an diesem Abend das Freibad doppelt genießen.

 

Geothermisches KraftwerkWir beschließen, nach dem langen Tag zuvor, einen geruhsamen Tag einzulegen. Wir fahren einige Kilometer zum Krafla Vulkan. Der unter gewaltigen Getöse austretende Wasserdampf wird über Rohre zum Kraftwerk geleitet und dort der Strom für die Region erzeugt. Das Wetter ist an diesem Tag wieder sonnig und wir wandern über die Lavafelder. Die schwarzen Lavaflüsse bilden einen überwältigenden Kontrast zu den sich erhebenden Wiesen und Bergen.

 

Unser nächstes Ziel heißt Kverkfjöll. Dazu müssen wir Richtung Süd, bis wir an den Rand des Vatnajökull Gletschers gelangen. Die Piste bis dahin ist gut ausgebaut, sodaß wir für die rund 160 km nur 4 Stunden benötigen. Das läßt uns Zeit, bis zu den Eishöhlen an der Gletscherkante zu wandern. Bevor wir dahin gelangen, muß ein reißender Bach zu Fuß überquert werden. Statt einer Brücke liegt ein circa 10 Meter langer Dreikantmast über dem Fluß. Die Enden sind mit Steinen beschwert, um ein Kippen zu verhindern. Auf allen Vieren klettern wir über die Brücke.

 

Eingestürzte EisgrotteHeiße Quellen unter dem Gletschereis haben große Höhlen ausgeschmolzen. Leider ist aufgrund der Gletscherwanderung und Schmelzvorgängen nur eine interessante Öffnung übrig geblieben. Ein Bewandern der Höhle verbietet sich von selbst. Immer wieder stürzen große Eisbrocken von der Decke. Gegenüber der Eishöhle befindet sich eine 30 Meter hohe Gletscherzunge. Die „Wardens“ der Schutzhütte am Campingplatz berichten uns, daß dieser Gletscher in den letzten 12 Monaten rund 1,5 Kilometer gewandert ist. Immer wieder brechen unter lautem Donnern Teile des Gletschers ab und speisen mit ihrem Schmelzwasser die Flüsse des Hochlands. Wir gönnen uns an diesem Tag die Wärme der Schutzhütte bevor wir in unsere Zelte verschwinden.

 

 

Wir wollen den Osten Islands möglichst schnell durchfahren und entschließen uns, in einem Stück bis an die Südküste durchzufahren. Egilsstadir bietet die Möglichkeit zur Ergänzung der Lebensmittel-Vorräte und natürlich wieder ein Freibad. Wir genießen das angenehm warme Wasser und die Sonne scheint uns in’s Gesicht. In Höfn übernachten wir und fahren schon am nächsten Morgen weiter Richtung Westen. Wir sind jetzt an der Südküste Islands in unmittelbarer Nähe des Vatnajökulls. Hier befindet sich die regenreichste Gegend Islands. Wir wollen möglichst schnell wieder in trockenere Gefilde.

 

Aphibien LKWTrotzdem nutzen wir die Möglichkeit zum Gletscher hinaufzufahren. Es geht rund 16 km steil in den Berg. Schon bei schönen Wetter ist dieser Weg anspruchsvoll. Hinter jeder Spitzkehre könnte einer der geländegängigen Reisebusse entgegen kommen. Heute ist aber dichter Nebel, oder sind das schon die Wolken? Wir schaffen in langsamer Fahrt den Weg bis zur Schutzhütte. Von hier starten Motorschlitten-Touren. Da sich das Wetter nicht bessert, beschließen wir, einige Zeit im Restaurant der Hütte zu warten. Es lichtet sich zwar ein wenig, aber es hat keinen Sinn, hier oben zu bleiben. Wieder zurück auf der Ringstraße fahren wir weiter Richtung Westen. Der nächste Höhepunkt, die Gletscherlagune Jökulsarlon, liegt ebenfalls im dichten Nebel. Trotzdem gehen wir an Bord einer der Schwimm-LKW’s. Sie fahren nach wenigen Metern in das drei Grad kalte Wasser der Lagune. Wir werden immer von einem kleinen Schlauchboot begleitet. Wer hier in’s Wasser fällt stirbt bereits nach wenigen Minuten an Unterkühlung. Das Schlauchboot wäre sofort zur Stelle, wenn jemand über Bord geht.

 

Die Eisberge geben im dichten Nebel ein eigenartige Stimmung. Man könnte glauben, man wäre nicht mehr auf dieser Welt. Nach 30 Minuten ist alles vorbei. Wir fahren weiter auf der Ringstraße und schlagen unsere Zelte im Skaftafell Nationalpark auf. Von hier starten viele Wanderungen, beispielsweise zum Svartifoss Wasserfall mit seinen schwarzen Basaltsäulen. Wer möchte, kann sich geführten Touren über den Gletscher anschließen. In rund fünf Stunden wandert man mit Steigeisen, Sicherungsseil und Spitzhacke über den Svinafellsjökull.

 

Blick auf die AskiaDie Zeit drängt. Wir wollen wieder nach Reykjavik. Wir hoffen auf schönes Wetter, denn wir sind mit Reynir für eine Fahrt auf den Langjökull Gletscher verabredet. Wir wollen mit unseren Fahrzeugen auf den Gletscher. Also fahren wir von Skaftafell in einem Rutsch bis nach Reykjavik. Den Campingplatz kennen wir ja schon von unseren ersten Tagen und wir genießen das große Freibad unmittelbar neben dem Campingplatz. Leider sind die letzten Tage zu verregnet als daß wir auf den Gletscher fahren könnten. So verbringen wir noch etwas Zeit mit shopping und dem Besuch des Freilichtmuseums Arbaer. Eine weitere Attraktion wollen wir unbedingt sehen. In diesem Jahr haben sich die Isländer ihre eigene Adria geschaffen. Südlich der Perlan, einem futuristisch gestylten Heißwasserspeicher auf einer Anhöhe in Reykjavik, schuf man eine kleine Bucht am Nordatlantik mit weißem Sandstrand. Damit auch gebadet werden kann, ist die Bucht vom offenen Meer abgeteilt und wird mit heißem Wasser gespeist. Dadurch ist das Wasser in der Bucht rund 20 Grad warm und lädt zum Baden ein.

 

Beheiztes Meer in ReykjavikMit Wehmut verladen wir unsere Autos in die Container der Reederei Eimskip. Sie werden einige Tage nach uns in Hamburg ankommen. Wir selbst fliegen am nächsten Morgen zurück nach Deutschland. Drei Wochen Island liegen hinter uns. Drei Wochen überwältigender Natur, Off Road fahren pur und jede Menge netter Menschen. Wer weiß, vielleicht treffen wir uns schon nächsten Jahr in Island? Der 4Wheel Fun Travel Service ist jedenfalls wieder da. Warum schließt Du dich nicht uns an?

 

 

 

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